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Senioren im Straßenverkehr.

Abendsprechstunde "Fahrtüchtigkeit im Alter"

Wann sollte ich meinen Führerschein besser abgeben?

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Wie lange geht das noch gut? Das Auto fahren? Diese Frage stellen sich nicht nur manche betagten Fahrer, sondern auch Angehörige. Informationen dazu gab es in der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer.

Sich uneingeschränkt mit dem eigenen Auto fortbewegen zu können, bedeutet für viele Menschen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Was aber, wenn das Alter und Erkrankungen darauf hindeuten, den Führerschein abgeben zu müssen? 

Zwei Medizin-Experten präsentierten zum Thema „Fahrtüchtigkeit im Alter“ bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer im St. Laurentius-Stift Waltrop viel Wissenswertes. Den Zuhörern stellte der dortige Chefarzt der Geriatrie, Dr. Christoph Runde in einem kurzen Abriss die Begutachtungs-Leitlinien vor. Die helfen den Begutachtenden, die Kraftfahreignung von Fahrerlaubnisbewerbern oder -inhabern zu beurteilen: So sollten unter anderem Patienten mit starkem Bluthochdruck, direkt nach einem Herzinfarkt oder mit Herzleistungsschwächen in der Regel kein Auto fahren. Jeder Arzt ist dazu verpflichtet, seinen Patienten entsprechend aufzuklären. 

Zeigt sich dieser beratungsresistent, muss der Mediziner zwischen dem Recht auf individueller Mobilität seines Patienten und einer möglichen Gefährdung Dritter genau abwägen. In Fällen akuter Gefahr darf er seine Schweigepflicht brechen und den Patienten der entsprechenden Aufsichtsbehörde melden. 

Wie beweglich ist eigentlich Ihr Nacken?

Regelmäßige Untersuchungen bei gesundheitlichen Einschränkungen sind erforderlich, die Therapietreue ist eine wichtige Voraussetzung, damit das Autofahren noch möglichst lange klappt. 

Runde stellte klar: „Sicheres Autofahren ist eine Frage des persönlichen Gesundheitszustands, nicht des Alters.“ Jedoch schlichen sich oft mit zunehmendem Altem unbemerkt Beeinträchtigungen ein, welche sich negativ auf die Fahrtüchtigkeit auswirken könnten. Auch die Einnahme von Medikamenten beeinträchtigt die sichere Teilnahme am Straßenverkehr. 

Der Screening-Check „Screemo“ lässt den Arzt erkennen, wie fahrtüchtig sein Patient noch sei. Der Test umfasse unter anderem Untersuchungen zur Sehkraft, Motorik und Beweglichkeit sowie zur Reaktionsgeschwindigkeit und zur kognitiven Leistungsfähigkeit. So ist zum Beispiel die Beweglichkeit des Nackens beim Überholen, Abbiegen oder während des Rückwärtsfahrens unverzichtbar. 

Sie wird mit einem Nackenrotations-Test überprüft: Der Patient wird gebeten, den Nacken soweit zu drehen, dass er einen Zettel, der hinter ihm befestigt ist, lesen kann. Mithilfe des Uhrentests dagegen lassen sich kognitive Beeinträchtigungen aufgrund demenzieller Veränderungen erkennen. 

Viele Fahrer nehmen sich freiwillig zurück 

Das Thema „Demenz und Autofahren“ griff Chefärztin Dr. Katrin Bennemann in ihrem Vortrag weiter auf. Die demografische Entwicklung mache deutlich, dass es immer mehr ältere Menschen gebe. Im Jahr 2025 werden mehr als 80 Prozent der Frauen und mehr als 90 Prozent der Männer noch einen Führerschein besitzen. Die Mehrzahl der Autofahrer mit einer Demenzerkrankung stellt jedoch innerhalb von drei Jahren nach Diagnose das Fahren ein. 

Eine leichte Alzheimer-Demenz oder Demenz bei celebraler Mikroangiopathie dagegen schließt nicht automatisch das Autofahren aus. Die Fahrer nehmen sich persönlich zurück, sind bedeutend langsamer unterwegs, nehmen nur noch bekannte Strecken, um ihr Ziel zu erreichen und vermeiden die Autobahn. 

Die häufigste Unfallursache bei dementen Autofahrern sind Bedienungsfehler oder Fehlreaktionen in komplexen Situationen. Beim Ein- und Ausparken gibt es des Öfteren Blechschäden. Katrin Bennemann machte jedoch auch deutlich: Ältere Menschen fahren vorsichtiger und rücksichtsvoller. Sie wies auf eine Statistik des Deutschen Verkehrssicherheitsrates hin, die belegt, dass 18- bis 24-jährige Verkehrsteilnehmer noch immer das mit Abstand höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr aufweisen.

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