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Auch das gehört zur Diagnostik von Herzrhythmusstörungen: die Ultraschalluntersuchung des Herzens, die Prof. Dr. Frank Weidemann, Chefarzt der Kardiologie des Klinikum Vest, hier durchführt. 

Abendsprechstunde "Herzrhythmusstörungen"

Herz aus dem Takt

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Bei Herzrhythmusstörungen ist eine sehr genaue Diagnose nötig, um sie gezielt behandeln zu können. Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer waren sie jetzt Thema.

Eigentlich geht es um Elektrizität, wenn man über Herzrhythmusstörungen redet. Das machte Prof. Dr. Frank Weidemann, Chefarzt der Kardiologie, Gastroenterologie und Diabetologie des Knappschaftskrankenhauses, gleich zu Beginn seines sehr anschaulichen Vortrags bei unserer Abendsprechstunde klar. Gestartet werden die elektrischen Impulse vom Sinusknoten. Von dort breiten sie sich aus in den linken und rechten Vorhof, treffen sich dann im sogenannten AV-Knoten und breiten sich von dort weiter über die Hauptkammern aus. Prof. Weidemann: „Und überall auf diesem Weg können Herzrhythmusstörungen entstehen.“ 

Verursacht werden sie am häufigsten durch Bluthochdruck (Prof. Weidemann: „Wer über viele Jahre Bluthochdruck hat, bekommt irgendwann auch Herzrhythmusstörungen – auch wenn er gut eingestellt ist.“) und durch Vererbung. Weitere Ursachen sind Diabetes und eine koronare Herzkrankheit, die mit Stents und Bypässen behandelt werden musste. 

Meistens ist es Vorhofflimmern

Normalerweise pumpt das Herz das Blut in einem gleichmäßigen Rhythmus in den Körper. Es gibt aber auch Extraschläge und Pausen – solche, die jeder ständig mal hat, aber auch solche, die über das normale Maß hinausgehen. Oder Phasen, in denen das Herz rast.

 Die häufigste Rhythmusstörung, so Weidemann, ist das Vorhofflimmern, dessen Symptome sehr unterschiedlich ausfallen könnten. Die einen klagten über hörbares Herzklopfen oder Kurzatmigkeit, andere über Schwitzen oder ein Druckgefühl in der Brust, wieder andere über Angstgefühle oder Schwindelattacken bis hin zur Ohnmacht.

 „Lassen Sie sich einmal im Jahr durchchecken“ 

Hinzu kommt verstärktes Wasserlassen, besonders bei jüngeren Patienten. Und manche haben gar keine Beschwerden. Ihr gestörter Herzrhythmus fällt erst auf, wenn sie erhebliche Komplikationen erleiden.

 Unbehandelt kann er durch das zu schnelle Schlagen zu einer Herzschwäche führen, was wiederum an Wasser in den Beinen und Luftnot zu merken sei, oder auch zu einem Schlaganfall, weil sich ein Blutgerinnsel bilden und auf die Wanderschaft ins Gehirn machen kann. 

Daher empfahl Prof. Weidemann dringend: „Gehen Sie einmal im Jahr zum Hausarzt und lassen sich dort durchchecken, auch mit einem EKG.“ 

Für die Diagnose braucht es in jedem Fall ein  EKG 

Mehrmals betonte er, dass Herzrhythmusstörungen gut zu behandeln sind, aber nur, wenn man sie einmal gesehen hat und dadurch sagen kann, in welchem Teil des Herzens sie entstehen. Und genau darin liegt das Problem: Sie müssen dazu in dem Moment stattfinden, in dem ein EKG geschrieben wird. Manchmal reicht es, die Störung per Belastungs-EKG zu provozieren, oftmals ist aber eine Beobachtung über einen längeren Zeitraum nötig, z.B. per 24-Stunden-EKG, das man mit nach Hause nimmt.

 Manche bekommen auch einen Event-Rekorder in Herznähe unter die Haut gelegt, der vom Kardiologen über drei Jahre regelmäßig ausgelesen werden kann. Bei vielen hilft aber ein Event-Rekorder, den sie sich auf die Brust legen, wenn das Herzrasen kommt, um die Rhythmusstörung aufzuzeichnen.

 Und dann gibt es noch diejenigen, bei denen das spürbare Herzrasen über mehrere Stunden anhält. Sie sollten sofort zum Hausarzt oder in ein Krankenhaus fahren und darum bitten, dass man dort ein EKG schreibt.

Gesund leben für den richtigen Rhythmus

Wenn Herzrhythmusstörungen im EKG einmal identifiziert sind, kann man sie heutzutage gut behandeln, betonte  Prof. Dr. Frank Weidemann. An oberste Stelle auf der Liste der allgemeinen Therapie von Herzrhythmusstörungen setzte er eine gesunde Lebensführung: „Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch ist unglaublich wichtig. Das Kalium, das in Obst und Gemüse, besonders in Bananen, viel enthalten ist, wirkt sich sehr positiv auf den Herzrhythmus aus.“ 

Dazu müsse ausreichend Bewegung kommen mit viel Ausdauersport (z.B. Walken, Rad fahren, Schwimmen). Weidemann: „Darüber reguliert sich der Blutdruck nach unten, und dann werden auch die Herzrhythmusstörungen weniger.“ Auch Übergewicht sorge für hohen Blutdruck und müsse daher beseitigt werden.

Überhaupt müsse man den Blutdruck immer im Blick haben und ihn gut einstellen – auch in jungen Jahren. Ebenso Diabetes. Und eine koronare Herzerkrankung müsse ebenfalls gut behandelt werden – wie alle Erkrankungen, die sich auf Blutdruck und Herz auswirken. 

Medikamente mit Nebenwirkungen

Medikamente stehen zur Behandlung natürlich auch zur Verfügung. Weidemann nannte hier ACE-Hemmer, Beta-Blocker als Standardmedikament, und zur Verlangsamung des Herzschlags Digitalis, Cordarex, das wegen seiner Nebenwirkungen aber nicht über lange Zeit als Dauermedikament infrage komme, und Tambocor, wenn keine Herzschwäche im Spiel ist. „Aspirin“, so Weidemann, „hilft definitiv nicht!“ Worauf es ankäme, wäre, die Herzfrequenz auf jeden Fall auf um die 70 zu senken. 

Elektroschock, Herzschrittmacher, Blutverdünner

Bei Vorhofflimmern helfe denjenigen, bei denen es neu auftritt, oftmals ein Elektroschock, um das Herz wieder in den Takt zu bringen, und die anschließende Einnahme von Beta-Blockern. Anderen könne mit einer elektrophysikalischen Behandlung (siehe: „Eine Karte der Ströme im Inneren“) geholfen werden, andre bräuchten einen Herzschrittmacher. Es komme eben immer darauf an, welcher Art die Herzrhythmusstörungen sind. Für alle gelte jedoch: Nach der Behandlung muss wegen der Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel bildet, ein Blutverdünner eingenommen werden.

 Grundsätzlich gab Weidemann den Besucherinnen und Besuchern dies mit auf den Weg: „Wir haben immer eine Möglichkeit, Ihnen zu helfen. Die Beschwerden gehen nicht immer gleich ganz weg, aber die Symptome werden deutlich besser. Und einige können wir auch ganz beseitigen.“

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