Abgesagte Veranstaltungen

Wegen Coronavirus: Die gesetzliche Gutscheinlösung kommt - Verbraucher haben diese Rechte

Gutscheine statt Geld zurück: Das werden Verbraucher wegen des Coronavirus in nächster Zeit öfter erleben. Die Verbraucherzentrale klärt über Rechte auf.

  • Wegen der Coronavirus-Pandemie wurden schon im März etliche Veranstaltungen abgesagt.
  • Kunden sollen nun Gutscheine für ausgefallene Konzerte, Fußballspiele (u.a.) bekommen.
  • Die Verbraucherzentrale NRW sieht die neue Covid-19-Regelung besonders kritisch.

Update: Montag (18. Mai), 10.41 Uhr: Für Veranstaltungen, die wegen des Coronavirus ausfallen oder verschoben werden müssen, haben Bundestag und Bundesrat eine Gesetzesänderung beschlossen. Allerdings muss das Gesetz erst verkündet werden, um endgültig in Kraft zu treten. Im Fall der Fälle müssten Verbraucher dann Gutscheine akzeptieren und ein Recht auf die Erstattung der Kosten - wie bisher gesetzlich festgelegt - würde wegfallen.

Wie die Verbraucherzentrale (die derzeit auch vor Phishing-Mails im Namen der Sparkasse warnt*) berichtet, soll das kommende Gesetz auch rückwirkend für alle Veranstaltungs-Tickets, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden, gelten. Demnach könnte der Veranstalter nach der neuen Gutscheinlösung ohne Zustimmung des Kunden einen Gutschein als Erstattung ausstellen.

Erstmeldung: Donnerstag (16. April), 20.45 Uhr: Dortmund - Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern waren mit die ersten Dinge, die wegen der Coronavirus-Pandemie* ausfallen mussten. Um betroffene Veranstalter finanziell zu unterstützen, hat das Bundeskabinett einen neuen Gesetzesentwurf beschlossen. Die Verbraucherzentrale übt Kritik, berichtet RUHR24.de*.

Coronavirus-Krise: Neuer Gesetzesentwurf über ausgefallene Veranstaltungen

Der Grund: Der neue Gesetzesentwurf würde vor allem Unternehmen finanziell entlasten, nicht aber Kunden, die bereits vor der Coronavirus-Krise für ausgefallene Veranstaltungen bezahlt haben. 

"Sollte das Gesetz so vom Bundestag verabschiedet werden, müssten die Kosten für entgangene Veranstaltungen oder Abo-Leistungen den Kunden vorerst nicht erstattet werden", schreibt die Verbraucherzentrale, die auch einige natürlich Hausmittel gegen Schädlinge und Schnecken im Garten parat hat.

"Verbraucher sollen stattdessen Gutscheine akzeptieren, deren Wert sie sich erst nach Ende 2021 auszahlen lassen können", heißt es weiter. 

Coronavirus-Krise: Verbraucher sollen Gutscheine für Veranstaltungen akzeptieren

Im Klartext bedeutet dies, dass Kunden lieberGutscheine akzeptieren sollen, als sich das Geld für die versäumten Veranstaltungen auszahlen zu lassen. Unterstützen würden sie damit durch die Krise finanziell gebeutelte Veranstalter und Künstler.

Ein Ähnliches Gutschein-Konzept hat der Bund jetzt für Pauschalreisen* verabschiedet. Jedoch ist es bei Reisen den Verbrauchern überlassen, ob sie einen Gutschein oder den Reisewert erstattet haben wollen.

Und genau hier setzt die Verbraucherzentrale mit ihrer Kritik an: Denn nicht nur die Veranstalter und Künstler würden an den Folgen der Coronavirus-Pandemie leiden, sondern auch die Verbraucher.

Auch Fluggesellschaften haben versucht, Kunden mit Gutscheinen zu besänftigen, das Verhalten hat die Verbraucherzentrale* abgemahnt.

Coronavirus-Krise: Verbraucherzentrale NRW sieht "zinslose Zwangskredite"

Die Verbraucher benötigen ihr Geld und "müssen weiterhin frei entscheiden können, wofür sie ihr Geld ausgeben", meint die Verbraucherzentrale NRW und lehnt die Gesetzespläne des Bundeskabinetts daher ab. 

"Sie sind nichts anderes als zinslose Zwangskredite der Kunden an Unternehmen. Gleichzeitig tragen sie ein Risiko, bei einer eventuellen Insolvenz ihr Geld nicht zurückzubekommen."

Coronavirus-Krise: Um diese Veranstaltungen geht es in dem neuen Gesetzesentwurf

Doch um welche Veranstaltungen geht es konkret? Der geplante Gesetzesentwurf gilt für Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstige Freizeitveranstaltungen, die aufgrund der Covid-19-Pandemie nicht stattfinden konnten oder können (alle Entwicklungen zum Coronavirus in NRW in unserem Live-Ticker*). Einzige Voraussetzung: Die Karten müssen vor dem 8. März 2020 gekauft worden sein. 

  • Konzerte, Festivals und Theatervorstellungen
  • Lesungen und Filmvorführungen 
  • Sportwettkämpfe
  • Museen
  • Freizeitparks
  • Tierparks und Zoos
  • Schwimmbäder
  • Sportstudios

Wegen der Formulierung "und sonstige Freizeitveranstaltungen" ist allerdings davon auszugehen, dass fast sämtliche große und kostenpflichtige Veranstaltungen unter die gesetzliche Regelung fallen.

Coronavirus-Krise: Neuer Gesetzesentwurf - was ist mit Dauerkarten und Fitness-Studios?

Wie die Verbraucherzentrale angibt, zählen dazu nicht nur einmalige Veranstaltungen, sondern auch solche, die an Abonnements gekoppelt sind oder an mehreren Terminen stattfinden. Dazu zählen zum Beispiel Musik-, Sprach- oder Sportkurse

Aber auch laufende Verträge von Fitness-Studios in der Coronavirus-Krise kann der neue Gesetzesentwurf umfassen, insofern sie vor dem 8. März 2020 im Voraus bezahlt wurden. Das Gleiche gilt für Monats-, Saison- oder Jahreskarten sowie für "Dauerkarten", wie man sie zum Beispiel von Fußballvereinen* kennt.

Coronavirus-Krise: Neuer Gesetzesentwurf - diese Rechte haben Verbraucher

Sollte das neue Gesetz tatsächlich verabschiedet werden und in Kraft treten, haben Kunden laut Verbraucherzentrale einen Anspruch auf sogenannte "Wertgutscheine". Sie sind anders als Sachgutscheine an keine feste Veranstaltung oder dessen Preis gebunden und können beliebig eingetauscht werden.

Verbraucher könnten demnach frei entscheiden, ob sie den Wertgutschein für eine Eintrittskarte zu dem Nachholtermin einlösen oder ihn für eine alternative Veranstaltung desselben Anbieters verwenden wollen.

Der Wert des Gutscheins muss dem Eintrittspreis einschließlich möglicher Vorverkaufsgebühren entsprechen. Bei Monats-, Jahres-, Saison- oder Dauerkarten wird die Höhe des Gutscheins anteilig dem Wert des nicht nutzbaren Teils berechnet.

Wegen der Coronavirus-Pandemie fanden zunächst Geisterspiele in der Bundesliga statt, dann setzte die Saison komplett aus. Dauerkarten-Besitzer können auf Erstattung hoffen.

Coronavirus-Krise: Ausnahmen laut Verbraucherzentrale in bestimmten Fällen möglich

In besonderen Fällen sei es laut Verbraucherzentrale NRW möglich, sich den Gutscheinwert auszahlen zu lassen. Zum Beispiel dann, wenn es die Lebensumstände unzumutbar macht, den Gutschein einzulösen. 

Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn Kunden die Veranstaltung im Rahmen einer Urlaubsreise (die wegen des Coronavirus ins Wasser fällt*) besuchen wollten und einen Nachholtermin nur dann wahrnehmen könnten, wenn sie dafür hohe Reisekosten auf sich nehmen würden.

Aber auch, wenn Verbraucher nachweisen können, dass sie ohne die Auszahlung des Gutscheinwertes lebenswichtige Kosten wie die Miete nicht decken können, wäre eine Auszahlung möglich.

Coronavirus-Krise: Das rät die Verbraucherzentrale jetzt

Bislang handelt es sich bei dem Gesetzesentwurf tatsächlich nur um einen Entwurf. Entsprechende Regelungen sind bisher weder verabschiedet worden, noch in Kraft getreten. 

Beratungen beim Rechtsanwalt seien aktuell nicht sinnvoll. Kunden könnten auf den Kosten sitzen bleiben. Die Verbraucherzentrale rät stattdessen, abzuwarten bis Klarheit über die neue Gutscheinlösung herrscht. 

Sollte die neue Gesetzesregelung tatsächlich in Kraft treten, ist der erste Ansprechpartner der Veranstalter und nicht die Vorverkaufsstelle. Weitere Informationen über den Coronavirus-Gesetzesentwurf gibt es bei der Verbraucherzentrale NRW.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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