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Sodbrennen mit Schmerzen vom Magen bis zum Hals: Dahinter kann die Refluxkrankheit stecken.

Abendsprechstunde "Sodbrennen"

Meist ist es ein Reflux

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Sodbrennen ist ein Volksleiden, hinter dem meistens eine Refluxkrankheit steckt. Bei der Abendsprechstunde erläuterten Fachmediziner des Hertener Gertrudis-Hospitals, was dagegen getan werden kann.

Dass etwas Mageninhalt wieder hochkommt, das passiert eigentlich jedem irgendwann mal und ist auch nicht bedenklich. Bei einer Refluxkrankheit allerdings passiert es in einer Weise, die die Lebensqualität erheblich einschränkt. Die Säure kann bis in die Nase hochsteigen und zu einer Entzündung der Speiseröhre führen, was das Gewebe so verändert, dass sogar Krebs daraus entstehen kann. Dies erläuterte Dr. Elisabeth Winkelmann, Chefärztin der Klinik für Chirurgie, minimalinvasive Chirurgie und Unfallchirurgie des Westerholter Gertrudis-Hospitals bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer.

Typische Beschwerden der Refluxkrankheit

Typische Beschwerden sind ein Schmerz in der Brust, der manchen erst mal zum Kardiologen führt, Schmerzen im Oberbauch, häufiges und heftiges Erbrechen, wenn die Säure hochsteigt auch Luftnot, Hustenanfälle bis hin zu asthmaähnlichen Beschwerden, morgendliche Heiserkeit, wenn es in der Nacht passiert, chronische Halsentzündungen, Zahnfleischbluten und (seltener) auch Verdauungsunregelmäßigkeiten. Wie die Fachmedizinerin ausführte leiden 70 bis 90 Prozent der Refluxkranken unter Sodbrennen – manche auch unter vermeintlichen Herzschmerzen, Irritationen von Bronchien und Lunge sowie unter Mundgeruch. 

40 Prozent haben Veränderungen an der Speiseröhre, aber bei 60 Prozent kann man nichts dergleichen feststellen. Dr. Winkelmann: „Die gehen dann oft als Psychopaten durch die Welt“. Man müsse daher wissen, dass die Häufigkeit und die Schwere der Symptome zwar eine entsprechende Minderung der Lebensqualität bewirken, aber nicht mit dem medizinischen Befund übereinstimmen müssen. 

Ursachen von Sodbrennen und Zwerchfellbruch

Ursache des Sodbrennens könne eine Schluckstörung oder eine Magenentleerungsstörung ebenso sein wie ein Bruch des Zwerchfells. Dieses trennt den Brustraum vom Bauchraum und hat eine kleine Öffnung, durch die die Speiseröhre in den Magen tritt. Sie öffnet sich beim Schlucken wie ein Ventil zum Mageneingang. Bei einem Zwerchfellbruch ist diese Lücke zu groß geworden und damit die Ventilfunktion defekt. Gleichzeitig kann durch die zu große Öffnung ein Teil des Magens – oder auch der ganze Magen – nach oben in den Brustraum rutschen. 

Eine angeborene Bindegewebsschwäche, chronischer Husten oder Verstopfungen können zu diesem Zwerchfellbruch führen, den immerhin 94 Prozent der Refluxkranken mit einer Speiseröhrenentzündung haben. Allerdings, so Dr. Winkelmann, gebe es Menschen mit einem Zwerchfellbruch ohne Refluxkrankheit und umgekehrt.

Daher müssten Patienten sehr sorgfältig untersucht werden. Das geschehe durch ein sehr ausführliches Gespräch und eine Magenspiegelung sowie Säuremessungen über eine Magensonde und Druckmessungen der Speiseröhre. (Das Westerholter Krankenhaus verfügt über ein entsprechendes Funktionslabor.)

In leichten Fällen: Änderung des Lebensstils 

Zur Behandlung empfahl sie allen, die zwar eine Refluxerkrankung haben, aber keine Entzündung, ihr Körpergewicht zu reduzieren, auf Schokolade, Kaffee, Wein und fette, gebratene Speisen möglichst zu verzichten, nur kleine Portionen über den Tag verteilt zu essen, die letzte Mahlzeit zwei Stunden vor dem Schlafengehen einzunehmen und mit einem erhöhten Kopfteil zu schlafen.

Bei einer Speiseröhrenentzündung oder wenn sich trotz Änderung der Lebensgewohnheiten keine Besserung einstellt, müsse darüber hinaus behandelt werden – z. B. mit Medikamenten wie Protonenpumpenhemmer, die die Säureproduktion im Magen hemmen. Sie müssen meist lebenslang eingenommen werden, da sie nicht die Ursachen beheben und der Zwerchfellbruch und das defekte Ventil bleiben. Und Nebenwirkungen (z. B. Durchfall oder Haarausfall) haben sie auch. Nutzen und Risiken, so Dr. Winkelmann, müssten sorgfältig abgewogen werden.

Manchmal hilft nur eine Operation

Wenn der Leidensdruck zu hoch ist oder konservative Methoden keine Verbesserung bringen, kann eine Operation des Zwerchfellbruchs helfen. Außerdem müsse man die Nebenwirkungen einer lebenslangen Medikamenteneinnahme gegen eine Operation abwägen, sagte Hermann-Josef Winkelmann, leitender Oberarzt der Klinik für Chirurgie, minimalinvasive Chirurgie und Unfallchirurgie des Westerholter Gertrudis-Hospitals bei der Abendsprechstunde. Besonders bei jüngeren Patienten schlage das Pendel da eher Richtung Operation aus.

Und nicht zuletzt seien Komplikationen der Erkrankung wie hochgradige Entzündungen der Speiseröhre, Blutungen, Verschlucken mit der Gefahr von Lungenentzündungen, Krebsvorstufen, Engstellen und Einklemmung des Magens im Zwerchfellbruch Indikationen für eine Operation. Diese werde heute fast immer minimalinvasiv mit kleinen Schnitten durchgeführt, was sehr viel schonender ist, als eine offene Operation. 

Was wird bei der Operation gemacht? 

Bei dieser Operation wird der Bauchraum zunächst mit einer Kamera auf andere Erkrankungen hin inspiziert. Dann wird der Zwerchfellbruch freigelegt, der Magen zurück in den Bauchraum geschoben und die Speiseröhre wieder gerade ausgerichtet. Anschließend wird der Zwerchfellbruch so verschlossen, dass die Speiseröhre noch bequem hindurchpasst und der Magen, dessen Haltebänder in der Regel durch das Hochrutschen ausgeleiert sind, im Bauchraum fixiert. Wenn das Gewebe um den Bruch herum zu instabil ist, wird es zusätzlich mit einem hauchdünnen Netz verstärkt.

Zum Abschluss stellen die Chirurgen noch ein neues Ventil her, das verhindert, dass Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigt, in dem sie eine Magenteil manschettenartig um die untere Speiseröhre legen und fixieren. Diese Manschette könne nur teilweise oder ganz um die Speiseröhre gelegt werden. Um zu entscheiden, bei wem welche Methode von Vorteil ist, dafür brauche es die Druckmessung der Speiseröhre vor der Operation. Diese Untersuchung allerdings, so Hermann-Josef Winkelmann, würde längst nicht überall gemacht, da sie von den Kassen nicht zusätzlich bezahlt wird. 

85 Prozent sind nach fünf Jahren sehr zufrieden 

Die Erfolgsaussichten einer solchen Operation schilderte der Chirurg so: Von den Patienten die in einem erfahrenen Refluxzentrum operiert wurden, sind fünf Jahre nach der Operation 85 Prozent gut bis sehr gut zufrieden. Bei 16 Prozent traten erneut Refluxbeschwerden auf. Dies in der Regel deshalb, weil eine generelle Bindegewebsschwäche damit ja nicht behoben wird. 

Von dem Einsatz eines Magnetrings um die Speiseröhre, für den momentan viel Werbung gemacht werde, halte er übrigens eher wenig. Der Grund: Die Patienten können danach nicht mehr per MRT untersucht werden, und eine so wichtige Untersuchung könne man nicht einfach ausschließen. Außerdem käme der Ring ohnehin nur bei kleinen Brüchen infrage.

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