Abendsprechstunde "Gut durch die Nacht"

Wenn Beine keine Ruhe geben

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Acht bis zehn Prozent der älteren Männer und Frauen bekommen kaum Schlaf, weil sie in ihren Beinen, immer dann, wenn sie zur Ruhe kommen wollen, einen nicht zu bändigenden Bewegungsdrang spüren. Sie leiden unter dem Restless-Legs-Syndrom (RLS).

Begleitet oder auch verursacht wird RLS durch unbeschreibliche Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen, Hitze, Kälte, Jucken etc. Oftmals sind auch die Arme mit betroffen. Besonders schlimm wird‘s in der Nacht. Das Einzige, das hilft: Bewegung, manchmal auch Kühlung – beides aber immer nur für den Moment.

 Wie Dr. Thomas Günnewig, Chefarzt der Geriatrie / Neurologie des Elisabeth-Krankenhauses erläuterte, lassen sich diese Beschwerden durch keine andere Grunderkrankung erklären. Meist sind Ältere davon betroffen, aber auch Jüngere können es bekommen. Und Schwangere auch. Bei ihnen bessere es sich meist sofort, wenn sie Eisen bekommen, da Eisenmangel eine Ursache für Restless Legs sein könne.

können Ursachen sen

Für die Diagnose sei neben einer neurologischen Untersuchung die Blutuntersuchung besonders wichtig. Denn: Die Schilddrüse oder ein Mangel an Vitaminen oder Eisen können gut behandelbare Ursachen sein. Bei untypischen Fällen könne außerdem eine Untersuchung im Schlaflabor Sinn machen.

Bei gut 50 Prozent der Betroffenen haben unruhige Beine eine genetische Ursache, liegen quasi in der Familie. Aber auch andere Erkrankungen wie Nierenschwäche, Parkinson, Polyneuropathie, Arthritis oder eine Verengung des Lendenwirbelkanals können die Symptome auslösen. All das muss abgeklärt werden. 

Welche Medikamente werden eingenommen?

Wie Günnewig betonte, können viele Medikamente den Bewegungsdrang der Beine auslösen oder verstärken. Daher sollten Betroffene auch bei jeder Neuverordnung unbedingt die Verträglichkeit bei unruhigen Beine erfragen.

Behandelt werden, so der Facharzt, müssen Restless Legs dann, wenn der Patient es aufgrund seines Leidensdrucks will. Dopamin, ein Medikament aus der Parkinsonbehandlung, sei dann das Mittel der Wahl. „Damit kann es schlagartig aufhören.“ 

Allerdings komme es dabei sehr auf die richtige Sorte und den richtigen Einnahmezeitpunkt an. So sei bei Einschlafschwierigkeiten ein kurzfristig wirkendes Mittel eine Stunde vor dem Zubettgehen richtig, während es bei Durchschlafstörungen ein langsam wirkendes Präparat sein müsse. Diese Medikamente seien gut verträglich und lägen alle im Bereich einer Niedrigdosis, nicht vergleichbar mit der von Parkinsonkranken. 

Und was, wenn alles nichts hilft?

Wenn die normalen Restless-Legs-Medikamente mal nicht helfen oder anders wirken als erhofft, können nach den Ausführungen von Dr. Günnewig auch Schmerzmittel eingesetzt werden – allerdings nicht die ganz leichten. Opioide und Opiate müssten es dann schon sein. Und bezüglich ihres Lebensstils sollten Betroffenen dieses beachten: nicht zuviel, nicht zu spät und nicht zu mächtig essen, nicht zuviel und nicht zu wenig Sport treiben und auf Entspannungsübungen wie autogenes Training etc. verzichten. Die Verträglichkeit von Alkohol sei individuell verschieden. Grundsätzlich könne Alkohol die Unruhe der Beine aber verstärken.

Und dann sagte Dr. Günnewig noch ein paar deutliche Worte über die zahlreichen alternativen Heilmethoden, die zu Behandlung unruhiger Beine angeboten werden – Bioresonanztherapie, Homöopathie, Magnetfeldtherapie, Akupunktur und viele mehr: „Ihre Wirksamkeit ist nicht wissenschaftlich bewiesen. Je teurer die Therapien, die da angeboten werden, desto unsinniger sind sie.“

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