Neubausiedlung mit teils noch eingerüsteten Einfamilienhäusern und gegossenen Fundamenten. Rechts im Bild steht ein Kran
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Die Corona-Krise rückt für viele den Traum vom Eigenheim in weite Ferne.

Experten-Kolumne von Markus Frings (Leiter Immobilien-Finanzierung Volksbank Marl-Recklinghausen)

Platzt für „Normalverdiener“ jetzt der Traum vom Eigenheim

Ob der Traum von der eigenen Immobilie in Erfüllung gehen kann, lässt sich relativ einfach ausrechnen. Man gibt auf einer Website für Kreditvergleiche die wichtigsten Eckdaten wie Kaufpreis und Lage des Objekts ein, dann das vorhandene Eigenkapital sowie die gewünschte Kreditlaufzeit, und schon werden Angebote von Banken und Sparkassen angezeigt.

Die Ergebnisse sind zwar standardisiert und unverbindlich, doch eine erste Orientierung ist damit durchaus möglich. Sichtbar werden die Auswirkungen der Corona-Krise gerade im Online-Markt. Für Finanzierungen mit höheren Beleihungen können dort keine Angebote mehr erstellt werden und wenn dies doch der Fall ist, addiert sich zu den derzeit günstigen Zinsen schnell ein Zuschlag von 1-2 Prozent pro Jahr auf den Effektivzins.

Doch immer häufiger blitzen die Kaufinteressenten gänzlich ab: „Leider können wir Ihnen zu Ihrem Kreditwunsch kein Angebot machen“, heißt es dann. Auch in meinen täglichen Beratungsgesprächen kommen Absagen vor. Schuld daran ist meist fehlendes Eigenkapital. Viele Banken finanzieren aktuell am liebsten bis gut 80 Prozent des Beleihungswertes. Der Beleihungswert ist übrigens der von der Bank anerkannte Marktwert oder Kaufpreis.

Die 100-Prozent-Finanzierung wird schwieriger

Bei einem 400 000 Euro teuren Eigenheim genügte es Anfang des Jahres noch, wenn Käufer gut 40 000 Euro für die Kaufnebenkosten, also Makler, Notar und Grunderwerbsteuer, zusammengespart hatten. Den Rest konnten sie sich problemlos leihen. Doch neuerdings verschärfen viele Institute ihre Eigenkapitalvorgaben, meist werden 20 bis 30 Prozent Eigenkapital verlangt, also weitere 80 000 Euro. Mindestens.

Damit rückt die Corona-Krise den Traum vom Eigenheim für viele Käufer in weite Ferne. Zwar war es immer schon besser, möglichst viel Eigenkapital zur Finanzierung beizutragen. In „Vor-Corona-Zeiten“ jedoch reichten auch durchschnittliche Ersparnisse, um die Zusage für eine 100-Prozent-Finanzierung zu bekommen. Trotz hoher Kaufpreise gelang damit auch Normalverdienern der Einstieg ins Wohneigentum. Die monatliche Rate aus Zins und Tilgung konnten sie stemmen.

Die gefühlt strengeren Finanzierungsregeln wurden jetzt auch offiziell von der Bundesbank bestätigt. In der vergangenen Woche veröffentlichte die Zentralbank die Ergebnisse der vierteljährlichen Banken-Umfrage. Dabei zeigte sich: Der Anteil der befragten Banken, die ihre Kreditrichtlinien verschärft haben, stieg um 21 Prozentpunkte. Einen solchen Anstieg gab es seit der Finanzkrise nicht.

Auswirkungen auf Hauspreise sind möglich

Parallel zu den Kreditrichtlinien der Banken steigen aber auch die Immobilienpreise derzeit sogar noch weiter – Corona-Krise hin oder her. Vor allem Einfamilienhäuser sind gefragt. Im Zuge der Pandemie ist das Bedürfnis nach Abstand, Grün und Garten gestiegen. Sollten sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt aber in absehbarer Zeit nicht erholen, könnte dies gegenteilige Auswirkungen auf die Hauspreise haben. Marktexperten rätseln seit Monaten, wie stark ein Preiseinbruch ausfallen könnte.

Im Kreis Recklinghausen sind die gerade genannten Auswirkungen nur in abgemilderter Form zu spüren, obwohl die Banken derzeit schon intensiver prüfen, vor allem dann, wenn die Finanzierungsdauer weit ins Rentenalter reicht. Die Eigenkapitalanforderungen decken natürlich auch Risiken, die sich aus nicht auszuschließenden Immobilienpreissenkungen und auch eventuellen Kreditausfällen ergeben könnten, ab. Bei der Prüfung eines Finanzierungswunsches gibt es aber noch immer Spielräume, gerade im persönlichen Kontakt mit der Bank. So können Zusatzsicherheiten, eine bessere Bonität oder ein sicherer Job sowie eine höhere Tilgungsrate eine Vollfinanzierung durchaus ermöglichen. Also werfen Sie die berühmte Flinte nicht gleich ins Korn, sonder sprechen Sie einfach mal mit Ihrer Hausbank.

Ihr Markus Frings

Markus Frings ist Leiter der Immobilien-Finanzierung bei der Volksbank Marl-Recklinghausen

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