gerinnungshemmende Medikamente
+
Diese kleinen Pillen retten Leben – und versprechen Erfolg in der Behandlung von Covid-19.

Gegen „dickes" Blut

Arzneimittel mindert die Gefahr, an Covid-19 zu sterben – tausende Menschen nehmen es bereits täglich ein

Eine Studie mit 4400 Teilnehmern ergab: Wer ein bestimmtes Medikament einnimmt, verstirbt seltener an einer Coronavirus-Infektion.

  • Ein aussagekräftiges Studienergebnis: Nehmen Menschen einen Blutverdünner ein, halbiert sich ihr Risiko, an Covid-19 zu versterben.
  • Das schlussfolgerten US-amerikanische Forscher, nachdem sie die Daten von knapp 4.400 Coronavirus-Patienten ausgewertet hatten.
  • Erfahren Sie hier, wie die Einnahme von Blutverdünnern und der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zusammenhängen.

München - Wie genau sich eine Coronavirus-Infektion im Körper auswirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Doch einige Studien kommen zu dem Schluss, dass Covid-19 mit Thrombosen einhergehen kann* – mit teilweise tödlichen Folgen. „In den Kliniken ist schon lange bekannt, dass thromboembolische Ereignisse eine häufige Komplikation bei Covid-19 sind", so die Einschätzung von Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Berlin. Behandlungsempfehlungen dazu seien bereits veröffentlicht worden, zitiert ihn das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) weiter.

Arzneimittel senkt die Gefahr, an Covid-19 zu sterben - tausende Menschen nehmen es täglich ein

Und hier kommt ein Arzneimittel ins Spiel, das vor Thrombosen schützen kann: Sogenannte Blutverdünner senken durch ihre gerinnungshemmende Wirkung das Risiko, dass sich Blutgerinnsel in Arterien und Venen bilden. Blutgerinnungshemmende Medikamente werden unter anderem bei folgenden Patienten eingesetzt:

  • Menschen, die unter einer arteriellen Verkalkung im fortgeschrittenen Stadium leiden
  • Personen, die eine angeborene Neigung zu erhöhter Blutgerinnung haben
  • als Ergänzung zur Therapie von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Embolien
  • bei Menschen, die eine Thrombose hatten
  • Vor, nach und während chirurgischer Eingriffe, wenn der Patient längere Zeit im Bett liegen muss 

In einem Versuch hatten US-amerikanische Forscher Blutverdünner auch bei Covid-19-Patienten angewandt – ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt Journal of the American College of Cardiology. Für die Studie wurden knapp 4.400 Patienten in drei Gruppen eingeteilt: Eine erhielt keine Blutverdünner, der zweiten Gruppe wurde eine hohe Dosis Blutverdünner verabreicht und die dritte Gruppe bekam eine geringe Dosis, die auch zur Vorbeugung von Thrombosen eingesetzt wird.

Lesen Sie auch: Deutsche Forscher finden schlimme neue Corona-Folge – auch fitte, junge Menschen betroffen.

Therapie mit Blutverdünnern: Patienten müssen seltener künstlich beatmet werden

„Es bestand ein starker Zusammenhang zwischen Blutverdünnern und einer verringerten Wahrscheinlichkeit von Todesfällen im Krankenhaus: Sowohl therapeutische als auch prophylaktische Dosen von gerinnungshemmenden Medikamenten reduzierten die Sterblichkeit um etwa 50 Prozent im Vergleich zu Patienten, die keine Blutverdünner erhielten", heißt es in einer Mitteilung der Mount Sinai Krankenhaus-Gruppe, die an der Studie beteiligt war.

Zusätzlich sank bei jenen beiden Gruppen auch das Risiko für eine künstliche Beatmung, wie das RND berichtete. Patienten, die eine hohe Dosis Blutverdünner verabreicht bekommen hatten, mussten zu 31 Prozent seltener an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, diejenigen mit prophylaktischer Dosis um 28 Prozent seltener. Inwieweit die Therapie mit Blutverdünnern standardmäßig in die Covid-19-Behandlung einfließen könnte, wird allerdings noch diskutiert. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Weiterlesen: Medikamente gegen Covid-19: „Veklury“ soll Coronavirus-Patienten schneller gesund machen.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa/dpaweb-mm
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene.
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren.
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © picture alliance / Science Photo
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Warum steckt sich in manchen Regionen niemand mit Corona an? Diese Ursachen könnten dahinter stecken
Warum steckt sich in manchen Regionen niemand mit Corona an? Diese Ursachen könnten dahinter stecken
Warum steckt sich in manchen Regionen niemand mit Corona an? Diese Ursachen könnten dahinter stecken
Grazer Corona-Studie bestätigt: Mit dieser Blutgruppe sind Sie weniger anfällig für Covid-19
Grazer Corona-Studie bestätigt: Mit dieser Blutgruppe sind Sie weniger anfällig für Covid-19
Grazer Corona-Studie bestätigt: Mit dieser Blutgruppe sind Sie weniger anfällig für Covid-19
Coronavirus in NRW: Muss ich einen Gutschein für einen verschobenen Flug akzeptieren? Wir beantworten Ihre Fragen
Coronavirus in NRW: Muss ich einen Gutschein für einen verschobenen Flug akzeptieren? Wir beantworten Ihre Fragen
Coronavirus in NRW: Muss ich einen Gutschein für einen verschobenen Flug akzeptieren? Wir beantworten Ihre Fragen
Mehr Corona-Ansteckungen im Winter? Diesen Effekt hat Kälte auf die Ausbreitung von Coronaviren
Mehr Corona-Ansteckungen im Winter? Diesen Effekt hat Kälte auf die Ausbreitung von Coronaviren
Mehr Corona-Ansteckungen im Winter? Diesen Effekt hat Kälte auf die Ausbreitung von Coronaviren
Schilddrüse liefert Hormone für fast alles
Schilddrüse liefert Hormone für fast alles
Schilddrüse liefert Hormone für fast alles

Kommentare