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Experten-Kolumne von Margareta Kulmann-Rohkemper

Eine Frage des Standpunkts

In vielen Situationen im Leben kann ein Perspektivwechsel eine wertvolle Bereicherung sein, zum Beispiel in einer Diskussion, im Straßenverkehr oder vor dem Spiegel. Auch im Garten lohnt es sich unbedingt, gelegentlich einen anderen Standpunkt zu beziehen.

Es gibt eine Art Standardblick auf den eigenen Garten. Der hat seinen Ausgangspunkt zumeist dort, wo man sich am liebsten beziehungsweise häufigsten im Garten aufhält, auf der Terrasse direkt am Haus zum Beispiel. Schaut man von hier aus über Beete und Rasen, Wege und Gehölze, stellt sich ein wohliges Gefühl ein, wenn sich ein harmonisches Gesamtbild präsentiert. Keine Ausreißer, kein Störgefühl, alles in bester Ordnung.

Doch so viel Harmonie hat auch das Potenzial dazu, irgendwann ein wenig langweilig zu werden. Deshalb lohnt es sich, schon in dieses Jeden-Tag-Gartenbild kleine Geheimnisse zu integrieren, Gartenbereiche, die sich dem Betrachter auf seinem Lieblingsplatz nicht sofort offenbaren, die aktiv ergründet werden wollen. Diese regen ihn dann fast automatisch dazu an, einen kleinen Perspektivwechsel vorzunehmen, seinen angestammten Platz zu verlassen, um die versteckten Gartenecken unter die Lupe zu nehmen.

Solche Anziehungspunkte können sich hinter Heckenriegeln verbergen oder auch hinter einem als Solitär gepflanzten großen Gras. Was dahinter liegt? Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, ein Duftbeet, eine Pflanzengruppe ganz in Weiß, der Gemüsegarten oder auch ein Kunstwerk, ein kleiner Sitzplatz, ein Teich oder eine Feuerstelle. Erlaubt ist, was gefällt und in das Gesamtkonzept passt.

Spannend sind solche versteckten Ecken auch deshalb, weil der Gartenbesitzer, wenn er sich an seinem neuen Standort umschaut, nicht nur diese entdeckt, sondern sich ihm auch der Rest des Gartens anders präsentiert, aus einer neuen Perspektive eben. Nun geht der Blick neue Wege, schaut auf das Haus mit seiner Terrasse, sieht die so vertrauten Beete aus einem anderen Blickwinkel.

Den Wechsel einplanen, Anlaufpunkte schaffen

Einen oder noch besser gleich mehrere Perspektivwechsel sollte man bei der Gestaltung eines Gartens am besten immer mitdenken, also zum Beispiel Beete so konzipieren, dass sie aus unterschiedlichen Richtungen betrachtet stets ein attraktives – und gern unterschiedliches – Bild bieten.

Dazu gehört auch, über Blickbeziehungen und Blickachsen nachzudenken, also zu überlegen, über welche Elemente sich von welchem Standort aus ein optischer Zusammenhalt herstellen lässt und was von wo aus sichtbar ist. So lassen sich Blicke lenken – und ablenken, und es entsteht eine Art Koordinatensystem im Garten, in dem sich seine Besitzer ganz automatisch orientieren.

Eine gute Möglichkeit, Ausgangspunkte für den Blick in den Garten zu definieren, um von ihnen aus dann das sich bietende Bild zu kreieren, ist, dort jeweils Orte mit Verweiloption zu schaffen.

Bei der Planung solcher Perspektivwechsel-Plätze geht es nicht darum, immer das große Ganze in den Blick nehmen zu können. Vielmehr entsteht die Spannung dadurch, dass sich hier mit Weite und Intimität spielen lässt. Selbst kleine Gärten können ihre Besitzer durch klug ins Konzept eingeplante Perspektivwechsel immer wieder aufs Neue überraschen.


Margareta Kulmann-Rohkemper ist Garten- und Landschaftsarchitektin. Die Expertin gehört zu den „Gärtnern von Eden“, einem Zusammen- schluss von rund 60 Gartenbaubetrieben.

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