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Experten-Kolumne von Margareta Kulmann-Rohkemper

Deko – mehr als Tüddelkram

Ein schöner Garten ist ein komplexes Gebilde: Das harmonische Gesamtbild entsteht durch das gekonnte Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Elemente. Das Tüpfelchen auf dem I ist eine gelungene Dekoration. Doch worauf kommt es bei deren Auswahl an?

Man stelle sich einen Garten ohne Pflanzgefäße, Möbel, Kissen, Windlichter und sonstige Dekoration vor. Wie würde der wirken? Wahrscheinlich recht unbelebt, auch wenn die Gartengestaltung, die Beete, Wege, Terrasse und Co. noch so schön angelegt wären. Der Eindruck wäre vermutlich immer: Da fehlt doch etwas. Oder umgekehrt: Ein wunderschön gestalteter Garten mit harmonisch bepflanzten Beeten voller Blütenpracht und Vielfalt, eine großzügige Terrasse mit edlem Bodenbelag, gepflegter Rasen, kurz: ein Traum von einem Garten, doch mittendrin weiße Günstig-Gartenstühle aus dem Baumarkt oder eine kitschig-bunte Dekofigur. Klarer Fall von: Das passt doch nicht.

Das rechte Maß zu finden, ist ein Schlüssel zum Erfolg. Ein Zuviel an Elementen tut dem Gesamtbild in der Regel nicht gut, denn je mehr Dekorationselemente im Garten – und auch im Haus – Einzug halten, desto schwieriger wird es, dass sie alle miteinander und dann auch noch mit ihrer Umgebung harmonieren. Außerdem überfordert es das Auge, allzu viele Elemente präsentiert zu bekommen.

Kluge Reduktion ist also angesagt. Lieber auf wenige, dafür sorgfältig ausgewählte und fein aufeinander abgestimmte Elemente setzen. Dabei spielt auch die Qualität von Material und Design eine wichtige Rolle. Im besten Fall ist Dekoration ein Ausdruck von Individualität, und damit vertragen sich massenhaft verfügbare Dinge von der Stange einfach nicht. Lieber ein sorgfältig und mit Liebe ausgesuchtes, handgemachtes, charaktervolles Unikat für den Garten als schnell ein paar Accessoires im nächsten Gartencenter zusammengestellt.

Schön ist, wenn sich mit dem handverlesenen Stück besondere Erinnerungen oder Emotionen verbinden, wenn der Kerzenständer etwa aus Treibholz vom Lieblingsstrand gefertigt wurde oder die Pflanzgefäße aus einer Manufaktur im Nachbarort stammen. Handgemachtes, auch wenn eigentlich Gebrauchsgegenstand, bekommt da schnell den Charakter eines Kunstwerks.

Eine weitere wichtige Regel für die Gartendekoration ist, dass alles zusammenpassen sollte. Das gilt sowohl für Materialien als auch für Farben, Formen, Oberflächen und Proportionen. In Sachen Farbe heißt das nicht, dass immer alles Ton in Ton gehalten werden muss, doch wenn man sich für eine Statementfarbe entscheidet, greift bei deren Verwendung wieder die erste Dekoregel „Weniger ist mehr“, sie sollte also bewusst und sparsam eingesetzt werden, nur so kann sie stilvoll ihre Wirkung entfalten – und auch nur, wenn der Garten selbst sich farblich eher in Zurückhaltung übt. Materialien von Dekorationsgegenständen wie Edelstahl, Beton oder Keramik sollten sich auch ansonsten im Garten wiederfinden.

Eine andere Möglichkeit ist es, ganz bewusst mit Gegensätzen zu arbeiten. So kann ein XXL-Windlicht in einem eher kleinen Garten eine tolle Figur machen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es als Solist eingesetzt wird, sonst besteht die Gefahr, den Garten zu überfrachten.

Das Tolle an Dekorationsgegenständen ist, dass sie sich leicht auswechseln lassen. Das sollte natürlich nicht zu Beliebigkeit führen. Vielmehr ist es eine Erleichterung: Schließlich gibt es so viele schöne, stilvolle Accessoires für den Garten, dass die Beschränkung oft schwerfällt. Wer aber hin und wieder einmal umdekoriert – zum Beispiel im Wechsel der Jahreszeiten – hat die Chance, seinen Garten immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden. Manchmal staunt man, wie sehr sich ein Gartenraum verändert, nur, weil die Kissen auf dem Loungesofa auf einmal pink statt türkis sind.

Margareta Kulmann-Rohkemper ist Garten- und Landschaftsarchitektin. Die Expertin gehört zu den „Gärtnern von Eden“, einem Zusammen- schluss von rund 50 Garten- baube- trieben.

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