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Individuelle Krebstherapien geben Patienten neue Hoffnung.

Abendsprechstunde "Diagnose Krebs"

Krebs-Therapien sind heute individuell

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Krebs ist eine Diagnose, die Menschen aus der Bahn wirft. Aber dank neuer Therapieformen können ihnen Mediziner zunehmend Hoffnung machen. So auch bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer im Knappschaftskrankenhaus.

Rund 480.000 Männer und Frauen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Krebs – was nicht zuletzt daran liegt, dass wir immer älter werden, womit die Wahrscheinlichkeit steigt. Die Ursachen sind häufig unklar, wie Prof Dr. Thomas Höhler, Chefarzt u.a. der internistischen Onkologie des Prosper-Hospitals Recklinghausen und in der Leitung des dortigen Darmzentrums, bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer  im Prosper-Hospital feststelle.

Auslöser Infektionen, Rauchen, Alkohol, Übergewicht

 Allerdings, so der Fachmediziner, gibt es Auslöser, die sich vermeiden lassen. Er nannte Rauchen, Alkohol, Übergewicht und wenig Bewegung. Prof. Höhler: „An all dem kann man selbst was tun. Besonders Übergewicht ist ein enormer Risikofaktor.“ Krebsauslösend könnten auch bakterielle Infektionen (besonders bei Magenkrebs) und Infektionen mit Viren sein. So werde Leberkrebs oftmals von Hepatitis B und C ausgelöst. Höhler riet daher, Infektionen frühzeitig zu behandeln und sich gegebenenfalls impfen zu lassen.

 Wer die Diagnose Krebs bekommt, den begleitet fortan meistens die Angst – wie Prof. Höhler ausführte, die Angst vor der nächsten Untersuchung und ihrem Ergebnis, vor der Behandlung, vor einer Chemotherapie und ihren Nebenwirkungen, vor der Kommunikation mit Familie und Freunden. 

„Es ist extrem wichtig, darüber zu reden“ 

Und auch vor den Auswirkungen auf das Leben und natürlich vor dem Ende. Hinzu kommen große Unsicherheiten während der vielen Zeiten des Wartens. Prof. Höhler riet allen Betroffenen dringend, offen darüber zu reden. „Die Zeiten, in denen Krebs ein Tabuthema war, sind vorbei. Um damit klar zu kommen, ist es extrem wichtig, darüber zu reden.“ Im Krankenhaus stünden dazu auch unterstützend Psychoonkologen bereit. 

Am Beispiel des Darmkrebses erläuterte er, dass vor jeder Krebsbehandlung die genaue Diagnose steht – Gewebeproben müssen untersucht, die genaue Lage, Größe und Anzahl von Tumoren festgestellt, eventuelle Metastasen lokalisiert und das Krebsstadium eingeordnet werden. Welche individuelle Behandlung der betreffende Patient dann bekommt, das wird in einer Tumorkonferenz entschieden, in der Ärzte aus allen beteiligten Ressorts (z.B. Gastroenterologen, Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen) zusammenkommen, um jeden Fall aus allen Perspektiven zu beleuchten.

Chemotherapie und Operation gegen den Krebs

 Beim Dickdarmkrebs beispielsweise müsse man „alles operieren, was operiert werden kann und nicht gestreut hat“. Beim Mastdarm hingegen müsse zuerst eine Chemotherapie erfolgen, damit der Tumor kleiner wird und dann operiert werden kann – eine neuere Entwicklung der letzten Jahre, auch bei anderen Krebsarten. Eingesetzt wird die Chemo bei den meisten Krebsarten auch, wenn die Lymphen befallen sind und / oder nach der Operation, um die Bildung von Metastasen zu verhindern. Nicht angezeigt, so Prof. Höhler, sei eine Operation, bei fortgeschrittenem Darmkrebs, der schon in Lunge oder Leber gestreut hat. In diesen Fällen müsse mit Medikamenten gearbeitet werden. 

So müssen bei jeder Krebsart Besonderheiten und die individuelle Situation und Konstitution des Patienten mit den Behandlungsoptionen abgewogen werden. Bei unserer Abendsprechstunde erfuhren die Besucherinnen und Besucher, dass es davon inzwischen einige mehr gibt, als Operation und Chemotherapie. 

Immuntherapie entreißt Krebszellen die Maske 

Zum Beispiel die Immuntherapie: „Wir haben im Körper Zellen, die Tumorzellen erkennen und bekämpfen, unser Leben lang,“ erläuterte Höhler den Hintergrund. „Allerdings maskieren sich Tumorzellen manchmal und können dann nicht mehr erkannt werden.“ Hier setzt die Immuntherapie an. „Dabei werden Substanzen eingesetzt, die die Tumorzellen ihrer Maske berauben, sodass sie wieder erkannt und damit bekämpft werden können.“

 Diese Therapieform könne derzeit allerdings nur bei bestimmten Unterformen verschiedener Krebsarten eingesetzt werden. Oft bedürfe es einiger Voruntersuchungen um herauszufinden, wie groß die Chance eines Patienten überhaupt ist, auf eine Immuntherapie anzusprechen. Und auch sie ist nicht ohne Nebenwirkungen. So könne sie Autoimmunkrankheiten auslösen, die dann wiederum mit Kortison behandelt werden müssen.

Neue Verfahren behandeln den Krebs lokal

Wenn systemische Behandlungen wie die Chemotherapie oder die Immuntherapie nicht vertragen werden oder keinen Erfolg bringen oder auch, wenn eine Operation nicht infrage kommt, können Tumorerkrankungen inzwischen auch lokal behandelt werden – und zwar in der Radiologie. Bei unserer Abendsprechstunde erläuterte Prof. Dr. Roland Syha, Chefarzt der Radiologie und Nuklearmedizin des Recklinghäuser Prosper-Hospitals, diese minimalinvasiven Verfahren, die Tumore oder auch Metastasen an Ort und Stelle zerstören oder deren Wachstum eindämmen.

 Zum Einsatz kommt die interventionelle minimalinvasive Krebstherapie inzwischen bei vielen Krebsarten, vor allem bei lebereigenen Tumoren und Metastasen in der Leber und bei einer Beteiligung der Lunge.

Chemoembolisation: Chemo per Katheter

 Da wäre zunächst die Chemoembolisation. Dabei werden über einen Katheter aushärtende Flüssigkeiten, kleine Metallspiralen oder Kunststoffpartikel in das Blutgefäß gespritzt, das den Tumor versorgt, um es zu verschließen und den Tumor so auszuhungern. Zusätzlich gibt man hierbei eine lokale Chemotherapie, deren Nebenwirkungen auf den Körper deutlich verringert sind. 

Der Eingriff ist minimalinvasiv und in örtlicher Betäubung durchführbar. In einigen Fällen kann er direkt heilen, in anderen Fällen schafft die Embolisation eine bessere Voraussetzung für eine anstehende Operation oder Organtransplantation.

Zerstörung des Tumors mit Hitze 

 Bei kleineren inoperablen Metastasen oder Tumoren kann die Mikrowellenablation eingesetzt werden, um Tumorgewebe zu zerstören und damit zu verkleinern. Diese Hitzebehandlung des Tumors erfolgt mit speziellen Sonden, die unter Bildsteuerung minimalinvasiv durch die Haut in das Tumorgewebe gesetzt werden und es dort mittels Hitze von innen nach außen quasi verkochen lassen. Das Verfahren erzeugt kaum Schmerzen, weswegen eine Vollnarkose nicht routinemäßig notwendig ist. Es wird vor allem bei Tumoren der Leber, Niere und Lunge angewendet.

 In ähnlicher Form wird die Radiofrequenzablation eingesetzt, die ebenfalls ein Hitzeverfahren ist. Hierbei werden mithilfe der Bildsteuerung in CT, MRT oder Sonografie Nadeln in die Leber eingeführt, die von innen hohl sind. Durch diese werden Sonden eingeführt, die Wechselstrom über 60 Grad Celsius erzeugen und damit das Tumorgewebe absterben lassen. Dieser Eingriff erfordert eine sehr gute Vorbereitung, für den Patienten ist er aber wiederum schonend. 

„All diese Verfahren sind in der Krebstherapie mittlerweile enorm wichtig und können den Patienten Hoffnung geben. Bei lebereigenen Tumoren zählen sie zu den etablierten Verfahren, die auch in den Leitlinien stehen. Hier können wir sogar heilend ergänzend zu den operativen Maßnahmen eingreifen“, erklärte Prof. Syha.

 Chemotherapie ablösen oder ersetzen

 Bei metastasierten Tumoren sei das Ziel eher, Zeiträume bis zu einer Operation zu überbrücken oder eine Chemotherapie zu unterstützen oder zeitweise abzulösen.

 Dies könne nötig werden, weil die Nebenwirkungen bei den Patienten zu groß sind oder die Therapie nicht anschlägt. Eine weitere wichtige Indikation stellten lebereigene Tumore dar, bei denen die Patienten in bestimmten Fällen noch die Möglichkeit einer Transplantation haben. „Zum Beispiel, wenn die Tumore nicht zu groß bzw. an höchstens drei Stellen der Leber auftreten, können die Patienten auf der Transplantationsliste bleiben. Mithilfe unserer Verfahren können wir das Wachstum so lange eindämmen, bis – häufig erst nach Monaten – ein entsprechendes Organ gefunden wurde“ erläuterte Syha.

Nebenwirkungsfrei seien diese Eingriffe zwar nicht, aber die Lebensqualität eine Woche nach dem Eingriff sei deutlich besser als bei einer Systemtherapie.

Individuelle Therapiekonzepte greifen nicht immer

 In mehreren Beispielen beschrieb er, wie individuell diese Methoden der Tumorbekämpfung eingesetzt werden können – meist mit großem Erfolg. Dennoch: Es gibt Situationen, in denen sie nicht möglich sind – zum Beispiel bei stark eingeschränkter Leberfunktion, starker Tumorausbreitung, Arthrose in der Pfortader oder Niereninsuffizienz. „Diese individuellen Therapiekonzepte“, so Prof. Syha, „funktionieren bei vielen sehr gut, aber nicht bei allen.“ Ziel sei es, sie zu verfeinern, um mit ihnen im Verein mit systemischen Therapien und Operationen möglichst viele Krebspatienten zu retten.

Viele Informationen sowie Broschüren zum herunterladen und Bestellen finden Sie auf der Internetseite des Deutschen Krebsforschungszentrums www.krebsinformationsdienst.de

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