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Bis der Rettungsdienst übernimmt, kommt es auf die richtige Erste Hilfe an. 

Abendsprechstunde "Im Notfall"

Es kommt auf jede Sekunde an

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Bei einem Notfall ist es überlebenswichtig, dass Menschen beherzt handeln und dabei keine Zeit verlieren. Was dann wie zu tun ist, war Thema der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer im Klinikum Vest..

Eine Passantin bricht bewusstlos zusammen, der Ehemann windet sich plötzlich unter schmerzhaften Krämpfen in der Herzgegend, der Freund oder die Freundin kippt von der Leiter und bleibt liegen. – Erleben möchte das niemand, gleichwohl sollte jeder wissen, was in solchen Situationen zu tun ist. Im Zweifel kommt es jetzt auf jede Sekunde an, darauf, dass sofort das Richtige getan wird – und das ist durchaus mehr als den Notruf 112 abzusetzen. Denn bis der Rettungsdienst eintrifft, darf meist nicht einfach nur gewartet werden. 

Sehr eindringlich betonten dies die Fachmediziner des Recklinghäuser Knappschaftskrankenhauses bei unserer Abendsprechstunde.

Das Einmaleins der Ersten Hilfe

Das kleine Einmaleins der Ersten Hilfe für jeden erläuterte Sebastian Wiedemann, Oberarzt des Zentrums für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, anhand der Rettungskette, bei der jedes Glied ins andere greifen muss, wobei die ersten beiden Glieder in der Hand des Ersthelfers liegen. Er muss den Notfall erkennen (1.Glied) und etwas tun (2.Glied). Vorab appellierte er an die Besucherinnen und Besucher, einen Erste-Hilfe Kurs zu besuchen und sich bei aller nötigen Hilfsbereitschaft nicht selbst zu gefährden (Stichworte: Gas, Feuer, 4-spurige Autobahn). Dann listete er das Handwerkszeug der Ersten-Hilfe auf.

 Grundsätzlich:

 • Bleiben Sie ruhig.

 • Bleiben Sie bei dem Patienten.

 • Wirken Sie beruhigend auf ihn ein.

 • Lagern Sie den Patienten so, wie er es will.

 •Nehmen Sie Körper- kontakt auf.

 • Setzen Sie so früh wie möglich den Notruf 112 ab.

 • Rufen Sie nach Hilfe.

 • Helfen Sie dem Patienten bei der Einnahme von Me- dikamenten, die er regel- mäßig nehmen muss, suchen Sie aber nicht irgendetwas aus der Haus- apotheke zusammen.

Der Notruf 112:

Sagen Sie dem Rettungsdienst wo (Straße, Stadt, Etage) was passiert ist, wie viele Menschen betroffen sind, welche Verletzungen oder Symptome Sie beobachten. Bleiben Sie am Apparat, um weitere Fragen zu beantworten. Falls eine Wiederbelebung nötig ist, leitet der Retttungsdienst Sie auch weiter per Telefon an, solange, bis der Notarzt eingetroffen ist.

Ein Fremdkörper in den Atemwegen führt zu plötzlich einsetzender Atemnot -  adäquate Erste Hilfe kann lebensrettend sein:

 • Fordern Sie den Patienten auf, zu husten.

 • Geben Sie ihm fünf feste Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter.

 • Umfassen Sie ihn stehend von hinten auf Höhe des Oberbauchs. Ballen Sie eine Faust und legen Sie diese zwischen Nabel und Brustkorb. Greifen Sie mit der anderen Hand auf die Faust und ziehen fünf mal kräftig nach innen und oben.

 • Tritt keine Besserung ein, beginnen Sie wieder mit fünf Schlägen auf den Rücken.

 • Wiederholen Sie die Maßnahmen abwechselnd so lange, bis sich der Fremdkörper entfernen lässt oder die Rettungskräfte eintreffen.

 • Wird der Patient bewusstlos, muss die Herzdruckmassage einsetzen.

 Ein Mensch liegt scheinbar bewusstlos da:   Rettung mit Druck und Disco-Fox-Takt:

 • Sprechen Sie ihn an.

 • Reagiert er nicht, heben Sie sein Kinn an, beugen den Kopf nach hinten und prüfen Sie, ob er atmet (hebt sich der Brustkorb? Fühlt man den Atem an der Wange? Hört man ihn?) – Nur bei tiefen regelmäßigen Atemzügen handelt es sich um normale Atmung.

 • Ist er bewusstlos und atmet normal, drehen Sie ihn auf die Seite (Wiedemann: „Wie, ist total egal“), damit Erbrochenes ggf. abfließén kann. 

• Bei fehlender oder unnormaler Atmung ist einr Herzdruckmassage nötig. 

Die Herzdruckmassage zur Wiederbelebung:

 • Beugen Sie sich über den Patienten, legen Sie bei gestreckten Armen den Handballen der einen Hand in die Mitte des Brustkorbs und die andere Hand darauf.

 • Drücken Sie nun fest fünf bis sechs Zentimeter tief 100 mal in der Minute und zwar solange, bis der Rettungsdienst da ist. 100 mal drücken pro Minute, so Fachmediziner Wiedemann, erreicht, wer sich an dem Takt von gut tanzbarer Discofox-Musik orientiert. Wiedemann: „Staying Alive zum Beispiel – oder Highway to Hell“.

 • Wenn eine zweite Person dabei ist, wechseln Sie alle zwei Minuten, da das Ganze sehr anstrengend ist. „Keine Angst“, betonte Wiedemann mehrmals, „man kann nicht zu kräftig drücken, nur zu wenig. Sie können dem Menschen nicht schaden, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand wird er sterben, wenn Sie nichts tun.

Was tun, wenn das Herz zum Notfall wird?

Das Gefühl zu ersticken, der Brustkorb schnürt sich zu, jemand fällt um und ist bewusstlos – so beschrieb Prof. Dr. Frank Weidemann, Chefarzt der Kardiologie des Recklinghäuser Knappschaftskrankenhauses, bei unserer Abendsprechstunde einen klassischen kardiologischen Notfall, bei dem der Patient so schnell wie möglich in die Klinik muss.

 Ob ein Infarkt, eine Rhythmusstörung, Herzschwäche, eine Klappenveränderung oder eine Lungenembolie die Ursache ist, sei erst mal nicht entscheidend. Viel wichtiger sei, dass sofort geholfen wird. Ist der Puls zu tasten? Ist er sehr schnell und kräftig oder nur ganz schwach und langsam? Atmet der Patient? – Diese grundlegenden Dinge gilt es sofort zu checken.

Kein Puls - keine Atmung

Sind weder Puls noch Atmung vorhanden, muss alles sehr schnell gehen: zuerst den Rettungsdienst über 112 rufen und dann mit einer Herzdruckmassage reanimieren. Prof. Weidemann: „Man kann damit nicht warten und muss es versuchen. Dann heißt es drücken, drücken, drücken ...“ Falsch machen könne dabei nichts – außer nichts zu tun.

 Er appellierte an die Besucherinnen und Besucher auf Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Druck auf der Brust zu achten, sie ernst zu nehmen und zu handeln. „Alles was plötzlich neu auftritt, kann ein Notfall sein. Wenn Sie das Gefühl haben, es stimmt was nicht, fahren Sie in die Klinik.“ 

Gefahr: dauerhafte Herzschwäche

Wenn jemand zu spät dorthin kommt, bestehe die Gefahr, eine dauerhafte Herzschwäche, Nierenversagen oder neurologische Defizite davon zu tragen – und eben zu sterben. 

Nur 10 bis 20 Prozent der Patienten mit einem Herz-Kreislaufstillstand verlassen aktuell das Krankenhaus lebend, meist mit schweren Einschränkungen. Wer früh wiederbelebt wird, dessen Chance ist zwei- bis dreimal so hoch.

Schlaganfall: Höchste Eile ist geboten

Die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit und die dritthäufigste Todesursache ist der Schlaganfall, bei dem ein Blutgefäß im Gehirn verstopft. Wird es nicht innerhalb von viereinhalb Stunden wieder geöffnet, gehen die von diesem Gefäß eigentlich versorgten Hirnareale unwiederbringlich verloren, alles was sie gesteuert haben, funktioniert nicht mehr. Es ist also höchste Eile geboten, wenn Schlaganfallsymptome bemerkt werden, betonte Dr. Mariam Paulat, Oberärztin der Neurologie und Stroke Unit am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, bei unserer Abendsprechstunde und listete diese Symptome auf:

 Sprechstörungen (z.B. wie betrunken lallen), Sprachstörungen (z.B. falsche Wörter benutzen oder nicht sprechen können), Lähmungserscheinungen (zum Test beide Arme ausstrecken – sinkt einer nach unten oder dreht sich, ist Eile geboten – oder mit einem Finger die Nase berühren), Schwindel, Erbrechen, hängender Mundwinkel, Sehstörungen. Wenn derartige Symptome ganz plötzlich auftreten, sollten Sie sofort die 112 wählen. Ebenso wenn Sie plötzlich ein niegekannter Kopfschmerz „wie ein Donnerschlag“ überfällt. Dr. Paulat: „Dann kann ein Gefäß geplatzt sein.“

Symptome erkennen und 112 rufen

Wichtig für die Erste Hilfe ist es, die Symptome zu erkennen und sofort die 112 zu rufen. Dr. Paulat: „Gehen Sie nicht erst mal zur Nachbarin, um die zu fragen, was sie darüber denkt, und kochen Sie auch nicht erst das Süppchen zu Ende.“

Dies gelte im Übrigen auch für den Fall, dass die Symptome wieder verschwinden. Sie können der Vorbote für einen richtigen Schlaganfall sein und damit ebenfalls ein Notfall, der keinen Aufschub duldet. Je früher die Behandlung im Krankenhaus einsetzt, so Dr. Paulat, desto größer sei die Chance, den Patienten komplett zu heilen. Ein frühes Eingreifen verhindere außerdem zu 80 Prozent einen weiteren Schlaganfall.

Bis der Rettungsdienst eintrifft ...

... sollten Ersthelfer den Patienten beruhigen, ihn hinlegen und es ihm gemütlich machen. Wichtig für die Klinik sei es zu erfahren, ob der Patient Blutverdünner einnimmt. Denn dann könne eine Lysetherapie, mit der in der Klinik Blutgerinnsel im Gehirn per Infusion aufgelöst werden können, nämlich gefährlich sein. Neben der Lysetherapie gibt es außerdem die Möglichkeit, das Gerinnsel mittels Katheter herauszuziehen.

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