Im Bild zu sehen ist ein Garten mit Rasenfläche, Terrasse und Wasserbecken.
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Massive Steinmauern wirken ambivalent auf das Mikroklima: Einerseits können sie für Verschattung sorgen, andererseits aber auch als Wärmespeicher fungieren.

Experten-Kolumne von Margareta Kulmann-Rohkemper

Der Klimawandel im eigenen Garten

So wie es das globale Klima gibt, hat auch jeder Garten sein eigenes Zusammenspiel aus den Faktoren, die der Begriff Klima bündelt: Temperatur, Niederschlag und Wind.

Auf den Garten bezogen, nennt sich das Mikroklima und lohnt der genauen Betrachtung, denn dieses Mikroklima entscheidet maßgeblich darüber, ob sich Menschen und Pflanzen in einem Garten wirklich wohl fühlen. Massive Steinmauern wirken ambivalent auf das Mikroklima: Einerseits können sie für Verschattung sorgen, andererseits aber auch als Wärmespeicher fungieren. Letzteres ist – gerade wenn sie die Abendsonne einfangen und deren Wärme dann wohldosiert wieder abgeben können – richtiggehend wohltuend. Gerade in eher kleinen Gärten sorgen hohe Mauern aber auch schon einmal für einen Hitzestau. Auch die Wahl des Bodenbelags beeinflusst die Temperaturen im Garten.

Steinplatten oder Schotter speichern die Wärme der Sonne – je nach Farbe mal mehr mal weniger intensiv – und geben sie über einen längeren Zeitraum wieder an ihre Umgebung ab. Diesen Effekt kann man sich natürlich zunutze machen, sollte aber auch mögliche negative Auswirkungen im Blick behalten. So haben Messungen ergeben, dass an einem Sonnentag die Temperatur in einem Meter Höhe über einer Schotterfläche deutlich höher ist als über Rasen oder über einem Beet.

Ein Sitzplatz, an dem es beständig weht, ist alles andere als ein Wohlfühlort. Auch viele Pflanzen mögen im Übrigen keine Zugluft. Bei der Planung des Gartens sollte man also unbedingt auch ein Augenmerk auf den Wind haben. Was ist die Hauptwindrichtung? Ergeben sich irgendwo Windschneisen? Diese lassen sich zum Beispiel mit einer Mauerscheibe oder auch einem Heckenriegel unterbrechen.

Die Niederschlagsmenge lässt sich zwar nicht über die Gartengestaltung beeinflussen, sehr wohl aber das Maß, in dem der gefallene Niederschlag dem Garten zugutekommt. Das hängt eng zusammen mit der Sonneneinstrahlung und den Bodenverhältnissen. Je schattiger der Garten, desto geringer die Verdunstung und desto mehr Wasser steht den Pflanzen für ihr Wachstum zur Verfügung. Wie gut das für sie verfügbar ist, hängt allerdings auch von den Wasserspeichereigenschaften des Gartenbodens ab. Damit das Wasser an die Wurzeln der Pflanzen gelangen kann, muss es im Garten versickern können. Versiegelte Flächen wie Auffahrten verhindern das. Der Effekt für das Mikroklima: Oberflächenwasser wird in die Kanalisation abgeleitet, steht dem Garten nicht mehr zur Verfügung.

Pflanzen beeinflussen das Kleinklima eines Gartens positiv. Über ihr Laub geben sie beständig Feuchtigkeit an ihre Umgebung ab und kühlen damit die Luft in ihrer unmittelbaren Umgebung, wirken also als natürliche Klimaanlage. Im Schatten eines Baumes zu sitzen ist folglich nicht nur deswegen angenehm, weil er die Sonne abhält, sondern auch, weil sein Laub für eine Abkühlung der Luft sorgt – von der Aufnahme von CO2 und der Abgabe von Sauerstoff einmal ganz zu schweigen.

Faktor Nummer zwei, über den sich das garteneigene Klima regulieren lässt, sind bauliche Elemente. Der Einfluss von Mauern und steinernen Bodenbelägen wurde schon erwähnt. Etwas aufwendiger, aber sehr reizvoll ist es, einen Grundstücksbereich als Senkgarten zu gestalten, ihn also gewissermaßen tieferzulegen. Hier sind Mensch und Pflanzen dann vor Wind geschützt, Wärme hält sich länger, sodass man hier besonders in den kühleren Abendstunden angenehm sitzen und so manche wärmeliebende Pflanze bestens gedeihen kann.

Zur Person:

Margareta Kulmann-Rohkemper ist Garten- und Landschaftsarchitektin. Die Expertin gehört zu den „Gärtnern von Eden“, einem Zusammenschluss von rund 50 Gartenbaubetrieben.

Margareta Kulmann-Rohkemper

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