Eine Frau genießt ihr Eis in der Sonne: Basische Ernährung sieht anders aus.
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Eine Frau genießt ihr Eis in der Sonne: Basische Ernährung sieht anders aus.

Körper übersäuert

Abnehmen mit Säure-Basen-Kur? Diesen Fehler sollten Sie nicht machen

In Ernährungsratgebern ist oft die Rede vom "übersäuerten Körper", der zu Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes neigt. Säure-Basen-Kuren sollen Abhilfe schaffen.

  • Die Lifestyle-Industrie boomt. Auch im Bereich Wellness und Gesundheit schwemmen immer neue Trends auf den Markt, unter anderem Diäten.
  • Säure-Basen-Kuren werden bereits seit längerem wegen ihrer versprochenen gesundheitsfördernden Wirkung in Ernährungsratgebern angepriesen.
  • Doch was ist dran an der Theorie, dass man seinen Körper entsäuern muss?

Säure-Basen-Kur: Medizinisch gesehen für gesunde Menschen nicht notwendig, regelmäßig zu entsäuern

Es gibt tatsächlich Lebensmittel, die überwiegend saure Verbindungen im Körper bilden. Dazu zählen etwa Käse, Fleisch, Brot und Kaffee. Werden dagegen Früchte, Nüsse, Kräuter und Gemüse verstoffwechselt, entstehen basische Verbindungen. Doch was bedeutet das in der Praxis?

Bereits seit langem steht die Vermutung im Raum, dass Menschen, die sich überwiegend "sauer" ernähren, die Entstehung von Krankheiten begünstigen. So wird eine Übersäuerung - auch Acidose genannt - mit erhöhten Blutdruck- und Entzündungswerten*, der Entstehung von Diabetes, Übergewicht oder anderen Krankheiten in Verbindung gebracht. Ernährt sich ein Mensch ausgewogen und arbeitet der Stoffwechsel normal, kann ein gesunder Körper ein Säure-Basen-Ungleichgewicht allerdings ohne Probleme ausgleichen.

Der Körper gesunder Menschen ist also auch ohne teure Entschlackungs- und Säure-Basen-Kuren sehr wohl in der Lage, ein gesundes Säure-Basen-Gleichgewicht zu halten. Aus medizinischer Sicht gibt es entsprechend keine Notwendigkeit, den Körper regelmäßig zu entsäuern. So zitiert das Wissenschaftsmagazin Quarks die Medizinerin Roswitha Siener, die im Magazin Ernährungsumschau darauf verweist, dass eine propagierte "entschlackende" und "entgiftende" Wirkung verschiedener Fastenmethoden, wie etwa dem Basen- oder Heilfasten, wissenschaftlich nicht begründbar sei. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät von einem kompletten Verzicht von säurebildenden Lebensmitteln ab: "Weil lebenswichtige Nährstoffe auf Dauer in zu geringen Mengen zugeführt werden könnten, rät die DGE von langfristigem Basenfasten ab", heißt es vonseiten des Instituts. Es würden schlichtweg wissenschaftliche Beweise fehlen, inwiefern das Basenfasten tatsächlich Nutzen hat.

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Im Video: Was können Fleischersatzprodukte?

Säure-Basen-Kur: "Untersuchungen, die dafür sprechen, dass uns obst- und gemüsereiche Ernährung besser bekommt"

Allerdings gilt generell: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung beugt nachweislich vielen Krankheiten vor - unter anderem Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer sich überwiegend pflanzlich ernährt* - also Säurebildner wie Fleisch, Wurst oder andere tierische Produkte wie Käse nur selten verspeist - hat dabei tatsächlich ein geringeres Risiko für bestimmte Nierensteine als jemand, dessen Ernährung eher sauer wirkt. Und auch in Hinblick auf die Entstehung von Bluthochdruck* und somit Herzinfarkt oder Schlaganfall entfaltet eine überwiegend basische Ernährung - wie sie auch in den gängigen Ernährungsempfehlungen beschrieben wird - Schutzwirkung. Auch die Knochengesundheit und der Cholesterinspiegel soll von einer basischen Ernährung profitieren. Endgültige Beweise durch lange andauernde Interventionsstudien gebe es jedoch nicht, wie Quarks berichtete.

Nach aktuellem Wissensstand ist eine Kur mit basischen Lebensmitteln für Menschen, die sich ausgewogen ernähren, überflüssig. Gleiches gilt für Entschlackungskuren - vor dem Hintergrund, dass es keinen Beweis für die Existenz von Schlacken gibt. Eine ausgewogene Ernährung umfasst in erster Linie pflanzliche Nahrungsmittel: "Es gibt genug Untersuchungen, die dafür sprechen, dass uns eine obst- und gemüsereiche Ernährung besser bekommt als eine, die vor allem aus Fleischprodukten und Ähnlichem besteht", so die Einschätzung von Ernährungswissenschaftler Thomas Remer.

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jg

Zehn blutdrucksenkende Lebensmittel

Kresse als gesundes Würzmittel - Wer Kräuter und Gewürze verwendet, kann Gerichte ganz ohne Kochsalz verfeinern. Auch Basilikum, Koriander, Curry, Ingwer, Thymian usw. gehören zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Besonders Kurkuma soll Cholesterin senken und so die Entwicklung von Herz-Kreislaufkrankheiten verhindern.
Kresse als gesundes Würzmittel: Wer Kräuter und Gewürze verwendet, kann Gerichte ganz ohne Kochsalz verfeinern. Auch Basilikum, Koriander, Curry, Ingwer, Thymian usw. gehören zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Besonders Kurkuma soll Cholesterin senken und so die Entwicklung von Herz-Kreislaufkrankheiten verhindern. © dpa/Patrick Pleul
Bananen enthalten viel Kalium und wenig Natrium und sind deshalb ein wahrer Herzstärker. Auch andere Obstsorten und auch Trockenobst zählen zu den kaliumreichen und natriumarmen Nahrungsmitteln und sind deshalb für eine herzgesunde Ernährung geeignet.
Bananen enthalten viel Kalium und wenig Natrium und sind deshalb ein wahrer Herzstärker. Auch andere Obstsorten wie Äpfel und auch Trockenobst zählen zu den kaliumreichen und natriumarmen Nahrungsmitteln und sind deshalb für eine herzgesunde Ernährung geeignet. © Frank Leonhardt/dpa
Es wird diskutiert, ob ein niedriger Vitamin-C-Spiegel im Blut Herzkrankheiten fördert. Zitrusfrüchte wie Zitronen, Orangen aber auch anderes Obst wie Papaya enthalten besonders viel Vitamin C. Dieses soll die Blutgefäße stärken, vor oxidativem Stress schützen und die Aufnahme von Cholesterin hemmen.
Es wird diskutiert, ob ein niedriger Vitamin-C-Spiegel im Blut Herzkrankheiten fördert. Zitrusfrüchte wie Zitronen, Orangen aber auch anderes Obst wie Papaya enthalten besonders viel Vitamin C. Dieses soll die Blutgefäße stärken, vor oxidativem Stress schützen und die Aufnahme von Cholesterin hemmen. © Susann Prautsch/dpa
Blattgemüse wie Spinat enthält Antioxidantien, Ballaststoffe und gesunde Fette und schützt so die Arterien. Brokkoli ist auch ein wahrer Gesundmacher mit Vitamin C, E, Kalium, Kalzium und Ballaststoffen - alles wichtig für ein gesundes Herz.
Blattgemüse wie Spinat enthält Antioxidantien, Ballaststoffe und gesunde Fette und schützt so die Arterien. Brokkoli ist auch ein wahrer Gesundmacher mit Vitamin C, E, Kalium, Kalzium und Ballaststoffen - alles wichtig für ein gesundes Herz. © Jens Kalaene/dpa
In dunkler Schokolade (mindestens 70 Prozent Kakao-Anteil sollten es sein) stecken Flavonoide und andere Verbindungen, die einen positiven Effekt auf den Cholesterinspiegel haben. Einen Haken gibt es: In Schokolade ist viel Zucker und ungesundes Fett enthalten, weshalb man sie nicht in rauen Mengen essen sollte. Rohkakao ist eine gesunde Alternative.
In dunkler Schokolade (mindestens 70 Prozent Kakao-Anteil sollten es sein) stecken Flavonoide und andere pflanzliche Verbindungen, die einen positiven Effekt auf den Cholesterinspiegel haben. Einen Haken gibt es: In Schokolade ist viel Zucker und ungesundes Fett enthalten, weshalb man sie nicht in rauen Mengen essen sollte. Rohkakao ist eine gesunde Alternative. © Oliver Berg/dpa
Omega-3-Fettsäuren sollen gutes Cholesterin erhöhen, Entzündungen im Körper hemmen und das Risiko für Herzerkrankungen senken. Vor allem in Seefisch wie Forelle, Makrele, Lachs und Sardine ist viel enthalten. Gute Omega-3-Lieferanten sind außerdem Samen wie Chia und Sesam.
Omega-3-Fettsäuren sollen gutes Cholesterin erhöhen, Entzündungen im Körper hemmen und das Risiko für Herzerkrankungen senken. Vor allem in Seefisch wie Forelle, Makrele, Lachs und Sardine ist viel enthalten. Gute Omega-3-Lieferanten sind außerdem Samen wie etwa Chia und Sesam. © Daniel Bockwoldt/dpa
Wer häufig Ballaststoffe isst, reduziert das Risiko Herz-Kreislaufkrankheiten zu bekommen. Vor allem Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen liefern viele Ballaststoffe, aber auch Vollkornprodukte, Getreide wie Amaranth und Dinkel, Obst und Gemüse.
Wer häufig Ballaststoffe isst, reduziert das Risiko Herz-Kreislaufkrankheiten zu bekommen. Vor allem Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen liefern viele Ballaststoffe, aber auch Vollkornprodukte, Getreide wie Amaranth und Dinkel, Obst und Gemüse. © Andreas Gebert/dpa
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Heidelbeeren liefern viele Antioxidantien, die die Zellen und so auch die Blutgefäße schützen. Deshalb wird ihnen eine herzgesunde Wirkung zugesprochen. Auch andere Beeren haben diesen Effekt. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Knoblauch wirkt als Blutdruck- und Cholesterinsenker und beugt so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. © Sven Hoppe/dpa
Nüsse enthalten gesunde Fette und Ballaststoffe und machen sie deshalb zum perfekten Bestandteil herzgesunder Ernährung.
Nüsse enthalten gesunde Fette und Ballaststoffe und machen sie deshalb zum perfekten Bestandteil herzgesunder Ernährung. © Gregor Fischer/dpa

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