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Schlafprobleme? - Erholsamen Schlaf kann man erlernen.

Abendsprechstunde "Gut durch die Nacht"

Über Schlafräuber und ihre Gegner

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Recklinghausen. Unruhige Beine, Harndrang Schlafprobleme  Bei der Abendsprechstunde sagen Fachmediziner, was man dagegen tun kann.  

Wer nachts nicht gut schläft, fühlt sich am Tag wie gerädert, ist schlapp und unkonzentriert. Schlafstörungen, Harndrang und unruhige Beine sind häufige Ursachen für wenig erholsame Nächte. Bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer mit Fachmedizinern des Elisabeth-Krankenhauses Recklinghausen am vergangenen Montag im  Bürgerhaus Süd standen sie im Fokus 

Über die Feinde Schlafes

Hätten Sie das gewusst? – Vom 40. bis zum 70. Lebensjahr sinkt die Schlafdauer alle zehn Jahre um zehn Minuten pro Nacht. Auch die Zeit zum Einschlafen erhöht sich, der erholsame Tiefschlafanteil sinkt, der leichte Schlaf nimmt zu und ist leichter zu stören. Und auch Schlafperioden tagsüber nehmen im Alter zu. Aber: Die Gesamtschlafzeit bleibt gleich und Schlaf am Tag verkürzt den Schlaf in der Nacht.

 Mit diesen Fakten leitete Dr. Thomas Günnewig, Chefarzt der Geriatrie / Neurologie des Recklinghäuser Elisabeth-Krankenhauses, bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer seine Ausführungen zum Thema Schlafstörungen ein. Nicht ohne Augenzwinkern in Richtung all derjenigen, die sich mittags auf ein Schläfchen hinlegen und am nächsten Tag über die ach so kurze Nacht klagen.

Drei Kriterien für Schlafstörungen

Um von Schlafstörungen zu sprechen, müssten drei Kriterien erfüllt sein: die ausreichende Möglichkeit, schlafen zu können, Probleme mit dem Nachtschlaf und ungünstige Auswirkungen auf die Tagesbefindlichkeit mit Müdigkeit bis hin zu Einschlafattacken, Konzentrations- und Leistungsmangel sowie psychischen Symptomen wie z.B. Gereiztheit und Antriebslosigkeit. Und dagegen sollte man etwas tun.

Denn: Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Depressionen und Angststörungen und können die Leistungsfähigkeit im Alltag erheblich einschränken. Unterscheiden müsse man zwischen Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie Früherwachen. (Übrigens: Alkohol, so Günnewig, lässt zwar besser einschlafen, stört aber das Durchschlafen).

Schlafstörungen kann man erlernen

Es gebe aber auch eine erlernte Schlafstörung, bei der man sich in der Erwartung, wieder nicht richtig schlafen zu können, in eine ärgerliche Erregung versetzt, die dann auch tatsächlich das Einschlafen verhindert. Auch übertriebene Anstrengungen einzuschlafen täten das. Günnewig sprach von falschen Erwartungen an den Schlaf und von Menschen, die ins Bett gehen, ohne müde zu sein, einfach weil es angeblich Zeit ist.

 „Und wenn sie dann nicht einschlafen können, greifen sie zur Schlaftablette.“ Der Mediziner riet ihnen: „Gehen Sie nicht ins Bett, wenn Sie nicht müde sind, tun Sie etwas, was Freude macht, bis sie tatsächlich müde sind.“ Es gebe aber auch eine ganze Reihe von Medikamenten, die den Schlaf verhindern, weswegen ein Gespräch mit dem Hausarzt hilfreich sein kann. Und wenn es Erkrankungen gibt, die die Schlafstörung auslösen, sollten diese behandelt werden. 

Tee und Baldrian statt Schlaftabletten

Schlaftabletten hingegen, so Günnewig, seien nur selten wirklich nötig und grundsätzlich ohnehin keine Dauerlösung. Alle Schlaftabletten in Deutschland seien nur für eine Einnahme über maximal vier Wochen zugelassen und sollten in dieser Zeit auch nicht täglich genommen werden. Das gelte auch für die rezeptfreien Varianten. Er betonte ausdrücklich die Risiken von Schlaftabletten: Müdigkeit am nächsten Tag, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen bis hin zur Verwirrtheit sowie erhöhte Sturzgefahr. 

Er empfahl stattdessen, einen warmen Tee in einem Ritual, das zur Ruhe kommen lässt, zu trinken. Auch Baldrian oder Passionsblume könnten helfen.

Handy und Computer sind Schlafzerstörer

 Als regelrechte Schlafzerstörer bezeichnete er Smartphones und Computer. Ihr blaues Bildschirmlicht senke den Melatoninspiegel (Schlafhormon), und im Internet surfen, E-Mails checken und Nachrichten schreiben erhöhe die geistig-emotionale Aktivität. Anspannung sei aber der Feind des Schlafes.

Empfehlungen für erholsamen Schlaf

Seine Empfehlung an alle, deren Schlaf nicht durch Erkrankungen oder Medikamente gestört ist: Korrigieren Sie Ihre Schlaferwartung. Der gesunde Deutsche braucht im Schnitt nur sechs bis sieben Stunden Schlaf. Sorgen Sie für die richtige Schlafhygiene mit einer ruhigen Schlafumgebung, ausreichend Bewegung am Tag, nur leichten Mahlzeiten und ohne Grübeleien oder Ärger am Abend und ziehen Sie diszipliniert ein vierwöchiges Einschlaftraining (siehe unten) durch. Dr. Günnewig: „Das wirkt nachweislich, wird aber nicht im Fernsehen oder der Fernsehzeitung beworben, weil man damit kein Geld verdienen kann.“

Einschlaftraining

• Hauptregel: Das Bett wird nur zum Schlafen oder für Sex benutzt und nur bei Müdigkeit aufgesucht.

 • Kein Schlaf nach ca. 15 Minuten? – Das Bett wird verlassen und in einem anderen Raum nicht-stimulierende Tätigkeiten verrichtet, bis sich Müdigkeit einstellt.

 • Dieser Zyklus wird so oft wie nötig wiederholt.

 • Der Aufstehzeitpunkt am Morgen wird festgelegt und immer eingehalten!

 • Auf Schlaf tagsüber ist zu verzichten.

 • Das Training wird mindestens vier Wochen durchgehalten.

 • Bettlägerige setzen sich bei Schlaflosigkeit – statt aufzustehen – im Bett auf und lenken sich mit leichter Tätigkeit ab (lesen, Musik hören oder fernsehen) bis unmittelbares Einschlafen erwartet wird; dann Licht ausschalten, hinlegen und versuchen, einzuschlafen. Diesen Zyklus ggf. wiederholen.

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