Gesundheit

Diabetes Typ 2: Immer mehr Erkrankte – Corona-Lockdown fördert Risikofaktoren

Die Zahlen der Erkrankungen mit Diabetes steigen seit Jahren. Mangelnde Bewegung und Übergewicht sind oft die Ursache. Beides wird durch Corona verstärkt.

  • Seit Jahren steigen die Zahlen der weltweit an Diabetes erkrankten Menschen.
  • Besonders Übergewicht und Mangel an Bewegung gelten als Risikofaktoren für Diabetes Typ 2.
  • Die Risikofaktoren werden durch Corona* verstärkt – was Sie für die Gesundheit tun können.

Frankfurt – Diabetes gilt als Volkskrankheit. Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an der Stoffwechselerkrankung. Und seit Jahren steigen die Zahlen stetig weiter an. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Auch die Kontaktbeschränkungen und Schließungen der Sportstätten im Zuge der Corona-Pandemie tragen dazu bei. Denn vor allem zählen Übergewicht und Bewegungsmangel zu den Risikofaktoren bei Diabetes Typ 2.

Doch was ist Diabetes überhaupt? Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung des Stoffwechsels. Je nach Typ der Krankheit produziert der Körper zu wenig oder auch gar kein Insulin. Das Hormon ist für die Regulierung des Stoffwechsels aber zwingend notwendig. Denn kohlenhydrathaltiges Essen lässt den Zuckerspiegel im Blut steigen. Das Insulin sorgt dafür, dass die Körperzellen Glucose aufnehmen, also die gängigste Art von Zucker, und trägt zur Regulierung des Blutzuckerspiegels bei. Die Glucose wird vom Körper für die Energiebereitstellung gebraucht.

Diabetes Typ 2 durch Übergewicht und Mangel an Bewegung: Welchen Einfluss hat Corona?

Von den etwa acht Millionen betroffenen Personen in Deutschland sind nur etwa 5 Prozent an Diabetes Typ 1 erkrankt. Die Autoimmunerkrankung tritt bei den Betroffenen meist in der Pubertät auf. Das Insulin kann dann in der Bauchspeicheldrüse der Patient:innen nicht mehr gebildet werden und muss dem Körper künstlich zugeführt werden. Die anderen 95 Prozent haben mit Typ 2 zu kämpfen. Dies kann durch Bewegung und gesunde Ernährung positiv beeinflusst werden. Dieser Typ der Diabetes tritt häufig in Verbindung mit Risikofaktoren wie Adipositas, also Fettleibigkeit, oder Übergewicht in Erscheinung.

Und genau das versetzt Fachleute in Sorge: Denn seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 steigt die Tendenz zu Übergewicht und Bewegungsmangel in der Bevölkerung. Das belegt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Yougov. Demnach gaben 38 Prozent der Erwachsenen an, sich seit Corona weniger zu bewegen. 19 Prozent hätten darüber hinaus sogar an Gewicht zugenommen. Eine weitere Umfrage der Sozialforschungsgesellschaft Forsa zeigt, dass sich die Folgen des Corona-Lockdowns auch negativ auf das Körpergewicht und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirken.

JahrGeschätzte Zahl der Menschen mit Diabetes weltweit
2000151 Millionen
2006246 Millionen
2011366 Millionen
2015415 Millionen
2017425 Millionen
2019463 Millionen
Quelle: Internationale Diabetes Föderation (IDF)

Diabetes Typ 2: Corona fördert Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel

Laut der Forsa-Umfrage haben 27 Prozent der Eltern und neun Prozent der Kinder im Zeitraum zwischen März und September 2020 zugenommen, das berichtet „diabetes-online.de“. Insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien von der Gewichtszunahme in Zeiten der Corona-Pandemie betroffen. „25 Prozent der Deutschen haben bereits Adipositas, weitere 35 Prozent Übergewicht“, erklärt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe und Diabetologe. Adipositas sei darüber hinaus die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter geworden. Und das fördere besonders Diabetes Typ 2.

Ein Teufelskreis: Denn Diabetiker:innen haben ohnehin ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion. Betroffene leider also insbesondere an den Folgen der Pandemie. Die Möglichkeiten, sich mehr zu bewegen, sind durch den brachliegenden Vereinssport sowie die geschlossenen Fitnessstudios und Sportstätten gering. Darüber hinaus erweisen sich auch die sozialen Kontaktbeschränkungen als Problem. Vielen Betroffenen fällt es alleine umso schwerer, sich zu mehr Bewegung zu motivieren und den inneren Schweinehund zu überwinden. Gerade durch Home-Office und Kurzarbeit bewegen sich viele Menschen ohnehin deutlich weniger. Sogar der alltägliche Weg zur Arbeit fällt weg.

Eine Pflegerin hilft einer alten Frau bei einer Diabetes-Blutkontrolle. (Symbolbild)

Gesundheit: Routinen können helfen, Diabetes vorzubeugen – trotz Corona

Umso höher ist der Stellenwert für Betroffene von Diabetes Typ 2, gesunde Routinen für ihren Alltag in Zeiten des Lockdowns zu finden. Inklusive gesunder Ernährung und mehr Bewegung. Die Plattform „diabetesde.org“ gibt hierzu hilfreiche Tipps, wie man auch zu Hause einen aktiveren Lebensstil pflegt. Bedarfsgerechte und abwechslungsreiche Ernährung hilft, das Körpergewicht zu halten und das Immunsystem zu stärken. Betroffene sollten ein Überessen stets vermeiden. Auch der Verzicht auf Zucker hat einen positiven Effekt auf den Körper und die ganzheitliche Gesundheit.

Demnach hilft es, die Zeit des weggefallenen Arbeitsweges für Gymnastik, Yoga oder ein sportliches Workout zu nutzen. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft ist für Körper und Geist wichtig - gerade in Zeiten von Corona. Kurze Strecken solle man demnach auch mal zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen und nicht mit dem Auto. Im Home-Office sollen regelmäßige Pausen helfen. Das Austauschen des Bürostuhls mit einem Gymnastikball bringt vor allem die Rumpfmuskulatur stetig in Schwung. Insgesamt gilt: „Schon 1000 Schritte mehr am Tag sind ein Gesundheitsplus“, so heißt es auf „diabetesde.org.“ So können sich Diabetiker:innen schützen. Alle anderen können mit diesen Tipps Volkskrankheiten wie Adipositas oder eben Diabetes Typ 2 vorbeugen. (Yannick Wenig) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

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