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Wenn die Haare einer Krankheit oder einer Chemotherapie zum Opfer gefallen sind, kann eine Perücke die natürlich Haarpracht ersetzen.

Abendsprechstunde "Haarausfall"

Wenn Östrogene oder eine Chemo Haare kosten

Bei typisch weiblichem Haarausfall helfen Hormone oder Geduld.

Auch, wenn sie Gynäkologin ist – mit Haarausfall hat Claudia Held, die ärztliche Leiterin der Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums Vest, täglich zu tun. So sprach sie denn auch bei unserer Abendsprechstunde ausführlich über den frauentypischen Haarverlust, für den so gut wie immer – wie bei den Männern auch – das Hormon Östrogen verantwortlich ist. Oder eine Chemotherapie.

Die Pille, männliche und weibliche Hormone haben Einfluss auf die Haare

 Stichwort Pille: Unter der Pille, so Claudia Held, komme Haarausfall selten vor, und wenn, dann sei er in der Regel durch einen Wechsel der Pille oder zusätzliches Östrogen zu stoppen. Nach Absetzen der Pille sei er ein recht häufiges Phänomen. Der Körper müsse sich halt erst wieder umstellen, die Patientin nur etwas Geduld haben. Ähnliches gilt für die Schwangerschaft. Zwei bis drei Monate danach, wenn der hohe Östrogenspiegel, der neun Monate lang für kräftiges Haar sorgte, gesunken ist, fallen die Haare aus. Gefragt ist auch hier: Geduld. Das wird wieder.

 Verantwortlich sein kann aber auch ohne dem ein Ungleichgewicht von männlichem und weiblichem Hormon. Zuviel Testosteron beschere typisch männliches schütteres Haar. Gerade bei jüngeren Frauen könne man das durch Hormongaben regulieren. Ebenso wenn durch eine Schilddrüsenunterfunktion die Haare stumpf, trocken und brüchig werden oder durch eine Überfunktion der Schilddrüse schütter.

Wechseljahre: Hormoneinnahme sorgfältig abwägen

 Wenn sich Haarverlust als Phänomen der Wechseljahre einstellt, rät Held allerdings zur Vorsicht mit Hormongaben. Man müsse den Haarwuchs sorgfältig gegen die Nebenwirkungen abwägen. Sie rät, es erst mal mit anderen Mitteln, wie Minoxidil, das auf die Kopfhaut aufgetragen wird, zu versuchen.

 Ganz anders gelagert ist der Fall, wenn die Haare durch eine Chemotherapie ausgehen, was übrigens nicht bei jeder Chemotherapie der Fall sei. Das Zellgift, das die Teilung der Krebszellen verhindert, trifft alle Zellen, die sich in der Teilung befinden, und so gehen sieben bis 14 Tage nach Beginn der Therapie die Haare aus. Ob auch die Augenbrauen und Wimpern betroffen sind, sei individuell verschieden. 

Kühlkappen bringen nur mäßigen Erfolg

 Um den Haarausfall zu verhindern, gibt es Kühlkappen, die die Frauen während der Chemotherapie aufsetzen können. Durch Minustemperaturen legen sie die Haarzellen in den Schlaf. Held: „Wenn Frauen das wollen, gehen wir den Weg mit. Es hat gewisse Effekte, aber die volle Haarpracht bleibt nicht erhalten, es gibt Lücken.“

 Der einzige „Trost“, den sie betroffenen Frauen mit auf den Weg geben könne: „Jede Chemotherapie hat ein Ende, und danach wachsen die Haare aus frischen, jungen Zellen meist kräftiger nach als vorher.“ Manche Frauen hätten danach eine andere Haarfarbe, viele auch Locken.

Passender Haarersatz für jedes Problem

Männliche Kahlköpfe gelten als schick und gehören zum Straßenbild, und so lässt sich mancher von Haarausfall Betroffene den Kopf gleich ganz rasieren. Andere lassen sich Haare verpflanzen, um Geheimratsecken und eine höher werdende Stirn zu kaschieren – was übrigens beim Profi um die 14.000 Euro kosten kann. – Lösungen, die für Frauen meist nicht infrage kommen. Perücke tragen ist hier das Stichwort.

 Bei unserer Abendsprechstunde informierten die Perückenmacher-Meister Vera und Nils Rieswick darüber, welche Möglichkeiten der künstliche Haarersatz bietet. Unterstützt wurden sie dabei von zwei mutigen Frauen. Die eine trägt seit 23 Jahren Perücken, weil ihre Haare nach zwei Chemotherapien nicht mehr zufriedenstellend nachgewachsen sind, der anderen hat ein krankhafter Haarausfall die natürliche Kopfbedeckung geraubt. Beide führten hier vor, was moderne Perücken zu bieten haben – und die Zuschauer staunten. Dass es sich um Perücken handelt, ist – egal bei welchem Modell und welcher Frisur – nicht zu erkennen, ja, selbst der Haaransatz wirkt echt und muss nicht mehr mit einem Pony kaschiert werden.

Lösungen auch für kahle Stellen

 Clevere Lösungen gibt es für Frauen (und Männer), denen nur stellenweise Haare fehlen. Hier können Haarteile so integriert werden, dass es niemandem auffällt. Sie werden mit einem medizinischen Kleber aufgeklebt. 

Frauen, denen die Haare durch eine Chemotherapie abhanden gekommen sind, empfehlen die Fachleute Perücken aus Kunsthaar. Die brauchen nur aufgesetzt zu werden, und die Frisur sitzt. Bei Echthaar hingegen mus gestylt und geföhnt werden. Daher sind es meist Frauen, die dauerhaft Perücke tragen müssen, die sich für Echthaar entscheiden.

Echthaar oder Kunsthaar?

 Mit einer Kunsthaarperücke, so Vera Rieswick, könne man allerdings nicht schwimmen oder in die Sauna oder ins Solarium gehen. Aber es gäbe auch dafür Lösungen: z.B. ein Käppi mit Haarkranz in der Perückenfarbe. 300 bis 600 Euro kostet so eine Kunsthaarperücke. Echthaarperücken schlagen mit 2850 bis 4500 Euro zu Buche. 

Was die Perückenmeister betonten: Es gibt für jedes Haarproblem einen passenden Ersatz. Und: Wenn ein Arzt den Haarausfall als krankhaft diagnostiziert hat, könne er eine Verordnung für einen Haarersatz ausstellen. Der gelte dann nämlich als Heil- und Hilfsmittel und sei von der Kasse zu bezahlen.

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