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Probleme mit dem Darm? Divertikel oder Polypen können die Ursache sein.  

Abendsprechtunde "Divertikel und Polypen im Darm"

Ein Problem des Lebensstils 

Divertikel und Polypen im Darm können enorme Probleme machen und müssen behandelt werden. Doch das ist es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Es handelt sich um zwei grundverschiedene Erkrankungen des Dickdarms: Die einen können sich entzünden (Divertikel), die anderen können sich zu Krebs entwickeln (Polypen). Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer am vergangenen Montag stellten die Fachmediziner des zertifizierten Darmzentrums am Marler Marien-Hospitals dies gleich zu Beginn klar und begegneten damit verbreiteten Unklarheiten.

Ausstülpungen in der Darmschleimhaut

 Divertikel sind Ausstülpungen der innen liegenden Darmschleimhaut in die außen liegende Muskelschicht. Etwa 13 Prozent der unter 50-Jährigen haben solche Divertikel, die mit zunehmendem Lebensalter immer häufiger vorkommen, sodass über 70 Prozent aller 85-Jährigen Divertikelträger sind, wie Marcus Roth, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Marien-Hospital erläuterte.

 Als Ursachen listete er eine ballaststoffarme Ernährung mit zu viel Fett und rotem Fleisch, sowie Verstopfungsneigung und Übergewicht auf. Divertikulose sei ein Lifestyle-Problem der westlichen Welt, dass es in anderen Teilen der Erde gar nicht gibt.

Krämpfe, Fieber, Übelkeit und Blutungen

 Die gute Nachricht: 70 Prozent aller Divertikelträger haben damit keinerlei Probleme. Sie haben eine symptomfreie Divertikulose, die, so Marcus Roth, auch nicht weiter behandelt werden muss. In den Divertikeln kann sich allerdings Stuhl ablagern und zu heftigen Entzündungen – der Divertikulitis – führen. Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen ist das der Fall. Und es werden immer mehr. Laut Marcus Roth ist die Anzahl der stationären Aufenthalte wegen einer Divertikulitis von 1998 bis 2005 um sagenhafte 26 Prozent gestiegen. 

Krampfartige dauerhafte Unterbauchschmerzen linksseitig (gelegentlich auch rechtsseitig), Stuhlauffälligkeiten von Verstopfung bis Durchfall, Fieber, Übelkeit, Blutungen aus dem Darm, die sehr massiv sein können – all diese Beschwerden entstehen bei Divertikulitis. Und es kann zu teils dramatischen Komplikationen kommen. Šo kann sich der Darm verengen, und es können sich Fisteln zu benachbarten Organen bilden, sodass die Entzündung auch dorthin wandert – beispielsweise in Scheide oder Blase. Und schließlich kann der Darm perforieren und ein Durchbruch in das umliegende Gewebe oder gar die offene Bauchhöhle entstehen.

 Um bei Beschwerden die richtige Diagnose zu stellen, kommen neben der Anamnese und körperlichen Untersuchung, die Blutuntersuchung, Röntgen, Computertomografie, eine Darmspiegelung und, besonders im Notfall, Ultraschall zum Einsatz.

Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad

 Die Behandlung, so Roth, richte sich dann nach dem Schweregrad der Divertikulitis. Bei einer akuten Entzündung ohne Komplikationen würden Antibiotika eingesetzt – ambulant oder auch stationär, mit Komplikationen folge auf die Antibiose, die die Entzündung zurückdrängt, die Operation, im Notfall stehe diese sofort auf dem Programm.

 Chronische Formen der Divertikulitis könnten ambulant gut behandelt werden. Gibt es allerdings immer wiederkehrende Entzündungsschübe, sei nach einer individuellen Therapie beim niedergelassenen Arzt dann doch eine Operation nötig. Ist die chronische Erkrankung mit Komplikationen wie Fisteln oder Darmverengung verbunden, müsse in einer nichtentzündlichen Phase ebenfalls operiert werden.

 Und bei Blutungen schließlich sei eine Blutstillung per Endoskopie das Mittel der Wahl. – Überhaupt solle man Blutungen immer endoskopisch abklären lassen und nicht verharmlosen oder einfach auf Hämorrhoiden zurückführen.

Und wie wird operiert?

„Bei einem NotfalI mit Perforation und eitriger oder stuhliger Bauchfellentzündung mit einem Bauchschnitt“, berichtete Markus Roth. Anschließend müsse der Patient drei bis sechs Monate mit einem künstlichen Darmausgang leben.

 Für Nicht-Notfälle stünden dann minimalinvasive Verfahren zur Verfügung – entweder per Laparoskopie oder mit dem DaVinci-Robotter. Markus Roth machte keinen Hehl daraus, dass er Letzteres für weit überlegen hält – wegen der enormen Genauigkeit der Operation mit einer besonderen Schonung von Nerven und Gewebe, nach der die Patienten viel schneller wieder auf den Beinen sind, als bei anderen Verfahren. Marcus Roth: „Wenn möglich, sollte man bei Divertikulitis mit DaVinci operieren. Die Ergebnisse sind vergleichslos.“

Polypen: Eine Vorstufe zum Krebs

Während Divertikel Ausbuchtungen in der Darmwand sind, bilden Polypen zusätzliches, oft pilzförmiges Gewebe im Dickdarm. Dabei gibt es zwar unterschiedliche Arten. „Doch 80 Prozent aller Polypen sind Vorstufen einer späteren Krebserkrankung“, erläuterte Privatdozent Dr. Klaus-Peter Riesener, Chefarzt des Darmzentrums sowie der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien-Hospitals, bei unserer Abendsprechstunde die Dringlichkeit, Polypen auf die Spur zu kommen. 

Meist beginne die Entartung mit einer Mutation eines bestimmten Gens. Und je mehr Gene sich im Polypen verändern, desto größer werde das Krebsrisiko. Diese Entwicklung dauere etliche Jahre. Daher sei die Darmkrebsvorsorge so wichtig.

Darmspielgelung zur Diagnose und Behandlung 

 Bei der Darmspiegelung, die sehr sorgfältig durchgeführt werden müsse, damit auch kleinste Veränderungen bemerkt werden, können Polypen nicht nur entdeckt, sondern auch gleich mittels Schlinge oder Biopsie entfernt werden. Die pathologische Untersuchung werde dann zeigen, ob es sich um bösartiges Gewebe handelt oder nicht. 

Wenn eine Entfernung von Polypen mal nicht per Darmspiegelung möglich ist, könnten sie bei einer Operation beseitigt werden – entweder durch den Enddarm, minimalinvasiv oder offen durch die Bauchdecke oder auch mit dem DaVinci-Roboter, in schwierigen Fällen auch mit einer Kombination davon.

Früherkennung ist das A und O

 „Es gibt kein zu jung bei Darmkrebs“ Dr. Riesener nutzte die Gelegenheit, den voll besetzen Saal nicht nur über Polypen und ihr Krebsrisiko zu informieren, sondern auch zu mahnen: „Es gibt kein zu jung für Darmkrebs.“ Und: „Informieren Sie Ihre Angehörigen, wenn Sie Polypen hatten. Denn deren Risiko ist dann erhöht.“

 Das A und O, den Darmkrebs zu vermeiden, sei die Nutzung von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, die leider immer noch zu wenig in Anspruch genommen würden. Dabei hätten Studien ergeben, dass der Stuhltest, bei dem nach verstecktem Blut als Hinweis auf Unregelmäßigkeiten im Darm gesucht wird, das Krebsrisiko senkt und einen von 1000 Patienten vor dem Tod bewahrt. Und die Darmspiegelung bewahrt demnach zwei Menschen von 1000 vor dem sicheren Ende. Dr. Riesener: „Die Daten zeigen, dass Vorsorge, besonders wenn dabei Polypen entfernt werden, sinn macht."

Ab 50 hat jeder einen Anspruch auf Vorosrge

Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Sie sind Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Im Rahmen eines Screenings, so Riesener, werden ab dem 1. Juli, alle Frauen und Männer ab 50 Jahren angeschrieben und zur Vorsorge eingeladen. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig, aber der Fachmediziner appellierte, diese Chance zu nutzen.

 Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen jährlich ihren Stuhl untersuchen lassen. Mit diesem immunologischen Stuhltest können auch kleinste Blutmengen nachgewiesen, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind.

Darmspiegelung ab 55

Ab 55 kann man derzeit eine Darmspiegelung machen lassen: Der Darm wird dabei mit einem Endoskop von innen angeschaut, und in vielen Fällen können Auffälligkeiten dabei auch gleich behandelt werden.. Man nennt die Untersuchung auch Koloskopie. Ist das Ergebnis unauffällig, reicht es, wenn man die Untersuchung nach frühestens zehn Jahren noch einmal in Anspruch nimmt.

 Wie der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums mitteilt, ist geplant, dass diese Untersuchung in Kürze für Männer schon ab 50 Jahren vorgesehen wird, da ihr Risiko in diesem Alter bereits etwas höher als das von Frauen sei. 

Keine Angst vor der Darmspiegelung 

Wer Beschwerden hat oder auffällige Veränderungen bemerkt, so das Krebsforschungszentrum, sollte allerdings nicht bis zum nächsten Vorsorgetermin warten, sondern gleich zum Arzt gehen. Und bei wem es möglicherweise besondere Risiken für Darmkrebs gibt, solle mit seinem Arzt besprechen, ob er früher mit regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen beginnen kann und nicht erst mit 50 Jahren. 

Angst vor der Darmspiegelung braucht nach Erläuterungen von Dr. Riesener übrigens niemand zu haben. Die Patienten werden dabei so sediert, dass sie davon gar nichts mitbekommen. Riesener: „Hundert Prozent der Patienten fragen danach: ‚Wie? – Sind Sie schon fertig?“

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