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DIE ERNÄHRUNGSPYRAMIDE NEU GEDACHT

Neue Erkenntnisse zeigen, dass die klassischen Ernährungsempfehlungen eine Überarbeitung brauchen

Die klassische Ernährungspyramide wird modernen Essgewohnheiten und einem veränderten Verbraucherverhalten nicht mehr in allen Punkten gerecht. Wie kann die neue Ernährungspyramide aussehen?

Die klassische Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht folgendermaßen aus: Die Basis bilden Getränke; die DGE empfiehlt 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser. Es folgen Getreideprodukte, dann Obst und Gemüse. Die weiteren Bestandteile der Pyramide bilden Milchprodukte und Fisch, anschließend folgen Eier und Fleisch. An der Spitze stehen Fette, alkoholische Getränke und Genussmittel wie Süßigkeiten oder zuckerhaltige Limonaden. Je weiter unten in der Pyramide sich eine Lebensmittelgruppe befindet, desto größer sollte ihr Anteil an der Ernährung sein bzw. desto häufiger sollten diese Nahrungsmittel gegessen werden.

Konkret zeigt dieses Modell auf, dass Getreideprodukte wie Brot, Nudeln und Reis möglichst täglich gegessen werden bzw. den Hauptteil einer Mahlzeit ausmachen sollten. Ernährungsexperten empfehlen hierbei, Vollkornprodukten den Vorzug vor solchen aus Weißmehl zu geben. Auch Obst und Gemüse sollten täglich gegessen werden, fünf Portionen gelten als ideal. Der Fokus sollte zudem weniger auf süßem Obst, sondern auf Gemüse liegen. Milchprodukte sollten täglich, Fisch etwa ein- bis zweimal pro Woche gegessen werden. Eier und Fleisch sollten nur gelegentlich auf den Teller kommen und der Verzehr von Genussmitteln sollte die Ausnahme sein.

Die Positionen der Lebensmittelgruppen verschieben sich

Wer sich bislang nach dieser Ernährungspyramide der DGE richtete, konnte sich auf der sicheren Seite wähnen, was eine ausgewogene, gesunde Ernährung angeht. Denn diese Ernährungsweise versorge den Körper in ausreichender Menge mit Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten sowie mit allen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, so die DGE.

Doch inzwischen stehen einige Aspekte dieses Pyramidenmodells in der Kritik. Bemängelt wird beispielsweise, dass bei Fleisch nicht zwischen unverarbeitetem und verarbeitetem unterschieden wird. Verarbeitete Fleischprodukte, darunter fast alle Wurstwaren, enthalten jedoch meist viel zu viel Fett und Salz, weswegen sie nicht in dieselbe Gruppe wie unverarbeitetes rotes und weißes Fleisch gehören sollten, sondern eher zu den Genussmitteln. Die Ernährungspyramide des belgischen „Vlaams Instituut Gezond Leven“ berücksichtigt diesen Umstand: Die Wissenschaftler zählen verarbeitete Fleischwaren zu den Nahrungsmitteln, die man möglichst selten verzehren sollte.

Nicht alle Fette sind ungesund

Beim Betrachten der Pyramide der DGE fällt zudem auf, dass sich die Fette in der Spitze befinden – neben den Genussmitteln, die sich bei häufigem Verzehr negativ auf die Gesundheit auswirken können. Doch diese Zuordnung ist nur bedingt sinnvoll. Kritiker weisen zurecht darauf hin, dass das Ernährungsmodell der DGE nicht zwischen verschiedenen Fettarten unterscheidet. So sind Lebensmittel, die überwiegend gesättigte Fettsäuren enthalten – dazu gehören unter anderem Fertigprodukte, Wurstwaren und Knabbereien – zurecht in der Spitzengruppe eingeordnet. Nicht berücksichtigt wird jedoch, dass Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren (das sind vor allem pflanzliche Öle, Nüsse sowie Fisch) sich positiv auf den Organismus auswirken und daher wesentlich häufiger verzehrt werden dürfen oder sogar sollten.

Proteine nicht nur aus Fleisch und Milchprodukten

Noch ein weiterer Aspekt ist relevant, der weniger mit neuesten ernährungsphysiologischen Erkenntnissen, sondern mehr mit einem veränderten Bewusstsein der Verbraucher zu tun hat: Immer Menschen verzichten auf tierische Produkte oder reduzieren deren Konsum zumindest deutlich. Fleisch, Fisch und Milchprodukte enthalten jedoch Proteine. Diese sind für den Körper unverzichtbar; genauer gesagt, ist er auf die Zufuhr von acht essenziellen Aminosäuren angewiesen. „Essenziell“ bedeutet, dass der Körper diese Aminosäuren nicht selbst herstellen kann, weshalb sie mit der Nahrung zugeführt werden müssen.

Proteine sind aber auch in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten: Mit Pflanzenproteinen aus Hülsenfrüchten wie Linsen, Erbsen oder Bohnen, aus Getreidesorten wie Buchweizen oder Amaranth und auch durch einige Gemüsesorten kann der Bedarf des Körpers problemlos gedeckt werden. Daher ist über Folgendes nachzudenken: Proteinreiche pflanzliche Nahrungsmittel könnten gleichrangig neben Fisch und Fleisch bzw. den Milchprodukten positioniert werden. Dies würde verdeutlichen, dass nicht allein tierische Lebensmittel für eine ausreichende Proteinversorgung notwendig sind. Die genannten pflanzlichen Nahrungsmittel haben überdies den Vorteil, dass sie den Organismus nicht nur mit essenziellen Aminosäuren, sondern auch mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen.

So viele Kohlenhydrate braucht der Körper nicht

Einige Wissenschaftler bemängeln die starke Fokussierung der DGE-Ernährungspyramide auf Kohlenhydrate. Denn neue Studien zeigen, dass eine hohe Zufuhr von Kohlenhydraten nicht nur nicht notwendig ist, sondern sogar negative Auswirkungen auf den Körper haben kann. Viel wichtiger sei es, täglich mehrere Portionen möglichst vieler Gemüsesorten zu essen. Hilfreich hierfür ist folgender Tipp: Möglichst alle (Gemüse-)Farben sollten am Tag auf dem Teller vertreten sein.

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