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Der Ersatz von Gelenken (hier ein künstliches Hüftgelenk) ist heute schon ein Routineeingriff.

Abendsprechstunde "Gelenkersatz"

Gelenkerhalt geht vor

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Knacken und Knirschen, Schwellungen und Schmerzen – Menschen mit Arthrose in Knie oder Hüfte haben einiges zu erleiden, wenn der Gelenkverschleiß fortschreitet. Aber es gibt Hilfe.

Gelenkerhalt geht vor Gelenkersatz. Das betonte Dr. Lars-Christoph Linke, Chefarzt der Orthopädie des Klinikums Vest, bei unserer Abendsprechstunde am vergangenen Montag mehrfach. In seinem Vortrag über die Behandlung der Arthrose im Kniegelenk zeigte er denn auch Möglichkeiten auf, den Gelenkersatz zu verhindern oder hinauszuschieben. 

Aber der Reihe nach. Risikofaktoren für eine Kniearthrose, so Linke, sind Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Rheuma, X- oder O-Beine, eine Entfernung des Meniskus (damit fehlt dem Gelenk ein wichtiger Stoßdämpfer, Belastungen gehen direkt auf den Knorpel)) und auch eine Veranlagung. Betroffene verspüren Schmerzen an den Verschleißstellen, auch nach längerem Sitzen mit gebeugten Knien oder nachts, wenn die Knie aufeinanderliegen. Es knackt und knirscht zuweilen, nach Belastungen entwickeln sich Gelenkergüsse und es gibt Beschwerden beim Treppensteigen und Loslaufen.

 „Jedes Kilo wirkt dreifach auf die Knie“

 Behandelt werden könne das zunächst mit den Schmerzmitteln Diclofenac und Ibuprofen, die auch entzündungshemmend wirken. Eine Dauerlösung sei das wegen deren magengefährdenden Nebenwirkungen aber nicht. Wenn dauerhafte Behandlung nötig sei, müsse man daher andere Therapieformen wählen.

 An erster Stelle mahnte der Fachmediziner hier zur Reduktion von Übergewicht: „Jedes Kilo wirkt dreifach auf die Knie.“ Darüber hinaus sei Krankengymnastik und eine Zurichtung der Schuhe, z.B. durch Einlagen, anzuraten. Auch eine Magnetfeldtherapie komme infrage, allerdings sei deren Wirkung bei fortgeschrittener Arthrose zweifelhaft. Weitere nicht operative Behandlungsmöglichkeiten seien die Infiltration (Spritze) des Gelenks mit Cortison und Hyaluronsäure, wobei Letztere nicht von den Krankenkassen bezahlt wird. Dr. Linke: „Bei mittlerer Arthrose ist das ein Versuch wert, bei fortgeschrittener nicht.“

Auch Opertionen können das Gelenk erhalten 

 Wenn diese Behandlungen keine zufriedenstellenden Ergebnisse bringen, sind Operationen, die das Gelenk erhalten weitere Optionen. So können per Arthroskopie (Gelenkspiegelung) je nach Bedarf Meniskus, Kreuzband, Schleimhaut oder Knorpel behandelt und das Knie gespült werden. Und X- oder O-Beine können operativ begradigt werden, sodass die Knie nicht mehr einseitig belastet werden. 

Kleinere Schäden am Gelenkknorpel können außerdem per „Mikrofrakturierung“ ausgebessert werden. Dabei werden kleine Löcher in den Knochen gebohrt, aus denen es zu bluten beginnt. Das wiederum löst die Bildung von Regenerationsknorpel aus, wodurch die Arthrose einige Jahre, manchmal auch sehr lange aufgehalten werden kann. Und auch eine Verpflanzung von Knorpel aus nichtbelasteten Breichen des Knies auf kleinere defekte Stellen ist möglich.

Wenn nur noch ein künstliches Gelenk bleibt

 Dr. Linke: „Wenn das alles jedoch nichts bringt bzw. die Arthrose so weit fortgeschritten ist, dass diese Maßnahmen keinen Erfolg mehr versprechen, bleibt nur noch das Kunstgelenk.“ Und davon gibt es beim Knie drei unterschiedliche Varianten, da drei unterschiedliche Bereiche vom Knorpelabrieb betroffen sein können.

 Es gibt Schlittenprothesen nur für den inneren oder äußeren Bereich des Knies, die durch sehr kleine Schnitte mit wenig Blutverlust eingesetzt werden. Für Patienten, deren ganzes Knie betroffen ist, deren Bandapparat aber noch gut in Schuss ist, steht ein kompletter Oberflächenersatz zur Verfügung, und wenn Kapsel und Bandapparat instabil sind, muss es eine komplexe Prothese mit in Unter- und Oberschenkelknochen verankerten Achsen sein.

Die meisten Prothesen halten bis zu 15 Jahren

 Diese modernen Prothesen, so Dr. Linke, funktionierten zu mehr als 90 Prozent noch nach zehn bis 15 Jahren gut. Allerdings führen Osteoporose, Entzündungen im Körper, die nicht antibiotisch behandelt werden (wichtig auch bei Zahnbehandlungen) zu vorzeitiger Lockerung der Prothese. Ebenso Materialverschleiß.

 Daher sei es wichtig für Prothesenträger, Stoß- und Stauchbelastungen wie sie z.B. beim Volleyball oder Tennisspielen entstehen, zu vermeiden, keine übermäßigen Gewichte zu heben und das Körpergewicht zu beachten. Geeignete Sportarten für Menschen mit Knieprothese seien Schwimmen, Gymnastik, Radeln, Wandern.

Hüftarthrose nimmt die Lebensqualität

Schmerzen in der Leiste sind das charakteristische Symptom einer Arthrose im Hüftgelenk. Der Knorpel reibt ab, bis irgendwann Knochen auf Knochen trifft und sich der Gelenkkopf in die Pfanne einreibt. Die Muskulatur verkleinert sich, der Betroffene kann sich nicht mehr richtig bewegen. Erst gibt’s Schmerzen beim Anlaufen, später auch in Ruhe und in der Nacht bis schließlich jeder Schritt schmerzt. Über die Oberschenkel bis zum Knie kann der Schmerz ausstrahlen, und Begleitprobleme wie Blockaden im Kreuz-Darmbein-Gelenk, Beinverkürzungen und Rückenschmerzen stellen sich auch ein.

 So beschrieb Dr. Marius Ambrock, Oberarzt der Orthopädie des Klinikums Vest, bei unserer Abendsprechstunde das Fortschreiten einer Hüftgelenksarthrose. Zur Behandlung stünden zunächst Schmerzmittel, Injektionen von Kortison oder Hyaluronsäure ins Gelenk sowie Krankengymnastik zur Stabilisierung der Muskulatur und Akupunktur zur Verfügung. Wenn dies alles ausgereizt ist, die Gehstrecke, die gelaufen werden kann, sich zunehmend verkürzt und Schmerzen dauerhaft nur mit Medikamenten in Schach gehalten werden können, bleibt nur der Gelenkersatz. 

Prothesen in verschiedenen Varianten

Die Behandlung richte sich letztlich aber nach den Beschwerden des Patienten. Er müsse entscheiden, wann seine Lebensqualität so eingeschränkt ist, dass er sich eine Prothese einsetzen lassen möchte.

 Dieser künstliche Gelenkersatz, den es in einer zementierten und einer zementfreien Variante gibt, besteht aus Pfanne Schaft, Kopf und Inlay, die es wiederum in verschiedenen Ausführungen gibt. Beide Varianten seien nach der Operation belastungsstabil. Welche Prothese dann genommen wird, so Dr. Ambrock, das werde ganz individuell entschieden und am Computer vorher genau geplant. Abhängig sei die Entscheidung von Alter, körperlicher Verfassung und körperlichem Anspruch des Patienten.

 Durch vergleichsweise kleine Schnitte im seitlichen Hüftbereich wird der Gelenkersatz in einer 60- bis 90-minütigen Operation eingesetzt. Einen Tag danach stehen schon die ersten Steh- und Gehversuche an, und bis zur Entlassung nach etwa einer Woche regelmäßige Physiotherapie. Ziel, so Dr. Ambrock, sei die eigenständige Mobilität mit Gehstützen auf der Station bevor es in die ambulante oder stationäre, etwa dreiwöchige Reha geht. Um die 15 Jahre halte so eine Hüftgelenksprothese im Schnitt.

Das Risiko der Lockerung kann minimiert werden

Aber auch die Risiken sprach der Fachmediziner an. Da wären zunächst die allgemeinen Operationsrisiken wie Blutungen, Blutergüsse und Blutverlust, Wundheilungsstörungen, Thrombose und Lungenembolie sowie Verletzungen von Nerven und Gefäßen. 

Dazu gesellen sich die spezifischen Risiken: Brüche, eine Lockerung oder Abnutzung der Prothese, ein Herausspringen der Prothese aus der Pfanne (was man in 99 Prozent der Fälle in einer kleinen Narkose wieder richten könne) und eine Infektion der Prothese. Das Risiko der Lockerung einer Erstprothese durch eine Infektion bezifferte Ambrock auf 0,5 bis drei Prozent. Risikofaktoren außerdem: Übergewicht, und schlecht eingestellte Diabetes. Und schließlich könnten Alkohol- und Nikotingenuss Infektionen begünstigen.

Stauchungen und Stöße vermeiden 

 Vermeiden sollten Menschen mit einer künstlichen Hüfte alles, was das Gelenk staucht und harten Stößen aussetzt. Dazu gehören auch Joggen, Squash und Tennis. Auch tiefes Sitzen, Brustschwimmen und Golfen seien problematisch. Gute Sportarten, so Ambrock, sind Laufen, Wandern, Radfahren, Tanzen und Schwimmen, wenn es kein Brustschwimmen ist. Und schließlich sollten sie möglichst auf dem Rücken oder auf der operierten Seite schlafen und andernfalls ein Kissen zwischen die Beine legen, um die lange Einwärtsdrehung der operierten Hüfte zu verhindern.

Hyaluronsäure hilft bei schweren Schäden nicht

Auch das Thema Hyaluronsäure wurde bei unserer Abendsprechstunde angesprochen. Sie kann in die von Arthrose betroffenen Gelenke gespritzt werden, um die Gleitfähigkeit eines Gelenks mit zerstörten Knorpel wieder zu erhöhen. Wie Dr. Marius Ambrock erläuterte, lässt sie den Knorpel aufquellen und überdeckt so die Schädigung. Sie bekämpft also nicht die Ursache. Diese Injektionen würden auch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Gleichwohl: „Hyaluronsäure hilft, aber nicht bei ausgeprägten Knorpelschäden“, so Dr. Ambrock. „Dabei kann es sein, dass wenige Wochen später die gleichen Probleme auftreten, Sie dafür aber 300 Euro bezahlt haben.“ Ob er das will, müsse jeder für sich selbst entscheiden. Alles was eine Prothesen-Operation hinausschiebt, ohne zu schaden, sei erst mal in Ordnung.

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