+

Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin

Über eine Million Paare sind in Deutschland ungewollt kinderlos.[i] Um sich den Babywunsch zu erfüllen, nehmen einige von ihnen Hilfe durch Reproduktionsmedizin in Anspruch. Verfahren wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) können Fruchtbarkeitsstörungen entgegenwirken und zu einer Schwangerschaft verhelfen.

Doch die Erfolgsrate von Kinderwunschzentren in Deutschland ist oft geringer als in Nachbarländern wie Spanien oder Österreich. Woran kann das liegen?

Was ist Reproduktionsmedizin?

Es gibt viele Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit: Hormonelle Ursachen, anatomische Abweichungen der Eileiter oder der Gebärmutter sowie Endometriose (Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut) sind nur einige Beispiele für weibliche Komplikationen, die das Ausbleiben einer Schwangerschaft bewirken können. Der unerfüllte Kinderwunsch kann jedoch auch an einer Zeugungsunfähigkeit des Mannes liegen.

Für viele Ursachen einer ausbleibenden Schwangerschaft, hat die Reproduktionsmedizin eine Lösung. Welche Behandlungsmöglichkeit durchgeführt wird, ist individuell abhängig von den Patienten. Ist die Fruchtbarkeit des Mannes aufgrund einer verminderten Beweglichkeit der Spermien stark beeinträchtigt, wird in den meisten Fällen eine ICSI durchgeführt. Mit einer sehr feinen Nadel wird dazu ein Spermium direkt in die entnommene Eizelle der Frau eingeführt und danach in der Petrischale bei optimalen Bedingungen gelagert. Der Transfer des Embryos in die Gebärmutter erfolgt zwei, drei oder fünf Tage nach der Befruchtung.

Ist die Qualität der Spermien gut und liegt dem Besuch der Kinderwunschklinik die Anatomie der Frau zugrunde, wird häufig eine IVF durchgeführt. Die Spermien werden konzentriert und in einer Schale (in-vitro) zu der entnommenen Eizelle gegeben. Dort suchen sich die Spermien dann selbst den Weg in die Eizelle. Nach der Befruchtung wird der Embryo, genau wie bei der ICSI, in die Gebärmutter der Frau transferiert.

Richtlinien der Reproduktionsmedizin in Deutschland

Sobald es zu einer Befruchtung gekommen ist, wird bereits von einem Embryo gesprochen und das weitere Verfahren fällt unter das sogenannte Embryonenschutzgesetz. Dieses regelt, was mit dem erzeugten Embryo passiert und wie viele befruchtete Eizellen der Mutter eingesetzt werden dürfen. Hier herrscht eine „Dreierregel“ vor, die alle Kinderwunschzentren in Deutschland einhalten müssen:

  • Es dürfen maximal drei Embryonen der Mutter übertragen werden, um risikoreiche Mehrlingsschwangerschaften weitestgehend zu vermeiden.i Die künstliche Befruchtung darf nur der Herbeiführung einer Schwangerschaft dienen und nicht für andere Zwecke missbraucht werden
  • Es ist genau geregelt, welches Verfahren zur künstlichen Befruchtung angewandt werden darf.
  • Weiterhin gibt es Richtlinien, die verschiedene Herangehensweisen und Therapien verbietet. Darunter fallen zum Beispiel Leihmutterschaft, das Spenden von Eizellen, jegliche Art von Experimenten an Embryonen sowie das Klonen eines Embryos.

Vergleich der Kinderwunschzentren in Deutschland und Nachbarländern

Häufig wird behauptet, dass die Erfolgsraten der Reproduktionsmedizin im Ausland besser sind, doch trifft das auch wirklich zu? Tatsächlich sind die Richtlinien in Deutschland um einiges strenger als in anderen Ländern wie Spanien oder Österreich. Eine Möglichkeit, die zu einer höheren erfolgreichen Quote der künstlichen Befruchtung im Ausland beiträgt, ist der Blastozysten-Transfer. Als Blastozyste wird das Stadium des Embryos bezeichnet, das circa fünf Tage nach Befruchtung vorliegt. Weiter als bis zu diesem Zeitpunkt können sich die Embryonen nicht außerhalb der Mutter entwickeln.

Kinderwunschkliniken im Ausland dürfen mehrere befruchtete Eizellen in diesem Stadium untersuchen, die am besten entwickelten transferieren und die restlichen Blastozysten einfrieren. Falls die Schwangerschaft im ersten Verlauf missglückt, kann der zweite Versuch mit den tiefgefrorenen Embryonen stattfinden. Die Reproduktionsmedizin in Deutschland erlaubt zwar eine Kultivierung der Embryonen bis Tag fünf, allerdings ist keine Selektion der Blastozysten und keine Aufbewahrung erlaubt.

Weitere Gründe, warum kinderlose Paare sich oft für eine Behandlung im Ausland und gegen Kinderwunschzentren in Deutschland entscheiden, ist die Möglichkeit der Eizellspende. Gerade ältere Frauen über 40, die sich noch ein Baby wünschen, sind in vielen Fällen auf eine Eizelle einer anderen Frau angewiesen, da sie selbst nur noch zu wenig oder ungeeignete Eizellen produzieren. Genauso wie eine Leihmutterschaft, sind solche Verfahren in Deutschland nicht erlaubt. Betrachtet man jedoch lediglich die Verfahren, die sowohl die Reproduktionsmedizin in Deutschland als auch im Ausland erlaubt (IVF, ICSI), sind Schwangerschaften durch künstliche Befruchtung in Kinderwunschkliniken hier zu Lande genauso wahrscheinlich und geeignet, um den bestehenden Kinderwunsch zu erfüllen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Neue Details zur Schlägerei bei Fußballspiel, Arbeiter fällt tief in Herten, Prozess fortgesetzt
Neue Details zur Schlägerei bei Fußballspiel, Arbeiter fällt tief in Herten, Prozess fortgesetzt
Schwerer Unfall im Schacht - Sanitäter müssen sofort Verstärkung holen
Schwerer Unfall im Schacht - Sanitäter müssen sofort Verstärkung holen
Schlägerei bei Vinnum gegen SV Herta 23 - Polizei ermittelt Tatverdächtigen
Schlägerei bei Vinnum gegen SV Herta 23 - Polizei ermittelt Tatverdächtigen
Das "Wirxel-Haus" in Datteln steht im Internet zum Verkauf - treibt der Investor ein mieses Spiel? 
Das "Wirxel-Haus" in Datteln steht im Internet zum Verkauf - treibt der Investor ein mieses Spiel? 
Trickdiebe in Datteln? Anwohner im Beisenkamp fühlen sich durch Gaunerzinken verunsichert
Trickdiebe in Datteln? Anwohner im Beisenkamp fühlen sich durch Gaunerzinken verunsichert

Kommentare