Eine kleine Geschichte des Tabakkonsums

Wenn man sich heutzutage in den Fußgängerzonen so umschaut, hat man fast den Eindruck, das Rauchen wäre zu einer Nischentätigkeit geworden. An Cafés und Kneipen prangen Rauchverbotsschilder, nur ab und zu steht jemand verstohlen in der Ecke und steckt sich einen Glimmstängel an. Wenn überhaupt, dann wird heute gedampft und nicht mehr richtig geraucht. Aus Sicht der Gesundheit () mag das Verschwinden des Rauchens mehr als willkommen sein. Aus kultureller Sicht geht eine Ära zu Ende, die mit der (zweiten) Entdeckung Amerikas vor 500 Jahren begann.

Wo Tabak eigentlich herkommt

Als Christoph Columbus 1492 an den traumhaften Sandstränden der Bahamas landete, wusste er zunächst nicht, wozu diese markant riechenden Blätter dienen sollten, die ihm die Ureinwohner da als Geschenk brachten. Wenig später stellte sich heraus, dass die Einheimischen diese Blätter rauchten, kauten oder in einer Art Pfeife konsumierten. Es war Tabak. Der gelangte durch die Seefahrer dann schnell nach Europa, wurde ihm doch heilende Wirkung zugeschrieben. In Wahrheit war es aber schon damals die Nikotinsucht, die die Nachfrage von Spanien bis Russland bestimmte. Und wo Nachfrage ist, da wittern Kaufleute auch schnell das große Geld.

Das große Geschäft mit dem Rauchen

Obwohl sowohl die katholische als auch die orthodoxe Kirche und sogar die religiösen Führer des Osmanischen Reichs versuchten, dem Rauchen Einhalt zu gebieten, verbreitete sich Tabak . Entsprechend hoch waren dann auch die Gewinne der Händler, die das Blattwerk in die alte Welt schifften. Die Könige und Fürsten versuchten ihrerseits, Kapital aus dem neuen Luxusgut zu schlagen und belegten Tabak mit einer speziellen Steuer, deren Nachfolger sich bis heute hält. Oft kamen noch horrende Zölle dazu, die aber nur dafür sorgten, dass Schmuggel und Schwarzmarkt aufblühten. Schnell schwenkten die Fürsten um und ab der Renaissance wurden Steuern auf Tabak zu einer lukrativen Einnahmequelle für die europäischen Herrscher.

Zigarren und Zigaretten in der Moderne

Im 19. Und 20. Jahrhundert war Tabak endgültig salonfähig geworden und wurde zugleich zu einem Symbol des aufstrebenden Bürgertums. Als Kautabak oder in der Pfeife oder stilecht als handgedrehte Zigarre – Tabak war in den Salons und Cafés der großen Metropolen ein weit verbreitetes Kulturphänomen. Der Adel reagierte mit einer neuen Variation des Tabakgenusses, um sich vom Pöbel abzuheben – nämlich dem Schnupfen. Währenddessen kamen findige mexikanische Arbeiterinnen auf die Idee, die Tabakreste der Zigarrenmanufakturen in Papier zu wickeln und zum Rauchen zu nutzen. Die Zigarette war geboren. Sie kam von Mittelamerika aus nach Europa und wurde zunächst bei Soldaten zur beliebten Alternative, da ihnen im Feld die Pfeifen oft zerbrachen. Doch nicht nur die Soldaten frönten ab dato den Zigaretten. Die billigen Kippen wurden zum Kultsymbol der Arbeiterschicht und durch Marketing und moderne Produktionsformen zum Milliardenseller.

Gesundheitstrend und der Aufstieg des „Dampfens“

Erst Ende des letzten Jahrhunderts war Rauchen ziemlich plötzlich nicht mehr cool. Das hatte nicht nur mit der medizinischen Erkenntnis zu tun, dass viele tödliche Leiden unmittelbar mit dem Rauchen in Verbindung stehen, sondern auch mit einem generellen Trend zu mehr Gesundheit – zumindest in Europa und den USA. Die Zahl der Raucher ging seitdem kontinuierlich zurück, wobei Bevölkerung, Aktivisten und Politiker in seltener Eintracht an einem Strang ziehen, um das Volk vor dem Paffen zu schützen. Gleichzeitig etablierte sich mit dem eine halbwegs akzeptable Alternative. Dabei wird kein Tabak mehr verbrannt und somit auch keine giftigen Verbrennungsgase mehr erzeugt. Vielmehr wird eine nikotinreiche und aromatisierte Flüssigkeit erhitzt und zum Verdampfen gebracht – daher der Ausdruck „dampfen“. Die Lobby der Tabakindustrie kämpft jedoch verzweifelt um ein Comeback der Kippe. Nicht ohne gewissen Erfolg: 2017 blieb der gegenüber 2016 mit 75,8 Milliarden Stück stabil.

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