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Hochleistungsorgan Niere: Wenn es nicht mehr funktioniert, ist eine Spenderneiere oft die letzte Rettung - oder die Dialyse.

Abendsprechstunde "Nierenschwäche"

Die Dosis macht das Gift

Neben Bluthochdruck und Diabetes führen auch falsch dosierte Medikamente und manche Erbfaktoren zu Nierenschwäche.

Unsere Nieren sind wahre Hochleistungsorgane: Unser gesamtes Blut, das sind rund 1800 Liter, fließt täglich rund 300 Mal durch sie hindurch und das Organ selbst enthält allein rund 20 bis 25 Prozent unseres Blutes. Doch die vielen kleinen Blutbahnen in den Nierenknötchen, in denen die Entgiftung stattfindet, sind auch gleichzeitig die Schwachstellen des Körpers. 

Was diese Schwachstelle ausmacht und wie Nierenschwäche therapiert wird, darüber sprach Nephrologie-Chefarzt Dr. Markus Schmidt vom Marien-Hospital bei der vom Medienhaus Bauer präsentierten Abendsprechstunde. So bedeute akutes Nierenversagen innerhalb von 48 Stunde, dass sich die Nierenleistung verschlechtere. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen erholen sich zwar davon. Dennoch tragen sie ein erhöhtes Risiko für Nierenleiden und sollten regelmäßig zur ärztlichen Kontrolle gehen. 

Lebensbedrohliches Nierenversagen

Lebensbedrohlich kann dagegen ein chronischer Nierenschaden verlaufen. Von ihm spricht man nach drei Monaten fortschreitenden Nierenversagens mit schlimmen Folgen, weil die harnpflichtigen Substanzen den Körper vergiften, Wasser sowie Salze nur unzureichend ausgeschieden werden und sich Ödeme bilden. Denn der komplette Mineralienhaushalt ist gestört. Neben Wasser lagern sich etwa Kalium, Kalzium und Phosphate an, die im schlimmsten Fall zu Gefäß- und Weichteilverkalkungen, Knochenerkrankungen, aber auch zu Herzrhythmusstörungen bis zum Tod führen können. Kennzeichnend ist oft auch die typische Blutarmut, Anämie genannt, sowie eine Knochenerweichung, auch als Erwachsenenrachitis bekannt, oder eine Übersäuerung des Blutes und Gicht als Folge, so Schmidt in seinem Vortrag.

 Doch welche Ursachen kann Nierenversagen haben, und sind die Leiden immer selbst gemacht, also Risiken damit vermeidbar? Laut Schmidt machen zwei große Krankheitsbilder mehr als 50 Prozent aller Nierengeschädigten aus. Neben Diabetes mellitus (rund 30 Prozent) ist vor allem Bluthochdruck für Nierenleiden verantwortlich.

Vorbeugen gegen die Schrumpfniere 

Die Verkalkung und damit Verengung der Blutgefäße betreffe laut Schmidt auch die Nierenknötchen, die in der Folge vernarbten und so irreparable Nierenschäden hervorriefen, etwa die Schrumpfniere, die mit sieben Zentimetern Größe rund fünf Zentimeter kleiner sei als ein normales Organ. 

Bei Diabetes wiederum sorge die erhöhte Eiweißausscheidung im Urin für Arteriosklerose der Gefäße und für eine vergrößerte Niere. Auch falsch dosierte Medikamente wie Diclofenac, Ibuprofen oder bestimmte Antibiotika sowie chronische Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Erbfaktoren können eine Nierenschwäche auslösen.

Auf optimale Trinkmenge achten

 Vorbeugen könne man durch Reduktion der Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol, eine korrekte Blutdruckeinstellung sowie durch salz-, eiweiß- und phosphatarme Kost. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten auf die optimale Trinkmenge achten. Pro Tag sollten es mindestens zwei Liter Flüssigkeitszufuhr sein. 

Aber Achtung: Herzinsuffiziente Patienten sowie die meisten Dialysepflichtigen dürfen dagegen nur sehr wenig trinken und sollten nierenschädigende Medikamente wie Antibiotika, jodhaltige Röntgenkontrastmittel und Immunsuppressiva meiden. Hier gelte: „Die Dosis macht das Gift.“

Nierenversagen: Blutreinigung und Dialyse

Nierenversagen, das assoziieren viele Menschen mit jahrelangem Warten auf ein Spenderorgan und Lebensqualität raubenden Dialysebehandlungen im Krankenhaus. Doch es gibt verschiedene Behandlungsoptionen, die Nephrologie-Chefarzt Dr. Markus Schmidt und Fachkrankenschwester Julia Nissing bei der Abendsprechstunde vorstellten.

 Bekannt sei etwa die Hämodialyse, ein Blutreinigungsverfahren, das dreimal wöchentlich mehrere Stunden dauert und laut Nissing entweder montags, mittwochs und freitags oder dienstags, donnerstags und samstags im Dialysezentrum Des Marien-Hospitals anstehe. In der Regel stehe ein Patiententransport dafür zur Verfügung.

Im Dialysezentrum oder zu Hause 

 Das Verfahren geschieht außerhalb des Körpers, die Patienten werden dazu an ein Dialysegerät angeschlossen. Überschüssiges Körperwasser und Schadstoffe werden so entfernt und das gereinigte Blut wird anschließend in den Körper zurückgeleitet. Der Vorteil: Die Therapie lässt sich leicht anpassen und der Patient braucht wenig Kenntnisse dafür. Allerdings ist er durch die Termine zeitlich stark gebunden und sei mitunter gestresst.“Angst haben muss man davor aber nicht“, betont Nissing, „wir sind hier wie eine zweite Familie und immer für Sie da.“ 

Alternativ gibt es die Heimdialyse, die Patienten von Zuhause aus übernehmen können. Dafür brauchen sie allerdings neben viel Platz für das Dialysegerät einen Strom und Wasseranschluss in der Nähe, sowie ein Telefon, um Rücksprache mit dem Dialysezentrum führen zu können und einen Partner, der die Behandlung begleitet. Diese startet laut Nissing im Dialysezentrum, wo Betroffene und ihre Angehörigen rund drei Monate lang lernen, mit dem Gerät, Besonderheiten während der Dialyse und möglichen Alarmen umzugehen. Nissing: „Erst wenn das ausreichend geschult ist, geht es nach Hause.“

Es geht auch ohne Dialyse-Gerät

Wer nicht an einem Dialysegerät angeschlossen werden möchte, kann eigenständig zuhause auch die Bauchfelldialyse schultern. Dafür wird ein Katheter in der unteren Bauchfellhöhle implantiert, über den die Dialyseflüssigkeit eingeführt und später abgelassen wird. Das setzt aber eine hohe Selbstständigkeit und Schulung des Betroffenen voraus und in seltenen Fällen kann es zu Infektionen wie einer Bauchfellentzündung kommen.

 Andererseits: „Eine selbst durchgeführte Behandlung wird immer besser akzeptiert, weil der Patient sich wissenstechnisch damit auseinandersetzt und er sie zuhause in angenehmer Atmosphäre macht“, so Schmidt. So schön eine zweite Familie auch sei, das könne sie nicht ersetzen.

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