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Banken und Sparkassen: Immer häufiger Negativzinsen

Kundenfreundlich geht sicherlich vollkommen anders, aber die Banken und Sparkassen führen nach und nach die sogenannten Negativzinsen ein. Getarnt sind diese Negativzinsen häufig durch den viel netter klingenden Begriff „Verwahrgeld“.

Was netter klingt, ist aber natürlich deshalb nicht besser, denn Banken und Sparkassen mit Negativzinsen ziehen ihrem Sparer über einen bestimmten Zeitraum einen gewissen Prozentsatz seines Geldes ab. Dieses Geld wird dann der kontoführenden Bank gutgeschrieben wird. 

Die ganz böse Bezeichnung des Negativzinses heißt sogar Strafzinsen und die verharmloste Variante nennt sich eben Verwahrgeld. Aber eines ist klar, hierbei handelt es sich stets um das Gegenstück zu den regulären Zinsen. 

Für gewöhnlich erhält der Kunde nämlich auf sein Erspartes zusätzliche Zinsen. In der Gebührenübersicht der VR-Bank Rhein-Lippe sind diese Strafzinsen jedoch nicht aufgeführt. 

Die Zahl der Banken und Sparkassen, die Negativzinsen kassieren, steigt stetig an 

Inzwischen sind es bereits gut 250 Banken und Sparkassen, die Negativzinsen von ihren Kunden kassieren, und die Tendenz ist steigend. Die Negativzinsen entfallen auf Guthaben auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto.

Für die Erhebung des Negativzinses gelten für gewöhnlich bestimmte Freibeträge. Sie beginnen bei 5.000 Euro und gehen bis hin zu Millionenbeträgen. Noch sind Strafzinsen ab dem ersten Euro die Ausnahme. 

Fest steht aber, dass Strafzinsen für Guthaben auf dem Girokonto und Tagesgeld keine Seltenheit mehr sind. Ein Rückblick allein auf die letzten 3 Monate zeigt, dass sich weitere 40 Banken und Sparkassen für die Einführung von Negativzinsen für Privatkunden entschlossen haben. Einen großen Anteil dieser Banken finden sich vor allem bei kleinen Sparkassen, ebenso wie bei Genossenschaftsbanken. 

Diese gewähren nun nur noch Freibeträge von 10.000 Euro oder weniger auf dem Girokonto. Alles was sich oberhalb dieser eingeführten Grenzen befindet wird mit einem Strafzins in Höhe von 0,50 % belegt. 

Dies ist die Folge, die aus dem negativen EZB-Einlagensatz resultiert. Die Geldhäuser müssen diesen zahlen, wenn sie kurzfristig Liquidität bei der Europäischen Zentralbank parken. 

Hier muss man aber wissen, dass die EZB seit Herbst vergangenen Jahres den Banken einen Freibetrag in Höhe des Sechsfachen der gesetzlichen Mindestreserve eingeräumt hat. 

Wichtig: Bei bestehenden Verträgen kann dieses Verwahrentgelt eigentlich nur nach Zustimmung durch den Kunden eingeführt werden. 

Doch auffällig ist hier, dass es beispielsweise ein Geldhaus gab, das seinem langjährigen Kunden mit Rauswurf drohte, weil sich dieser weigerte, entsprechende Vereinbarung über die Einführung von Negativzinsen zu unterschreiben. Als Konsequenz wechselt der Kunde schließlich die Bank. 

Diese Arten von Negativzinsen gibt es 

Man unterscheidet hier zwei Arten von Negativzinsen. Hierbei handelt es sich zum einen um den negativen Realzins und zum anderen um den Nominalzins. 

Bei dem Realzins handelt es sich um die Differenz zwischen Nominalzins und der Inflation. Wenn also die Teuerungsrate höher als der Marktzins liegt, so geht es hier um einen negativen Realzins. Das bedeutet für den Anleger, dass die Inflationsrate direkten Einfluss auf das Ersparte nimmt und hier dann entsprechende Verluste zu verzeichnen sind. 

Handelt es sich hingegen um den negativen Nominalzins, so liegt der angebotene Zinssatz selbst bei weniger als 0,5 %. Der Nominalzins liegt also unabhängig von der Inflation im negativen Bereich. 

Das hat zur Folge, sollte die Inflationsrate beispielsweise bei 1,5 % liegen und der nominale Negativzins bei einem Minus von 0,50 % liegen, würde das für die Realverzinsung bedeuten, dass diese sich auf ein Minus von 2,0 % pro Jahr beläuft. 

Aus diesem Grund erheben die Banken Negativzinsen 

Noch ist es gar nicht so lange her, wo sich niemand hätte vorstellen können, dass der Negativzins tatsächlich in die reale Welt Einzug hält. Doch im Juni 2014 drehte die Europäische Zentralbank (EZB) zum ersten Mal den Einlagenzins ins Negative. Zu diesem Zeitpunkt belief sich der Prozentsatz auf 0,1 %. Seitdem müssen Banken auf kurzfristig bei der EZB hinterlegtes Geld Zinsen bezahlen. Im März 2016 veränderte sich der Einlagenzins zunächst auf minus 0,4 %. Ab September 2019 wurde dieser Wert auf dann minus 0,5 % festgelegt. Nach Expertenmeinung kann sich dieser Wert aber abermals verändern und dann entsprechend bei minus 0,6 % landen. 

Der Grund für das Vorgehen der EZB lag vor allem daran, die Banken zu veranlassen, ihre Einlagen als Kredite in den Markt weiterzugeben, anstatt sie einfach schlummern zu lassen. 

Diese Vorgehensweise ist jedoch nicht ganz ungefährlich, denn irgendwann muss die EZB den Geldhahn wieder zudrehen. Für die Banken steigt dadurch aber auch das Zinsrisiko, weil sie ja inzwischen langfristige Kredite zu niedrigen Zinsen vergeben haben. Allerdings müssen sie sich gleichzeitig auch wieder höher refinanzieren. Hierin findet sich nun der Grund, warum Banken und Sparkassen die Negativzinsen, die sie jetzt der EZB bezahlen müssen, an Sparer weiterreichen. 

Fazit: Negativzinsen werden zur Regel werden 

Derzeit verlangen gut 250 Banken und Sparkassen einen Negativzins. Immerhin 150 von ihnen erheben diesen nun auch von ihren Privatkunden. Große Geldinstitute wie die Deutsche Bank, die Postbank und die Commerzbank gehören dazu. 

Allerdings wird vermutet, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt, weil nicht alle Banken bereitwillig Auskunft geben.

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