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Die neue Mercedes-Benz G-Klasse: Eine Ikone erfindet sich neu.

Fahrbericht

40 Jahre und kein bisschen langweilig: Die neue Mercedes-G-Klasse im Alltagstest

Sie ist schon über 40 Jahre lang Kult und so frisch wie nie: Wir haben die neue G-Klasse im Straßenalltag getestet. Und dem Gelände-Mercedes auf den G-Punkt gefühlt.

Smack und klack! Erst fällt die Tür blechern ins Schloss. Smack! Dann rumpelt der dicke Chromstift, besser als Türentriegelungsknopf bekannt, nach unten. Klack! Hört sich an wie früher. Und so muss es sein – auch wenn dieses Auto gerade eben vom Band gerollt ist. Eine echte G-Klasse von Mercedes muss nicht nur klingen wie immer.

Sondern auch so aussehen wie immer. Kantig, hoch aufgeschossen, die Blinker vorne oben auf den Kotflügeln. Wie aus der Zeit gefallen. Zeitlos eben. 40 Jahre und kein bisschen langweilig. Wer hätte gedacht, dass Mercedes mit der neuen G-Klasse die Quadratur des Kreises gelingen wird? So viel Kult wie möglich zu erhalten und trotzdem ein modernes erfolgreiches Auto zu bauen.

Mercedes G-Klasse wie eh und je

Das gilt nicht nur für gebrauchte Fahrzeuge. Günstige und alte G-Geländewagen aus Armeebeständen – sei es Bundeswehr, dänisches Heer oder österreichische Armee – werden im entsprechend ramponierten Zustand um die 10.000 Euro gehandelt. Dann gehen die Preise steil nach oben. Wer das viele Geld für eine neue G-Klasse hat (Grundpreis ab 97.115,90 Euro), der muss auch viel Geduld mitbringen. Mit mindestens einem halben Jahr Lieferzeit sollte im Augenblick gerechnet werden.

Was macht nun den Reiz der G-Klasse aus? Vielleicht ist es das Design, dass ein G kein x-beliebiger SUV ist, sondern nach wie vor ein Geländewagen mit kantigem Charakter. Und alltagstauglich. Auch, wenn man sich das eigentlich nicht vorstellen kann.

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Mercedes G-Klasse: Bequemer und luxuriöser als seine Vorgänger

Denn zunächst sind wir erschrocken, als der strahlend weiße G 500 (Grundpreis 110.205,90 Euro) vor uns steht. Das ist kein Auto – das ist ein Mordstrumm Auto. Mann ist der lang! 4,81 Meter, das sind ja fast zwei Smart fortwo. Hoch ist er (fast) genauso wie breit. Mit 1,97 Metern passt man gerade noch unter die gängigen Tiefgaragen-Einfahrten und mit 1,93 Meter Breite wird es schon eng, wenn man auf Baustellen-Spuren der Autobahnen entlang schnürt. Da braucht es Nerven und eine ruhige Hand. Parklücke finden? Schwierig!

Kantig, hoch aufgeschossen: Die neue G-Klasse von Mercedes bleibt sich treu.

Die um fünf Zentimeter längere und zwölf Zentimeter breitere Karosserie nebst längerem Radstand sorgt für deutliche mehr Bequemlichkeit als beim Vorgänger-Modell. Sowohl vorne als auch im Fond sitzt man tatsächlich wie in der S-Klasse. Business-Class-Feeling trifft auch auf das edle Interieur zu, das es für alle Betuchten in Orient und Okzident in feinsten Varianten gibt. Die Top-Ausstattung heißt G Manufaktur Interieur plus und schlägt mit 11.560 Euro zu Buche. Dafür gibt es unter anderem feinstes Nappa-Leder mit Kontrastziernaht in Yachtblau.

Auch bei der Instrumentierung wird geklotzt und nicht gekleckert. Wie in der S-Klasse auch verbinden sich zwei 12,3-Zoll-große Screens zu einem Breitband-Bildschirm, in dem sich alles natürlich voll digital einstellen und ablesen lässt.

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Mercedes G-Klasse: Ein echtes Biest unter der Haube

Feines bietet Mercedes standesgemäß auch bei den Motoren. Es muss ja nicht gleich der AMG G 63 mit seinen 585 PS sein (ab 152.724,60 Euro). Der Achtzylinder-Biturbo in unserem G 500-Testwagen ist ja auch schon was. 610 Nm Drehmoment werkeln im Bereich zwischen 2.250 bis 4.750 U/min. Damit geht es in den unteren Drehzahlbereichen schon gut los. Zunächst sanfte Gewalt, dann brüllende Urkraft!

Man wünscht sich die Zeiten zurück, als so ein Auto auch umweltpolitisch noch völlig korrekt war. In 5,9 Sekunden geht es dabei von 0 auf 100. Mit 9-Gang-Automatik und Allrad natürlich. Und am besten mit dem luftgefederten Fahrwerk, das Unebenheiten wegbügelt und einem trotzdem Gefühl für die Straße gibt.

Das Interieur der Mercedes G-Klasse strahlt Business-Class-Feeling aus.

Und weil das so viel Spaß macht, bleibt man ein paar Mal zu oft auf dem Gaspedal. Was sich bitterlich rächt. Denn, wer so einen G 500 unter 14 Litern fährt, der bekommt eine Wildcard bei den Spritspar-Weltmeisterschaften. Der ermittelte Norm-Verbrauch von 11,5 Litern ist, auch wenn nach dem neuen WLTP-Verfahren ermittelt, in der Realität leider nur Schall und Rauch.

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Mercedes G-Klasse kommt auch als Diesel-Variante

Apropos Schall. Der Vierliter-Motor klingt (sau-)gut. Der brummt so fein unter der Motorhaube, der gluckert und blubbert so schön im Auspuffstrang, der trompetet so herrlich aus allen Rohren, dass es eine wahre Freude ist. Aber auch das ist vermutlich unkorrekt.

Wer jetzt angesichts von Umweltdebatten und C02-Diskussionen ein schlechtes Gewissen hat, mit dem kräftig schluckenden Achtzylinder unterwegs zu sein, dem sei der 350er Diesel empfohlen. Der Reihensechszylinder bietet 286 PS und ein ebenfalls sattes Drehmoment von 600 Nm. Wirklich ausreichend für Stadt und Land. In immerhin 7,4 Sekunden geht es auf Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 199 Stundenkilometer. Auch das ist wirklich ausreichend, den schon ab Tempo 150 fühlt sich die Fahrt im G schon fast halsbrecherisch an.

Die neue Mercedes G-Klasse ist völlig geländetauglich.

Wenn so viel Masse mit knapp 2,5 Tonnen erst mal in Schwung kommt und mit seinem steil aufragendem Aufbau die Luft vor sich herschiebt, dann fühlt sich das an wie eine Schussfahrt im Zielhang der Kandahar.

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Neue Mercedes G-Klasse auch fürs Gelände geeignet

Wenn es ein bisserl mehr Leistung sein soll und trotzdem noch vernünftig: Für den bietet Mercedes jetzt auch den 400er Diesel an. Gleiche Maschine nur noch mehr Power. 330 PS schieben den Geländewagen in 6,4 Sekunden auf Tempo 100. Dabei sollen die Durchschnittsverbräuche bei knapp unter 10 Litern liegen!  Was zu beweisen wäre, aber immerhin vorstellbar.

Dass der G voll geländetauglich ist, erwähnten wir ja bereits. Alle Modelle müssen den berühmten Schöckl-Test absolvieren, was dann auch mit einer silberfarbenen Plakette im Türrahmen mit "Schöckl prooved" dokumentiert wird. Der Schöckl ist 1.445 Meter hoch und liegt im Grazer Bergland. Hier hat der Autozulieferer Magna-Steyr, der für Mercedes auch die G-Klasse produziert, sein Testgelände.

Auch die neue G-Klasse musste durch den legendären Schöckl-Test.

5,6 Kilometer lang, gespickt mit Geröll aus Kalkstein, tiefen Schlaglöchern, extremen Hanglagen und Steigungen bis zu 60 Prozent, muss jede G-Klasse diese Strecke schadenfrei überstehen. Bis zu 2.000 Kilometer lang. Erst dann hat die G-Klasse den Punkt erreicht, dass sie in Serie gehen kann.

Also kein Wunder, dass der Kult-Geländewagen von Mercedes so ziemlich in jeder Weltengegend eine gute Figur macht. 24 Zentimeter Bodenfreiheit reichen zum Beispiel aus, um tiefe Wasser zu überqueren. Bis 70 Zentimeter Wattiefe packt die G-Klasse locker. Wer partout in die Wildnis will, hat dazu auch die entsprechenden Fahrprogramme und Technik wie drei Differentialsperren an Bord.

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Unser G-Klassen-Fazit

Wir sagen es mit dem berühmten Komiker Karl Valentin. "Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut." Also mögen würden wir den Mercedes G 500 schon! Aber ob wir uns so ein Fahrzeug auch trauen dürfen? Die Frage stellt sich gar nicht erst. Leider. Schon der Geldbeutel sagt da nein.

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Rudolf Bögel

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