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Kopfschmerzen haben verschiedene Ursachen und werden auch unterschiedlich behandelt.  

Abendsprechstunde "Schmerzen an Kopf und Rücken"

Kopfschmerz hat viele Gesichter

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Wenn es um Schmerzen geht, spielen die Nerven eine wichtige Rolle – auch an Kopf, Rücken und Gliedmaßen. So gut wie jeder hat das schon am eigenen Leib erfahren.

Entsprechend voll war der Saal des Knappschaftskrankenhauses Recklinghausen bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer am vergangenen Montag, als die Fachmediziner des Klinikums Vest die Volkskrankheiten Kopf- und Rückenschmerzen unter die neurologische Lupe nahmen.

„20 bis 40 Prozent der Bevölkerung haben in diesem Moment Kopfschmerzen“, veranschaulichte Prof. Dr. Rüdiger Hilker-Roggendorf, Chefarzt der Neurologie, die Verbreitung. Von einer Krankheit spreche man allerdings erst dann, wenn etwas immer wieder kommt und die Lebensqualität beeinträchtigt.

Es gibt viele Varianten von Kopfschmerzen

So auch bei Kopfschmerzen, die es in vielen Varianten gibt. Manche entstehen direkt im Gehirn, die allermeisten jedoch sind Ausdruck einer anderen Erkrankung oder eines bestimmten Zustandes – wie zum Beispiel der Kater, bei dem die Kopfschmerzen von einer beginnenden Austrocknung der Hirnhaut nach zu reichlichem Alkoholkonsum zeugen. Bluthochdruck, Dehydrierung, Alkoholentzug, Hirnbluten, Gürtelrose, Gefäßentzündungen, ein hoher Augeninnendruck oder auch Ohrenentzündungen – all das, so Hilker-Roggendorf, kann Kopfschmerzen machen und müsse zügig behandelt werden.

Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz

Bei den primären Kopfschmerzen hingegen ist der Schmerz selbst die Erkrankung. Unterscheiden müsse man hier Migräne von Spannungs- und Cluster-Kopfschmerz. Für Migräne sei höchst wahrscheinlich eine Überausschüttung von Botenstoffen an die Blutgefäße durch den Trigeminusnerv, der das Gesicht durchzieht, verantwortlich.

Typischerweise spielt sie sich meist hinter dem Auge auf nur einer Kopfseite ab, ist anfallsartig und pulsierend und mit Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen verbunden. Es könne sogar zu neurologischen Ausfällen wie Sehstörungen, Kribbeln in den Gliedern und Sprachstörungen kommen, die etwa eine Stunde andauern, bevor dann der Schmerz einsetzt. Zwischen einigen Stunden und drei Tagen könnten diese Anfälle dauern, der Betroffene sei in dieser Zeit nicht arbeitsfähig.

Was tun bei Migräne? 

Zu Behandlung empfahl der Neurologe eine totale Reizabschirmung in einem ruhigen und abgedunkeltem Raum sowie jeweils ein Gramm Aspirin und Paracetamol an erster Stelle. Infrage kämen auch Ibuprofen (800 mg) sowie Medikamente, die der Entzündung von Blutgefäßen entgegenwirken.

Aber auch vorbeugend könne man etwas tun: Auslöser vermeiden, ein regelmäßiges Lebens führen, Akupunktur und bei chronischer Migräne auch Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox).

Spannungskopfschmerz: Gesund Lebensführung

Völlig anders zeigt sich der sogenannte Spannungskopfschmerz. „Er zieht sich wie ein Helm über den Kopf, es fühlt sich an, als sei der Kopf in einen Schraubstock gespannt“, beschrieb Hilker-Roggendorf. Spannungskopfschmerzen sind beidseitig und häufig auch mit Depressionen verbunden. Der Betroffene könne jedoch arbeiten. Begegnen könne man diesem Schmerz mit einschlägigen Medikamenten und einer gesunden Lebensführung.

Cluster-Kopfschmerz: Männersache

Der Cluster-Kopfschmerz schließlich sei vor allem eine Sache von Männern mittleren Alters. „Er ist sehr heftig, einseitig und sitzt hinter dem Auge“, charakterisierte der Fachmann. Betroffene beschrieben diesen Schmerz meist als „wie mit einem bohrenden, glühenden Eisen“ gemacht. Eine Rötung des Auges sowie eine verstopfte oder laufende Nase gingen häufig damit einher. In akuten Situationen helfe hundertprozentiger Sauerstoff, außerdem diverse Medikamente. Wenn das nicht anschlägt, könne auch eine Stimulation mit implantierten elektrischen Sonden helfen.

Trigeminusneuraligie: die heftigsten Schmerzen

Neben den Cluster-Kopfschmerzen gehört die Trigeminusneuralgie zu den größten Schmerzen, die man im Kopfbereich haben kann. Der Trigeminusnerv verläuft in drei Ästen über jede Gesichtshälfte. Betroffen ist meist der mittlere (Oberkieferbereich) oder untere Ast (Unterkieferbereich) in einer Gesichtshälfte.

Der Schmerz, so beschrieb es der Neurologe, könne schon durch Kauen, Sprechen oder Gesicht waschen, ausgelöst werden. Nicht selten löse die Neuralgie Depressionen aus. Behandelt werden könne sie medikamentös mit Antiepileptika. Wenn die Neuralgie durch ein Blutgefäß, das auf den Nerv drückt, ausgelöst wird, könne auch eine Operation helfen, bei der ein Wattebausch zwischen Gefäß und Nerv eingesetzt wird, um den Druck zu mindern.

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