Osteoporose vorbeugen: Bewegung und besonders Kraftrtraining helfen dabei.  
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Osteoporose vorbeugen: Bewegung und besonders Kraftrtraining helfen dabei.  

Abendsprechstunde "Osteoporose"

Wenn die Knochen brüchig werden

  • vonHeidi Meier
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Bei Frauen in den Wechseljahren ist sie gefürchtet, aber auch bei Männern ab 70 kommt sie gehäuft vor: Osteoporose. Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer war sie jetzt Thema.

Östrogenmangel, Inaktivität, das Alter, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel, bestimmte Medikamente (z. B. Kortison) und auch andere Erkrankungen wie z. B. Schilddrüsenüberfunktion oder Niereninsuffizienz – all das kann Ursache für Osteoporose sein. „Der Knochen ist ein lebendes Organ und wird lebenslang auf- und abgebaut“, erläuterte Dr. Mohammad Tezval, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Sporttraumatologie und Handchirurgie, bei unserer Abendsprechstunde im Recklinghäuser Knappschaftskrankenhaus.

Die Balance geht verloren - Knochen wird abgebaut

 „Bei Osteoporose geht die Balance zugunsten des Abbaus verloren.“ Das Resultat: Knochenschwund. Wobei man durch entsprechendes Training Knochen auch durchaus wieder aufbauen könne.

 Bestimmte Knochenareale, so Tezval, seien besonders anfällig für Osteoporose – an erster Stelle der Oberschenkelhals und die Lendenwirbel. In seinem äußerst anschaulichen Vortrag präsentierte er Fotos von beiden Knochentypen, die das Problem deutlich machten: Optisch sind sie einem fluffigen Schwamm sehr ähnlich. Geschuldet ist dies einem sehr feinen und engen Geflecht miteinander verbundener Knochenbalken. Wie ein Haus, bei dem man das tragende Gebälk beschädigt, fallen auch sie zusammen, wenn die Balken nicht mehr stützen, und werden sehr anfällig für Brüche.

 Sind Wirbel davon betroffen, was manchmal nur durch ein kurzes Ziehen im Rücken spürbar ist und daher längere Zeit nicht bemerkt wird, werden die Wirbel flacher – sie „sintern“ – und die Wirbelsäule immer krummer. Der sogenannte Witwenbuckel bezeichnet eben dieses Phänomen. 

Entsprechend den Richtlinien des Dachverbandes Osteologie empfiehlt auch Tezval, Frauen und Männer ab 70 Jahren auf Osteoporose zu untersuchen, wenn die bekannten Risikofaktoren vorliegen, auch deutlich früher. Dr. Tezval nannte hier unter anderem häufiges Stürzen, Immobilität, Rauchen, die Lungenerkrankung COPD, Untergewicht und Magersucht, erhöhten Alkoholkonsum, Hormon- und Rheuma-Erkrankungen. 

Kalzium, Vitamin D und viel Bewegung

Die Untersuchung müsse dann die Erhebung der Vorgeschichte inklusive eventueller Unfälle und Knochenbrüche, eine Röntgenuntersuchung, Laboruntersuchungen sowie eine Knochendichtemessung beinhalten. Die Messung der Knochendichte müsse dann nach einer gewissen Zeit der Behandlung wiederholt werden, um einen Vergleich zu haben.

 Als die Grundsätze der Osteoporosebehandlung stellte Dr. Tezval die Kombination von Ernährung mit 1000 mg Kalzium täglich sowie ausreichend Vitamin D, ausreichend Bewegung und Medikamenten, die entweder den Knochenanbau fördern oder den -abbau verhindern, vor. Gleichzeitig müssten Risikofaktoren so weit wie möglich beseitigt werden. Er nannte beispielhaft das Rauchen, das zu stoppen sei, und die Diabetes, die man gut einstellen müsse. 

Vorsicht mit Östrogenen

Der Fachmediziner warnte übrigens ausdrücklich davor, Osteoporose nach der Menopause mit der Gabe von Östrogenen zu bekämpfen. „Das hat man schon versucht. Und es hat auch gut gegen Osteoporose geholfen. Aber viele Frauen bekamen einen Herzinfarkt oder Brustkrebs. Östrogene sollten Sie nur nehmen, wenn es gar nicht anders geht.“ 

Behandlung und Vorbeugung

Grundsätzlich müssten Osteoporosepatienten alle Maßgaben befolgen, die auch der Vorbeugung von Osteoporose dienen: regelmäßige körperliche Aktivität (Tezval: „Je mehr man den Knochen quält, desto fester wird er.“), starkes Untergewicht vermeiden, ausreichend Vitamin D und Kalzium zu sich nehmen, Medikamente, die Osteoporose begünstigen, soweit wie möglich vermeiden, nicht rauchen und eine Diabetes gut einstellen.

Bewegung ist das Wichtigste

„Wer sich nicht bewegt, bekommt Osteoporose“. Mit dieser klaren Ansage leitete Christian Holz, Assistenzarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Sporttraumatologie und Handchirurgie des Klinikums Vest, bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer seinen Vortrag ein. Dazu gehöre Ausdauertraining (Holz: „Das kann auch eine Runde mit dem Fahrrad um den See sein.“ und Krafttraining („Das kann auch Schuften im Garten sein“.) 

Mit dem Blick auf Osteoporose sei es besonders wichtig, die Muskeln zu trainieren, damit der Halteapparat Stabilität bekommt, etwas für den Knochenaufbau zu tun, damit Knochen stabil bleiben oder werden, und sich um die Vorbeugung von Stürzen zu kümmern.

Krafttraining bis nah an die Grenze

 Ein optimales Training bei Osteoporose lege den Fokus – anders als es die meisten Fitnessstudios praktizierten – allerdings nicht auf Ausdauer, sondern auf Krafttraining, damit die Knochen einen Anreiz haben zu wachsen. Der Mediziner empfahl dreimal pro Woche ein Krafttraining, bei dem 70 bis 90 Prozent der Maximalkraft eingesetzt werden muss. Holz: „Ein guter Physiotherapeut oder ein gutes Fitnessstudio misst zu Beginn die Maximalkraft und begleitet dann die Übungen entsprechend.“ Dabei müsse man dann richtig was leisten und käme bei ausreichend Wiederholungen auch ordentlich ins Schwitzen.

 Positiv bewertete er auch den Einsatz von Vibrationsplatten, auf die man sich stellt und dabei evtl. auch verschiedene Übungen durchführt, während die Platte minimale Stöße auf das ganze Knochengerüst abgibt. Das fördere die Knochenstabilität. 

Zusätzlich sollten Osteoporosepatienten jeden Tag zu Hause etwas tun und, wenn der Rücken das mitmacht, durchaus auch das Heben der Wasserkiste nicht meiden. Holz: „Trauen Sie sich ruhig was zu. Kernig zu trainieren ist nichts Schlechtes.“

Bei Osteoporose können Knochen schneller brechen

Wer Osteoporose hat, dessen Knochen können leicht brechen. Manche Bereiche sind besonders häufig betroffen. Solche Brüche müssen häufig operiert werden – aber längst nicht immer.

Am häufigsten betroffen sind das Hüftgelenk, der Oberarmkopf, die Wirbelsäule, das Handgelenk und die Beckenknochen. Diese Brüche müssen behandelt werden – mit oder ohne Operation.

 Wie Dr. Akin Uzun, leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Sporttraumatologie und Handchirurgie des Klinikums Vest, bei unserer Abendsprechstunde betonte, ist bei jeder Form der Behandlung oberstes Ziel, die Mobilität des Patienten, wie er sie vor dem Bruch gewohnt war, wieder herzustellen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und die häusliche Versorgung zu sichern. 

Brüche in Nähe der Hüfte sind gefährlich

Wie gefährdet dieses Ziel zuweilen ist, veranschaulichte er anhand einer Statistik zu Brüchen im Bereich des Hüftgelenks: Innerhalb eines Jahres nach so einem Bruch versterben rund 20 Prozent der Patienten. Je länger man mit einer Operation wartet, desto höher ist diese Sterberate. Die Hälfte aller Patienten hat außerdem nach dem Bruch einen höheren Pflegegrad.

 Bei hüftgelenksnahen Brüchen ist eine Operation unausweichlich. Je nach Lage des Bruchs müssen eine Prothese (Oberschenkelhals) oder Nägel eingebracht werden, um das Gelenk wieder funktionsfähig zu machen. Wichtig, so Dr. Uzun, ist es, das Bein am Tag nach der Operation gleich wieder zu belasten.

Brüche an Oberarm, Wirbeln und Handlgelenk

 Alle anderen Brüche könne man auch ohne Operation behandeln, wenn sie nicht zu stark verschoben sind oder wenn ein erhöhtes Operationsrisiko vorliegt.

 Ist der Oberarmkopf gebrochen, kann der Arm mit einer speziellen Schlinge am Oberkörper befestigt und kurzfristig ruhig gestellt werden, bevor erste Bewegungsübungen einsetzen. Ist die Operation nötig, werden Schrauben und Platten eingesetzt und der Arm möglichst früh wieder bewegt, um eine Versteifung zu vermeiden. 

Bei Wirbelbrüchen, die auch ohne Unfall oder große Schmerzen auftreten können, kann laut Dr. Uzun oft mit Ruhigstellung durch einen Korsettverband behandelt werden.  Ist doch eine Operation angezeigt, weil der Bruch zu instabil oder das Schmerzniveau zu hoch ist, werden die Wirbelkörper wieder aufgerichtet und Hohlräume mit Zement verfüllt, was allerdings nur bei frischen Brüchen möglich ist. 

Gebrochene Handgelenke können entweder sechs Wochen ruhiggestellt oder mit Platten und Schrauben repariert und nur kurzfristig per Gipsverband ruhiggestellt werden. Und auch gebrochene Becken können konservativ geheilt oder mittels Schrauben bei einer Operation wieder stabilisiert werden. 

Frühzeitige Bewegung ist das A und O

Frühzeitige Bewegung, das betonte Dr. Uzun mehrfach, ist das A und O nach der Behandlung eines jeden Bruches. Unter entsprechender Schmerztherapie sei das fast immer sehr schnell, meist schon am Tag nach der Operation möglich und nötig. Physiotherapeuten helfen dabei, je nach individuellem Vermögen und je nach Operation das betroffene Körperteil wieder zu aktivieren, wie sein Kollege Christian Holz erläuterte. „Da werden Sie langsam aber sicher wieder auf Trab gebracht.

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