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Leistenbrüche sind Brüche in der Bauchwand, die schmerzhafte Folgen haben können. Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer im Dattelner St. Vincenz-Krankenhaus sind sie jetzt Thema. 

Abendsprechstunde "Hernien"

Wenn die Bauchwand bricht

Wenn die Bauchwand bricht, können Darmschlingen eingeklemmt werden, wenn es das Zwerchfell ist, kann der Magen in den Brustraum rutschen. Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer sagten Fachmediziner, was zu tun ist. 

Bauchwandbrüche, auch Hernien genannt, gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen, die chirurgisch behandelt werden müssen. Bundesweit werden jährlich etwa 350.000 Hernien-OPs gestemmt. Auch das Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie am St. Vincenz-Krankenhaus spielt dabei eine wichtige Rolle. Was Chefarzt Dr. Jürgen Mais bei der jüngsten – vom Medienhaus Bauer präsentierten – Abendsprechstunde zum Thema zu berichten wusste, haben wir zusammengefasst:

Wie entsteht eine Leistenhernie, die ja am häufigsten vorkommt, überhaupt? 

Auch wenn Ärzte bei einer Leistenhernie von einem Bruch sprechen, zersplittert dabei kein Knochen. Vielmehr wird Gewebe durchstoßen. Ursächlich dafür ist eine Bindegewebsschwäche. Wenn wir etwa schlecht vernetzte Collagenfasern und damit ein weniger elastisches Bindegewebe haben, kann Husten, Niesen oder schweres Heben eine Hernie begünstigen, weil die Leistenregion dem Druck nicht mehr standhält. Es bildet sich ein Bruchsack, der Teile des Darms enthalten kann, aber auch Fettgewebe.

Woran erkennt man einen Leistenbruch?

Er macht sich meistens durch eine Beule in der Leistenregion bemerkbar. Diese Beule ist beweglich und lässt sich oft wieder nach innen wegdrücken. Abends oder nach Belastung sieht man die Schwellung deutlicher. Ein Leistenbruch kann ein leichtes Ziehen in der Leiste oder ein Druckgefühl hervorrufen. Betroffene sollten zum Arzt gehen.

Ist ein Leistenbruch denn gefährlich?

In den meisten Fällen ist er ungefährlich. Unbehandelt vergrößern sich Hernien allerdings. So kann sich zum Beispiel eine Darmschlinge einklemmen und abgequetscht werden. Das führt zu starken Schmerzen und ist ein Notfall. Unabhängig davon raten Experten, einen Leistenbruch immer operieren zu lassen, auch wenn er keine oder nur leichte Beschwerden bereitet. 

Welche Risikofaktoren gibt es?

Prinzipiell erhöhen Übergewicht, Verstopfungen, Prostatavergrößerungen und Schwangerschaften den Druck im Bauchraum. Dadurch steigt das Risiko für einen Leistenbruch. Aber auch wer ständig husten muss, beispielsweise wegen einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit - wir sind hier immerhin im Ruhrgebiet, wo lange unter Tage gearbeitet wurde - kann eher eine Leistenhernie bekommen. Ärzte beobachten darüber hinaus bei Frühgeborenen und Jungen mit einem Hodenhochstand häufiger einen Leistenbruch.

Aber es sind nicht nur Männer betroffen?

Vorwiegend trifft es die Männer, nämlich zu 29 Prozent. Frauen erkranken nur zu fünf Prozent an einer Hernie. Bei Frauen bildet sich aber deutlich öfter ein Bruch am Oberschenkel – die sogenannte Schenkelhernie.

Können auch Kinder betroffen sein?

Bei einer positiven Familienanamnese, also wenn Eltern betroffen sind, haben die Nachkommen ein achtfach höheres Risiko, zu erkranken. Häufig bemerken die Eltern den Bruch beim Windelwechseln oder Waschen ihres Kleinkindes. Bei Jungen kann auch der Hodensack anschwellen, bei Mädchen die äußeren Schamlippen. Reagiert das Kleine empfindlich, wenn die Eltern auf die Schwellung drücken, muss das Kind zum Arzt.

Wie läuft die Diagnose bei Erwachsenen ab? 

Ist die Schwellung bereits zu erkennen, tastet der Arzt sie ab. Reicht diese körperliche Untersuchung nicht aus, nimmt er eine Ultraschalluntersuchung vor. Nicht immer ist eine Hernie Ursache für Leistenschmerzen. Es könnte auch ein geschwollener Lymphknoten, eine Aussackung von Gefäßen oder ein Tumor dahinter stecken.

Wie erfolgt die Standardtherapie?

Jeder Leistenbruch sollte operiert werden. Denn er bildet sich nicht von selbst wieder zurück und vergrößert sich sogar mit der Zeit. Zudem besteht immer die Gefahr, dass sich Darm- oder Fettgewebe in der Ausstülpung verfängt und abgeschnürt wird. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich. Welche OP-Methode für einen harmlosen Leistenbruch infrage kommt, hängt von vielen Faktoren ab. So spielt das Alter des Patienten eine Rolle, ebenso wie die Lage und Größe des Bruchs. Außerdem eignen sich manche Verfahren nicht, weil sie einer Vollnarkose bedürfen. Das kommt nicht für jeden Patienten infrage. Prinzipiell gibt es drei verschiedene OP-Methoden: die OP nach Shouldice, die nach Lichtenstein sowie minimal-invasive Verfahren.

Sodbrennen - ein Hinweis auf Bruch des Zwerchfells?

Nicht immer verbirgt sich hinter einer Hernie ein klassischer Leistenbruch. Auch das Zwerchfell kann betroffen sein und löst dann oft Sodbrennen aus. Bundesweit seien allerdings maximal 12.000 Fälle betroffen, so Oberärztin Miriam Frömmichen vom St. Vincenz-Krankenhaus.

 Sehr häufig bereiten Zwerchfellbrüche keine besonderen Beschwerden - außer dem für Sodbrennen typischen saurem Aufstoßen, einem Druckgefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein. Diese sogenannten Hiatushernien kämen im Alter ab 50 Jahren häufiger vor. Ein erhöhter Druck auf den Magen, etwa durch Übergewicht, könne dabei eine Rolle spielen, sei aber ungefährlich.

Übelkeit und Herzbeklemmungen

 Eine fortgeschrittene Hernie verursache mitunter Übelkeit oder sogar Herzbeklemmung – vor allem nach dem Essen. Als Folgeerscheinung könne eine Blutarmut aufgrund von Blutungen durch Gewebeschäden auftreten. Eine sehr seltene, bedrohliche Komplikation ist dagegen eine Einklemmung von teilen des Magens. Sie geht mit Würgereizen und starken Schmerzen in der Magengrube einher.

 Diagnostiziert wird das Sodbrennen durch eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen, Gastroskopie genannt. Die Therapie zielt darauf ab, die Refluxsymptome zu beseitigen, häufig durch säurehemmende Medikamente. Eine Einschränkung des Lebensstils sei nicht nötig. Dr. Jürgen Mais: „Die Lebensqualität spielt für mich eine enorme Rolle. Wenn ich Kopfweh habe, nehme ich eine Tablette, um schmerzfrei zu sein, auch wenn sie Nebenwirkungen haben kann“, so der Vergleich des Mediziners. Einzig auf eine möglichst fettarme Ernährung sei zu achten.

Operation - um Komplikationen zu verhindern

 Fortgeschrittenere Hernien kann der Fachmann mithilfe einer Röntgenuntersuchung feststellen, für die der Patient zuvor einen Kontrastmittelbrei schlucken muss, etwa ein mit Kontrastmittel versehenes Brötchen. Diese Hernien werden in der Regel dann doch operiert, um möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Wer sich wegen einer Hernie operieren lassen möchte, aber schnell wieder körperlich belastbar sein muss, kann sich für eine OP mit minimalinvasiver Technik entscheiden, sofern er keine Kontraindikation hat, so Dr. Jürgen Mais.

Minimalinvasiv mit kleinen Schnitten 

Das bedeute, dass es keines großen Hautschnitts bedarf, sondern nur winziger Schnitte. Experten unterscheiden das TEP (total extraperitoneale Hernioplastik)-Verfahren von der TAPP (transabdominelle präperitoneale Hernioplastik)-Methode. In beiden Fällen führt der Operateur über die kleinen Bauchschnitte ein Endoskop, also ein Schlauchgerät mit eingebauter Minikamera, sowie die nötigen Instrumente ein und schiebt sie bis zum Leistenbruch vor. 

Bei der TEP-Technik nutzt der Arzt einen feinen Gewebespalt aus, der sich zwischen Haut und Bauchfell befindet. Der Operateur drückt den Bruchsack zurück in die Bauchhöhle und führt ein Kunststoffnetz ein, das er über dem Bruch anbringt. Mais: „Das Netz fixiert sich von selbst, es sind keine Metallklammern nötig.“ 

Ein Netz vebleibt im Körper

Beim TAPP-Verfahren liegen die Schnitte in Höhe des Bauchnabels. Der Bauch muss mit Kohlendioxid aufgebläht werden. Das Kunststoffnetz wird anschließend bei einer Bauchspiegelung vom Bauchraum aus – also von innen – bis zum Leistenbruch vorgeschoben. In diesem Fall muss das Netz mit Klammern oder Nähten fixiert werden. Gelegentlich wird es auch geklebt. Das Material verbleibt im Körper und löst sich von selbst auf. 

Die gute Nachricht: Das Risiko für einen erneuten Bruch gilt als gering. Der Patient darf sich bald wieder belasten – bereits nach etwa sieben bis zehn Tagen. Allerdings läuft die OP unter Vollnarkose ab.

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