Anke Langkamp (Foto)  hat vor fünf Jahren die Kofferfabrik mit ihrem zum Wohnkomplex umgebaut.
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Anke Langkamp (Foto) hat vor fünf Jahren die Kofferfabrik mit ihrem zum Wohnkomplex umgebaut.

Aus dem Vest

Neues Leben in Alter Kofferfabrik

  • Franziska Gerk
    vonFranziska Gerk
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Etwas mehr als fünf Jahre ist es nun her, dass die ersten Mieter in die Alte Kofferfabrik in Datteln einzogen. Bis auf einen Mieterwechsel wohnen immer noch alle Parteien dort und profitieren mittlerweile von einer lebendigen Hausgemeinschaft.

Mit dem Wissen von heute weiß ich nicht, ob wir dieses Projekt noch einmal durchführen würden“, sagt Anke Langkamp (Foto), deren Mann Thomas 2014 die Alte Kofferfabrik kaufte. Damals war das Unternehmerpaar, das zwei Malerbetriebe besitzt, auf der Suche nach neuen Geschäftsräumen in Kombination mit Wohnraum und wurden auf das historische Gebäude aufmerksam. Das neue Geschäftsgebäude des Unternehmens entstand später in Sichtweite, die Alte Kofferfabrik wurde zum Elf-Parteien-Wohnhaus umgebaut. Ein Jahr nahmen sich die Langkamps dafür vor – und sie sind fast im Zeitplan geblieben. Um nur zwei Monate verlängerte sich die Bauzeit. Ungewöhnlich für so ein Großprojekt.

„Wir hatten wirklich Glück mit den Handwerkern“, blickt Anke Langkamp zurück. „Alle Gewerke haben super zusammengearbeitet. Das war wirklich klasse.“ Aber die vielen schlaflosen Nächte, die Sorgen, ob alles so klappt, wünsche sie sich nicht zurück. „Das war eine harte Zeit für uns“, sagt sie. Erst wurden die Mietwohnungen gestaltet, danach die privaten Räume der Langkamps. „Ich hatte am Ende gar keine Lust mehr, konnte keine Handwerker mehr sehen. Aber wir mussten uns aufraffen, um auch die letzten Meter zu schaffen.“

Die ganze Familie hat mitgearbeitet
Schaut das Paar heute auf die Renovierung zurück, sind sie sehr stolz. „Das war das bislang herausforderndste Projekt unseres Lebens. Wir sind daran gewachsen und superstolz auf das Ergebnis.“

Anfang 2015 rollen die Bagger, die ersten Abrissarbeiten an der ehemaligen Fabrik beginnen. Mit dabei die vier mittlerweile erwachsenen Kinder der Familie, sie räumen den groben Schutt weg, reißen Wände ein, helfen bei der Wärmedämmung und den Estricharbeiten. Stück für Stück gehen die Arbeiten voran. Am deutlichsten zu sehen ist das an der Fassade. Vom einstigen Creme-Weiß mit den gebrochenen Bleiglasfenstern ist heute nichts mehr zu sehen. Strahlend weiß und Dunkelgrau steht da ein Gebäude wie ein prachtvoller Neubau.

Die Alte Kofferfabrik in Datteln wurde zu einem Wohnkomplex mit 11 Wohnungen umgebaut.

Erbaut als KfW-Effizienzhaus 70 verbraucht das Gebäude nur 70 Prozent der Energie als das Referenzhaus nach der Energieeinsparverordnung. Daher mussten Fenster (dreifachverglast), Türen und die Außenwände gut isoliert werden. Ausgestattet ist die Alte Kofferfabrik mit einer Luft-Wärmepumpe, die die Fußbodenheizungen mit angenehmer Wärme speist.

Die Erdgeschosswohnungen verfügen über Terrassen und kleine Gärten, die darüberliegenden Wohnungen über große Balkone. Über verschiedene Eingänge und zwei Treppenhäuser sowie einen Aufzug gelangen die Mieter in ihre Wohnungen. Gabriele Brömmelsiek (68) wohnt im Erdgeschoss mit eigenem Eingang. Das Besondere an ihrer Wohnung ist die alte Backsteinwand – ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten. „Diese Wand haben wir bewusst so gelassen“, berichtet Thomas Langkamp. Ebenso die alten Stützpfeiler, die noch in allen Wohnungen zu sehen sind. „Ich hatte erst überlegt, andere Wände im Raum farbig zu streichen“, erklärt Gabriele Brömmelsiek, „aber die Backsteinwand wirkt schon von allein, da braucht es nicht viel.“

Gabriele Brömmelsiek (68) wohnt von Anfang an in der Kofferfabrik. Sie mag den Wohnmix aus altem Gemäuer und moderner Einrichtung.

Besucher, die ihr Zuhause kennengelernt haben, schielen sehr begeistert auf die 90-Quadratmeter-Wohnung. „Ich habe schon oft das Angebot bekommen, bei einem Auszug einen Nachmieter zu haben“, erzählt die Rentnerin mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie fühle sich sehr wohl in der Alten Kofferfabrik, sagt sie. Und ans Ausziehen denkt Gabriele Brömmelsiek auch noch nicht.

Das Projekt hat nicht nur die Einwohner der Stadt Datteln interessiert. Auch aus den umliegenden Städten haben die Eheleute Langkamp Rückmeldungen erhalten. Sie spendeten alte Fotos und Koffer, die ihren Platz im Eingangsbereich der alten Fabrik fanden. Der Bezug zur Vergangenheit ist den Bauherren sehr wichtig und soll auch für die zukünftige Nutzung bestehen bleiben.

Ganz fertig ist das Gebäude im Übrigen immer noch nicht. Vor einigen Wochen wurde das neue Einfahrtstor installiert und kann nun in Betrieb genommen werden. Größere Reparaturen sind bislang ausgeblieben, aber neue Ideen haben die Eheleute bereits im Kopf. Um den Ursprung des Gebäudes besser in Szene zu setzen, wird bald der Hauseingangsflur neu gestaltet. Hierbei werden auch alte Bilder als Fototapete mit eingebracht und auch der Bodenbelag der Alten Kofferfabrik angepasst. Mit ein wenig zeitlichem Abstand ist sich Thomas Langkamp schließlich: „Ich glaube, wir würden so eine Renovierung doch immer wieder anpacken.“

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