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Einfamilienhäuser: Fertigbauweise stark im Kommen

Sie liegen im Trend: Deutsche Bauherren schätzen zunehmend die Vorteile eines Eigenheims in Baukastenweise. Schnelle Bauzeiten und überschaubare Kosten haben den Anteil der Fertighäuser am gesamten Neubau in Deutschland in den letzten drei Jahren stetig wachsen lassen.

Hielten sich laut einer Umfrage die Anteile an Fertig- und Massivhäusern bei Neubauvorhaben 2013 in etwa die Waage, überstieg der Fertighausanteil den seiner Konkurrenz bereits ein Jahr später um rund ein Drittel. 2016 betrug die Anzahl der Personen, die ein Haus nach Baukastensystem kaufen wollten, sogar bereits 1,25 gegenüber 0,49 Millionen. Was scheint für den Trend verantwortlich?

Günstige Rahmenbedingungen

Vor dem Hintergrund historisch niedriger Bauzinsen darf sich die Branche über einen anhaltenden Bauboom freuen. Viele Familien haben die Zeichen der Zeit erkannt und die Botschaft verstanden, die von einem anhaltend niedrigen Zinsniveau ausgeht. Statt Erspartes auf Sparkonten zu parken, die ohnehin kaum noch Zinsen erwirtschaften, macht eine Investition in die eigenen vier Wände für Familien mehr Sinn denn je.

In Zeiten boomender prekärer Arbeitsverhältnisse, einer zunehmend unsicher gewordenen Zukunftsperspektive angesichts einer seit Jahren schwächelnden gesetzlichen Rentenversicherung setzen viele auf Eigentum im Alter als besten Armutsschutz.

So betrug der Anteil an Personen in Deutschland, die in den nächsten ein oder zwei Jahren ein Haus kaufen wollen, im letzten Jahr bereits rund 2,1 Millionen. 2012 waren es noch 1,92 Millionen gewesen. Die Ergebnisse der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse, AWA 2016, bestätigen einen Trend. Weitere Daten aus einer Erhebung untermauern die wachsende Sorge, im Alter von Altersarmut bedroht zu sein, wenn sich die Rentenentwicklung wie bislang fortsetzt.

So steht die Immobilie als Altersvorsorge ganz oben auf einem Motivationsranking künftiger Eigenheimbesitzer. Dabei ist ihr Anteil um fast zehn Prozent in den letzten fünf Jahren von 49 auf mittlerweile 53 Prozent angewachsen.

Planungssicherheit schafft Anreize

In Architektur und Grundriss ist der Bauherr an die Vorgaben des Anbieters gebunden – sämtliche Änderungen schlagen sich auf den Preis nieder.

Junge Familien setzen in Zeiten wachsender wirtschaftlicher Unwägbarkeiten auf den Faktor Sicherheit. Dazu gehören insbesondere einige unbestreitbare Vorteile, den Einfamilienhäuser in Fertigbauweise gegenüber Massivhäusern genießen. Um nicht eventuell die Katze im Sack zu kaufen, bieten viele Musterhaus-Ausstellungen eine willkommene Gelegenheit, das mögliche

Eigenheim

eingehend zu inspizieren und auf Herz und Nieren zu prüfen.

Jungen Familien mit einem schmalen Budget kommt besonders entgegen, dass das Potential möglicher unliebsamer Überraschungen bei Fertighäusern vergleichsweise überschaubar ist.

Bei Fertighäusern werden die Bauteile im Gegensatz zu Häusern in Massivbauweise nicht erst auf der Baustelle hergestellt, sondern überwiegend in einer Fabrik vorgefertigt. Die Elemente für Wände, Decke und Dach werden bereits ab Werk gedämmt, geschlossen vorproduziert und anschließend vor Ort zusammengebaut.

Üblicherweise ist ein Einfamilienhaus in Fertigbauweise zunächst lediglich ein Ständewerk aus einem Holzrahmen. Es wird anschließend an beiden Seiten mit Platten verkleidet. Da die Montage im Fertighaus schon oft erprobt und ausprobiert worden ist, verläuft der Zusammenbau der Module auf dem Bauplatz generell problemlos.

So ist demzufolge bei einem Fertighaus alles aus einem Guss, der verantwortliche Bauherr stößt weniger auf Probleme beim Aufbau. Aufgrund der vorgefertigten und präzisen Pläne sind kaum Fehler möglich.

So verwundert nicht, dass gerade junge Familien wichtigste Zielgruppe der Hersteller von Fertighäusern sind. 2013 stellten sie bereits einen Anteil von 40 Prozent aller Kunden – Tendenz steigend.

Kostenfaktor Zeit

Da Zeit bekanntlich auch Geld ist, und da freie Zeit gerade bei jungen Familien mit Kindern ohnehin kostbarstes Gut ist, kommen ihnen die Rahmenbedingungen für die Planung und Organisation eines vorgefertigten Einfamilienhauses besonders entgegen.

Im Gegensatz zu Massivhäusern, für deren Bau mindestens ein Dreivierteljahr einkalkuliert werden muss, lassen sich Fertighäuser durch exakte, vorgefertigte Pläne bereits schon in wenigen Tagen aufbauen und in kürzester Zeit beziehen.

Einer kürzeren Bauzeit geschuldet, liegt ein entscheidender Vorteil in einer verkürzten Zwischenfinanzierungsdauer und verminderten Mietzahlungen bis zum Einzug. Auch lassen sich gewünschte Eigenleistungsanteile leichter erhöhen als beim Steinhaus.

Da Architekten, Planer und Ingenieure gleichermaßen bereits im Vorfeld bei Planung, Statik und Konstruktion der Fertighaus-Serien mit involviert waren, gibt es in der Regel dann bei der Produktion des Fertighauses nur einen Ansprechpartner. Außerdem reduzieren sich dadurch Behördengänge und Ämterbesuche wesentlich.

Denn: Da die Häuser komplett standardisiert sind und schlüsselfertig von einem Unternehmen angeboten werden, kümmert sich der Hersteller dann sogar oft selbst um die Baugenehmigung und stellt das beteiligte Personal wie Bauleiter und Architekten selber.

Imagewandel: Individualität und Umweltfreundlichkeit

Dass „fertig“ nicht zwangsläufig gleich mit „billig“ gleichgesetzt werden muss, zeigt bereits der Umstand, dass jedes vierte Fertighaus nach Branchenangaben jenseits von Standardausführungen bereits einen Auftragswert von mehr als 300.000 Euro umfasst.

Und: Bei mehr als zwei von drei Bauvorhaben handelt es sich bereits um individuell geplante Häuser. Fertighäuser haben sich schließlich schon seit einigen Jahren von ihrem Billig-Image verabschiedet.

Bereits 2005 hatte etwa jeder zweite Befragte in einer Studie des Allensbach-Instituts angegeben, sich gegebenenfalls für ein Fertighaus zu entscheiden, wenn es zu einem Bauvorhaben käme. Auch war die Mehrheit davon überzeugt, dass sich die Qualität von Fertighäusern bereits Ausgang der Jahrtausendwende erheblich verbessert habe.

Dem der Branche hartnäckig anhaftenden Makel mangelnder Individualität von „Häusern von der Stange“ wurde durch eine Reihe von Maßnahmen inzwischen hinreichend Rechnung getragen. So bieten manche Unternehmen längst auch individualisierbare Fertighäuser an, die zwischen den Stilen eines Einfamilienhauses, einer Doppelhaushälfte oder eines Bungalows variieren.

Gerade junge, wachsende Familien schätzen an Fertighäusern besonders ein Mehr an Wohnfläche, das sich durch dünnere Wände bei gleichen Dämmwerten ergibt. Holzkonstruktionen bei Niedrigenergiehäusern sind in der Regel dünner als Massivbauten, da Tragwerk und Dämmung aus einer Schicht bestehen und die Dämmung nicht zusätzlich aufgebracht werden muss.

Hinzu kommt, dass der bei Fertighäusern überwiegend verbaute organische Baustoff Holz maßgeblich zu einem optimalen Raumklima beitragen kann und als nachwachsender Rohstoff zudem Kohlendioxid-neutral ist.

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