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Sodbrennen und saures Aufstoßen sind nicht nur unangenehm, dahinter kann die Refluxkrankheit stecken. Bei unserer Abendspürechstunde war sie das Thema.

Abendsprechstunde "Refluxkrankheit"

Wenn die Speiseröhre brennt

Häufiges Sodbrennen und saueres Aufstoßen deuten auf die Refluxkrankheit hin. Bei unserer Abendsprechstunde erklärten Fachmediziner, was zu tun ist. 

Saures Aufstoßen, Sodbrennen – viele Menschen kennen diese Symptome, wenn Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt, als Episoden, die ab und zu eben mal vorkommen. Treten die unangenehmen Beschwerden zweimal oder öfter pro Woche auf und/oder führen zu Komplikationen, spricht man von der Refluxkrankheit.

Mehr Übergewichtige - mehr Refkluxkranke

Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer mit Fachmedizinern des Recklinghäuser Elisabeth-Krankenhauses am vergangenen Montag im Fritz-Husemann-Haus erläuterte Wecheslaw Rosok, Oberarzt der Inneren Medizin, diese Erkrankung, von der an die 20 Prozent der Bevölkerung weltweit betroffen ist, ausführlich. „In den letzten Jahren nehmen die Zahlen übrigens deutlich zu, weil es immer mehr Menschen mit Übergewicht gibt“, betonte er gleich zu Beginn eine der Ursachen für den Reflux. Auch wenn 60 Prozent der Menschen mit einer Refluxkrankheit keine sichtbaren Entzündungen oder Veränderungen der Speiseröhre haben, ist die Krankheit nicht nur eine lästige Bagatelle. 

Nicht nur die Speiseröhre leidet unter Reflux 

Es kann zu Entzündungen kommen, die bei längerer Dauer Narben und eine Verengung der Speiseröhre bewirken, zu Blutungen und zur Bildung einer sogenannten Barrettschleimhaut. Die Schleimhaut passt sich dabei den Entzündungen an und verändert sich zu einer Art Darmschleimhaut, in der sich wiederum Tumore ausbilden können. Bei der Hälfte aller Refluxpatienten, so Rosok, sind saures Aufstoßen und Sodbrennen das Leitsymptom (wobei bei Sodbrennen unbedingt durch ein EKG abgeklärt werden sollte, ob es sich nicht um ein Herzproblem handelt), die andere Hälfte klagt zunächst über ein Kloßgefühl im Hals, Schluckbeschwerden, Übelkeit oder Oberbauchschmerzen. Und auch eine ganze Reihe Symptome außerhalb der Speiseröhre listete Rosok auf: Kehlkopfentzündungen, Zahnschäden, Nasennebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen, chronischen Husten, Asthma, Schlafstörungen. Das Problem: All diese Dinge können Ausdruck einer ganz anderen Krankheiten sein, was die eindeutige Diagnose Reflux erschwert.

Die Auslöser für einen Reflux sind vielfältig

 Entstehen kann eine Refluxerkrankung durch ganz unterschiedliche Gründe: Zu wenig Speichel, der die Magensäure verdünnt und auch eine reinigende Funktion hat, was, so Rosok, besonders bei Rauchern der Fall sei, ist einer davon. Bewegungsstörungen der Speiseröhre, ein zu schwacher Magenverschluss, ein zu niedriger Druck auf den Speiseröhren-Schließmuskel durch einen Zwerchfellbruch oder auch ein gehäuftes Erschlaffen des Speiseröhrenschließmuskels, was besonders bei Schlafstörungen und bei Stress auftritt, sind weitere. Und schließlich kann der Druck im Bauch zu hoch sein – durch „Überfressen“, Übergewicht, eine verzögerte Magenentleerung und in der Schwangerschaft durch das wachsende Baby sowie durch die Hormone, die für eine Muskelerschlaffung sorgen. Und auch Medikamente wie Blutdruck-, Herz- und Asthmamittel, Psychopharmaka, die Pille und Pfefferminzöl können einen Reflux fördern. 

Was Betroffene selbst tun können

Wer unter einem Reflux leidet, kann schon durch seinen Lebensstil und die Vermeidung einiger Lebensmittel viel tun, um die Beschwerden zu lindern. Das betonte Wecheslaw Rosok, Oberarzt der Inneren Medizin des Recklinghäuser Elisabeth-Krankenhauses, bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer. Vermeiden sollten Refluxerkrankte Zitrusfrüchte, Tomaten, Zwiebeln und scharfe Speisen, empfahl Rosok. Darüber hinaus könne es aber auch ganz individuelle Lebensmittel geben, die den Reflux auslösen und daher vom Speisezettel verschwinden sollten. Außerdem zu meiden seien fette und frittierte Speisen, da sie länger im Magen bleiben und so auf den Mageneingang drücken. Außerdem Kaffee, schwarzer Tee, Cola, Red Bull sowie Schokolade und Pfefferminz. Wer unter Reflux leidet, sollte laut Rosok das Rauchen einstellen, Übergewicht abbauen und Alkohol reduzieren. Rosok gab hier noch den Hinweis, dass laut einer neueren Studie Weißwein Reflux mehr begünstigt als Rotwein. Vermeiden sollte man auch enge Kleidung und gebückte Haltungen. Der Fachmediziner empfahl außerdem, über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, drei Stunden vor dem Schlafen nichts mehr zu essen, einen Abendspaziergang zu machen und das Kopfende des Bettes anzuheben – z.B. durch ein zweites Kissen oder auch sogenannte Refluxkissen.

PPI ist das Reflux-Medikament 

Es gibt eine Reihe von Medikamenten zur Behandlung des Reflux. Rosok führte Säure neutralisierende Präparate auf, die er als „gut für zwischendurch, aber nichts für die Dauer“ beschrieb, Präparate, die die Beweglichkeit der Speiseröhre fördern und solche, die den Verschluss des Mageneingangs verbessern, die beide aber müde machen. Das Standardmedikament bei Refluxerkrankung seien allerdings Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), Arzneistoffe, die die Bildung von Magensäure unterdrücken. Facharzt Rosok betonte deren gute Wirkung in 83 Prozent der Fälle. Zu 90 Prozent heilten mit PPI Entzündungen ab, langfristig symptomfrei wären mit PPI allerdings nur 40 Prozent der Patienten. Linderung erlebten aber auch sie.

Empfehlung: PPI in Step-Down-Therapie 

 Indes, er verschwieg auch die Nebenwirkungen nicht: Die Kalziumaufnahme werde unter PPI vermindert, was Hüftfrakturen begünstige. Das Risiko verdreifache sich bei dauerhafter Einnahme von PPI. Durch die verminderte Magensäure würden auch weniger Bakterien getötet, die nun Darmerkrankungen auslösen könnten, und auch Magenschleimhautentzündungen gehörten dazu. Oberarzt Rosok sprach sich daher für eine sogenannte Step-Down-Therapie mit PPI aus. Dabei wird zu Beginn eine hohe Dosis PPI gegeben, damit der Patient schnell beschwerdefrei wird, und dann schrittweise auf die niedrigst wirksame Dosierung herunter gegangen. Nach acht Wochen müsse PPI dann abgesetzt werden und sollte, wenn nötig, nur noch im Bedarfsfall eingesetzt werden. „Und wenn man mit Medikamente nicht weiterkommt oder sie gar nicht helfen“, so Wecheslaw Rosok, „dann gibt es noch den Chirurgen.“

Manchmal hilft nur eine Operation

„Viele Reflux-Patienten werden glücklich mit Medikamenten, andere aber nicht“, konstatierte Bernd Klier, kommissarischer Leiter der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Recklinghäuser Elisabeth-Krankenhauses, bei unserer Abendsprechstunde. „Sie müssen oder möchten sich operieren lassen, weil sie unter Nebenwirkungen leiden oder ihre Symptome nicht weggehen oder weil sie nicht lebenslang Medikamente einnehmen wollen.“ Ihnen kann der Chirurg mit einer Operation helfen, wenn die Ursache Ihrer Krankheit ein Bruch des Zwerchfells ist, durch den das Loch, durch das die Speiseröhre vom Magen aus durch diese Zwischendecke zwischen Bauch- und Brustraum tritt, stark vergrößert ist. Dann nämlich rutscht der Magen bzw. ein Teil davon durch dieses Loch in den Brustraum, der Verschluss des Magens funktioniert nicht mehr und verursacht den Rückfluss der Magensäure – nicht bei allen aber eben bei vielen. Klier betonte ausdrücklich, dass vor einer solchen Operation zweifelsfrei geklärt sein muss, dass es sich um einen Reflux handelt – und nicht um eine andere Erkrankung, was manches Mal gar nicht so einfach sei. 

Ziel: Volle Funktion des Speiseröhren-Schließmuskels 

Ziel der Operation sei die Wiederherstellung der Funktion: Der Schluckakt soll danach ungestört sein und ein Rückfluss verhindert werden während Gase entweichen können und auch ein Erbrechen möglich ist. Eine Operation beseitige die Ursachen, während Medikamente nur die Säure vermindern. Bei dieser minimalinvasiven Operation wird zunächst das Loch im Zwerchfell zugenäht, „damit der Magen bleibt, wo er hingehört“. Anschließend wird der Reflux beseitigt. Dazu werden Anteile der Magenwand in Form einer Manschette um den unteren Teil der Speiseröhre genäht. Diese unterstützt dann den Schließmuskel durch den entstehenden Druck bei Füllung des Magens. Wie Klier betonte, wird diese Manschette so locker angelegt, dass Aufstoßen und Erbrechen weiter möglich sind. Er bezeichnete dieses Verfahren als sehr effektiv mit sehr geringen Nebenwirkungen.  Er erwähnte außerdem die Möglichkeit, nur eine Teilmanschette zu formen, was aber nur einen geringen Unterschied mache und letztlich eine Frage des vom Chirurgen bevorzugten Verfahrens sei. 

Magnetische Ringe und Muskelschrittmacher

Außerdem beschrieb er neuere Verfahren, die die Schwelle zur Operation noch einmal senken. Noch sehr in den Anfängen sei der Einsatz von Muskelschrittmachern. In dazu qualifizierten Zentren würden außerdem aber Ringe aus magnetischen Titankugeln, die innen durch einen Draht verbunden sind, um den Speiseröhrenausgang gelegt, um ein Rückfließen der Magensäure zu verhindern. Bernd Klier: „Der Vorteil ist, man kann sie auch wieder ausbauen, der Nachteil, dass man nur bis zu einer bestimmten Magnetfeldstärke ins MRT kann.“

Risiken der Operation

Und auch bei Operationen gilt: Es kann Komplikationen geben. Neben den allgemeinen Risiken jeder Operation nannte der Chirurg diese: Es kann zu Schluckstörungen kommen, es kann misslingen, ein Erbrechen und ein Ablassen von Gasen zu ermöglichen, der Reflux kann wiederkommen, die Manschette in den Bauchraum wandern oder aufgehen. Wichtig sei es, das Behandlungsverfahren an den Verhältnissen des Patienten auszurichten und ihm einen „Maßanzug“ zu verpassen. Dann, so Klier, seien die Operationsverfahren effektiv – wenn die Diagnose stimmt.

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