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Der übliche Haarausfall älterer  Männer beginnt mit Geheimratsecken. Aber es gibt auch andere Gründe als das Alter, wenn das Haupthaar schwindet.

Abendsprechstunde "Haarausfall"

Wenn das Haupthaar schwindet

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Ob Geheimratsecken, Tonsur, schütteres Haar oder Glatze – Haarausfall kann viele Ursachen haben. Und nicht alle lassen sich zufriedenstellend beseitigen.

Aber es ist auch nicht alles übermäßiger Haarausfall, was viele dafür halten. So stellte Prof. Dr. Rolf-Markus Szeimies, Chefarzt der Dermatologie, bei unserer Abendstunde am vergangenen Montag im Klinikum Vest erst einmal Grundsätzliches klar: 80 bis 120 Haare verliert der Mensch täglich – ganz normal. Wer nun sehr langes Haar hat, gewinnt da schnell den Eindruck, ihm falle das Haar büschelweise aus. Der Dermatologe hingegen würde sie zählen und die Schultern zucken.

Medikamente oder Nährstoffmangel?

 Wenn es hingegen deutlich mehr sind, beginnt die Ursachenforschung. Medikamente wie Blutverdünner, Schmerz-, Pilz- und Rheumamittel, Schilddrüsenpräparate oder die Anti-Babypille können beispielsweise Haarausfall machen. Ebenso ein Mangel an Zink, Eisen oder Schilddrüsenhormon, Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis, aber auch Stress und eine Chemotherapie. Und schließlich kann übermäßiger Haarausfall auch ererbt sein. 

Wie Szeimies erläuterte, fragt der Dermatologe all diese Dinge ab, sieht sich Haare und Kopfhaut genau an, um herauszufinden, was los ist. Manchmal, aber längst nicht immer – wie, so Szeimies, „manche Scharlatane Glauben machen wollen“ – ist auch eine Laboruntersuchung nötig oder eine Untersuchung der Haarwurzeln unterm Mikroskop.

Haarausfall - vorrübergehend oder deutlich sichtbar?

 Unterscheiden müsse man vorübergehenden verstärkten Haarausfall von deutlich sichtbarem Haarverlust. Bei dem einen dünnen die Haare aus oder werden kümmerlich, bei dem andern werden ganze Kopfareale kahl. So zum Beispiel bei vernarbendem Haarausfall, einer Begleiterscheinung von Erkrankungen oder Entzündungen der Kopfhaut, bei der die Haarfollikel vernarben. Prof. Szeimies: „Da wächst nichts mehr.“

 Den kreisrunden Haarausfall hob der Fachmediziner hier heraus. Er sei die zweithäufigste Form des Haarausfalls und auf eine ungeklärte Autoimmunerkrankung zurückzuführen. Er könne sich so ausweiten, dass Betroffene ihr gesamtes Haupthaar, manche auch Augenbrauen und Wimpern verlieren.

 Helfen könnten in gewissem Rahmen Kortison oder Medikamente, die die Zellteilung hemmen. Demnächst gäbe es aber ein neues Präparat, von dem sich die Mediziner viel versprechen. Es laufe dazu derzeit eine Studie, an der auch die Dermatologen des Klinikums Vest beteiligt seien.

Bei Männern sind‘s fast immer die Hormone

 Wenn es um den Haarausfall bei Männern geht, seien allerdings zu 95 Prozent die Hormone dafür verantwortlich, und zwar ein Zuwenig an weiblichem Sexualhormon Östrogen an der Kopfhaut. Wenn es schwindet, entstehen erst Geheimratsecken, dann eine Tonsur, die Stirn wird höher und dann geht irgendwann alles ineinander über bis nur noch ein „Cäsarenkranz“ übrig bleibt.

 Wenn deses Stadium erreicht ist, so Prof. Szeimies, könne man nichts mehr machen. Um das zu verhindern, gäbe es indes einige Mittel. So könne man Östrogen auf die Kopfhaut auftragen oder ein Medikament einnehmen, das das Testosteron zurückfährt. Doch der Facharzt mahnte auch, vorsichtig damit umzugehen, da sich diese Therapie auch auf die Sexualfunktionen auswirken kann.

Experten-Tipp zur Erhaltung der Haare ist sehr einfach

 Darüber hinaus sei der Blutdrucksenker Minoxidil verbreitet im Einsatz, der als Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen wird. Diesen allerdings müsse man dann lebenslang auftragen. Szeimies: „Wenn man damit aufhört, fallen die Haare aus.“

 Und dann gibt es noch eine ganze Reihe von Pülverchen, teuren Nahrungsergänzungsmitteln und Kuriosa, von denen Szeimies gar nichts hält. „Wenn wir uns gesund ernähren, haben wir alles, was wir brauchen. Das Geld kann man sich also sparen.“

 Seine Tipps zur Erhaltung der Haare: milde Haarwaschmittel und eine weiche Naturbürste verwenden, auf den heißen Föhn verzichten und die Haare nicht allzu sehr traktieren. Problematisch seien nämlich auch Blondieren, Färben, Dauerwellen und große Mengen an Festiger und Haarspray.

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