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Rückenschmerzen können neurologische Ursachen haben - müssenb sie aber nicht. 

Abendsprechstunde "Kopf- und  Rückenschmerzen"

Abendsprechstunde: "Runter vom Sofa!"

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Rückenschmerzen sind – direkt nach Kopfschmerzen – der zweithäufigste Grund, aus dem Menschen einen Arzt aufsuchen. Die meisten davon entstehen durch ständiges Sitzen in der Lendenwirbelsäule (65 Prozent). Was kann man tun?

Dr. Norbert Beenen, Oberarzt der Neurologie des Klinikums Vest, betonte bei unserer Abendsprechstunde, dass ständiges Sitzen oder Stehen in ungünstiger Haltung für den Rücken schädlicher ist, als eine mittelschwere körperliche Arbeit.

Es gäbe zwar etliche Ursachen für Rückenschmerzen wie Verletzungen, Bandscheibenvorfälle, Tumorleiden oder Erkrankungen von inneren Organen. Bei ihnen käme es drauf an, die Ursachen zu behandeln. Aber längst nicht alle haben direkt mit der Wirbelsäule zu tun. In vielen Fällen seien Bewegungsmangel oder psychische Belastungen der Hauptauslöser.

Nicht jeder Rückenschmerz bedeutet Rückenschaden 

Beenen: „Nicht jeder Rückenschmerz bedeutet auch einen Rückenschaden.“ Es gäbe Menschen mit Rückenschmerzen, ohne jeden z.B. in Röntgenbilden oder MRT sichtbaren Befund und solche mit einem entsprechenden Befund, aber ohne Schmerzen.

Diese unspezifischen Rückenschmerzen könnten mit Medikamenten gelindert werden. Vor allem aber käme es darauf an, sich frühzeitig wieder zu bewegen – „und nicht nur auf dem Sofa zu sitzen.“ 70 bis 90 Prozent der Rückenschmerzen verschwänden nach sechs Wochen – mit und ohne Behandlung. Nur sieben Prozent trügen das Risiko in sich, chronisch zu werden.

So aktiv wie möglich sein

Damit das nicht passiert, sei es wichtig die Schmerzen nicht zu dramatisieren und sie nicht in den Vordergrund zu stellen. Nur bei einem hohen Risiko für eine chronische Entwicklung seien therapeutische Maßnahmen nötig. Ebenso bei psychischen Problemen.

Allen anderen empfahl Beenen ein „aktivierendes Schmerzbewältigungsprogramm“, sprich: „runter vom Sofa“, frühzeitig so aktiv wie möglich werden, mit Tabletten die Schmerzen linden, aber sich nicht auf Medikamente verlassen.

Manschmal hilft nur eine Operation

Bandscheibenvorfälle, Verengungen des Wirbelkanals (Spinalkanalstenosen), Wirbelbrüche, Tumore – all das können Ursachen für Rückenschmerzen sein, die durch eine Operation behoben werden können oder müssen. Bei unserer Abendsprechstunde war dies das Thema von Priv.-Doz. Dr. Maximilian Puchner, Chefarzt der Neurochirurgie des Klinikums Vest.

Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule können Schmerzen verursachen, die bis ins Bein ausstrahlen. Wenn die nach sechs Wochen nicht verschwunden sind, so Puchner, könne man von einem Dauerschmerz ausgehen und operieren. Bei neurologischen Ausfällen würde man allerdings weiter abwarten.

Was passiert bei der Operation?

Bei der Operation wird durch einen etwa drei Zentimeter großen Schnitt im Rücken der Vorfall herausgezogen, sodass der Nerv entlastet wird und nicht mehr schmerzt. An seine Stelle wird ein Körbchen (Cage) eingesetzt. Die Komplikationsrate bei diesen Operation bezifferte Puchner auf 5 bis 6,5 Prozent. Grundsätzlich würde man in seiner Klinik nur operieren, wenn es unbedingt nötig ist. Keinen Zweifel gäbe es daran bei Bandscheibenvorfällen in der Halswirbelsäule. Wenn sie aufs Rückenmark drücken, könnte dies zur Querschnittslähmung führen.

Ist der Spinalkanal verengt können Betroffenen nur noch kurze Strecken laufen, aber noch sehr gut Rad fahren. Ebenfalls durch eine Operation über den Rücken kann der Wirbelkanal wieder erweitert und der Schmerz so beseitigt werden. Auch wenn die Komplikationsrate nur bei 2,4 Prozent liegt, birgt diese Operation das Risiko, eine Instabilität zu verursachen. Überschreitet diese ein gewisses Maß, muss die Wirbelsäule an diesem Segment mittels Körbchen und Schrauben versteift werden. Puchner: „In de Regel können sich Patienten mit Versteifungen in einem oder zwei Segmenten ganz normal bewegen.“

Bei starkem Übergewicht wird’s problematisch

Immerhin 90 Prozent der Patienten mit Versteifungen in nur einem Segment seien mit dem Ergebnis zufrieden. Problematisch seien hingegen Versteifungen über mehrere Segmente. Ebenso derartige Operationen bei Menschen mit starkem Übergewicht. Puchner: „Dann versuchen wir, ohne auszukommen.“

Mit Schrauben, Stangen und Körbchen werden darüber hinaus Wirbelbrüche stabilisiert, wenn Osteoporose die Ursache ist, auch mit der Einspritzung von Zement. Und schließlich können auch Wirbel nach der Entfernung eines Tumors auf diese Weise stabil gemacht werden.

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