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Bolzen ohne Fußballschuhe: eSport erobert das Ruhrgebiet

Im Ruhrpott wird nicht nur auf dem Bolzplatz gekickt, sondern auch vor dem Fernseher. Videospiele wie FIFA oder Pro Evolution Soccer sind bei Jugendlichen äußerst beliebt. Hier kann man sich duellieren ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen. Einige tun dies so professionell, dass sie bereits Geld damit verdienen. Davon mag man halten, was man will - aufhalten lässt sich der eSport-Trend wohl nicht mehr.

Mit eSport werden 2018 voraussichtlich mehr als 900 Millionen US-Dollar weltweit umgesetzt. Knapp die Hälfte davon durch Sponsoring. Und der bestverdienende Profi, der Deutsch-Iraner Kuro „KuroKy“ Salehi Takhasomi hat bislang mehr als vier Millionen US-Dollar verdient. Er spielt allerdings kein Fußball, sondern Dota 2, ein Spiel aus dem Genre Multiplayer Online Battle Arena. Denn auch wenn es der Name vermuten lässt - eSport beschränkt sich nicht nur auf Sportspiele.

Schalke und Bochum sind dabei

Inzwischen wird sogar diskutiert, ob eSport olympisch werden soll. Die Meinungen sind gespalten, aber Bundesligisten wie Schalke 04 sind bereits auf den Zug aufgesprungen. Die Gelsenkirchener haben bereits 2016 eine eigene Abteilung für FIFA, Pro Evolution Soccer und League of Legends gegründet und waren damit in Deutschland Vorreiter im Bereich eSport. Ein Jahr später zog der VfL Bochum als fünfter Verein und erste Zweitligamannschaft nach. Bereits die erste FIFA-Saison verlief für die verpflichteten Spieler äußerst erfolgreich.

Einige Bundesligisten haben sich dem eSport lange verweigert. Bayern München hat zwar Bestrebungen in diese Richtung, aber Präsident Uli Hoeneß hat bereits mehrfach lautstark wissen lassen, dass er davon überhaupt nichts hält. Wer sich vereinsintern am Ende durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Borussia Dortmund hinkt hinterher

Einen Schritt weiter ist man inzwischen bei Borussia Dortmund, nachdem sich vor allem Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lange gesträubt hatte. Allerdings beschränkt sich das eSport-Engagement des Vereins vorerst nur auf eine Partnerschaft mit der Plattform eSports.com, die Fans des BVB und jungen eSport-Interessierten besondere Aktionen bieten soll. Ein eigenes Team gibt es also vorerst weiterhin nicht.

Doch auch ohne die Bundesliga-Vereine organisieren sich die eSportler im Pott, etwa beim Dortmund eSports e.V. Wer nicht selbst spielt, schaut zu. Das weltweit größte Turnier - “The International” - zieht jedes Jahr Millionen Dota 2-Fans in seinen Bann. Es findet in einer großen Halle irgendwo auf der Welt statt (2018 in Vancouver). Mit mehr als 20 Millionen US-Dollar Preisgeld, darunter über elf Millionen für das europäische Siegerteam “OG”, hat es inzwischen Dimensionen erreicht, die nur wenige echte Sportveranstaltungen zu bieten haben. Und selbst Sportwetten-Portale wissen, dass eSport die Zukunft gehört und haben ihn ins Angebot aufgenommen, so zu sehen. 

50 Euro Preisgeld - Kleinvieh macht auch Mist

Wer mit eSport seinen Lebensunterhalt finanzieren will, hat zwar keinen 9 to 5-Job, aber einige Stunden Training pro Tag sind es dennoch. Oftmals treffens ich die Teams auch oder wohnen sogar in WGs zusammen, um Strategien zu üben, mit denen sie den Gegner schlagen können. FIFA-Spieler haben jede Woche die Möglichkeit, ihr Können bei Turnieren unter Beweis zu stellen, beispielsweise beim sonntäglichen GO4FIFA Cup der ESL. Der Gewinner bekommt zwar nur 50 Euro, qualifiziert sich aber für das Monatsfinale.

Daneben gibt es die virtuelle Bundesliga. Von Oktober bis Dezember können monatlich 90 Spiele absolviert werden, um sich für das Finale auf Sony Playstation 4 oder Microsoft Xbox zu qualifizieren. Da geht es dann schon um 25.000 Euro. Wem das nicht reicht, der spielt den internationalen Fifa Interactive World Cup mit 200.000 US-Dollar Preisgeld im Finale. Dafür muss man aber einiges drauf haben und braucht viele Jahre Übung.

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