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Gärtner von Eden - Herbstgarten 2013

Experten-Kolumne von Margareta Kulmann-Rohkemper

Ein Familiengarten, der auch noch in vielen Jahren attraktiv ist

Ein Garten ist ein toller Ort für Kinder, aber deren Vorlieben ändern sich rasant – und sie sind auch nicht die einzigen, die sich in einem Garten wohlfühlen sollen. Deshalb sollte man bei seinen Überlegungen zum Familiengarten zum einen immer die sich wandelnden Bedürfnisse des Nachwuchses im Blick haben und zum anderen auch die der Eltern berücksichtigen.

Viele Eltern neigen dazu, den familiären Status quo als Maß der Dinge heranzuziehen und den Garten ganz auf diesen zuzuschneiden. Dabei stehen die Bedürfnisse der Kinder klar im Vordergrund. Das ist schön selbstlos, führt aber oft dazu, dass Eltern sich unbewusst in ihrem eigenen Garten lange nicht wirklich zu Hause fühlen, und das muss nicht sein.

Es ist möglich, Gärten zu erschaffen, die gleichzeitig kindgerecht sind und Erwachsenen eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Das fängt schon mit der Wahl der Spielgeräte an. Weniger ist da oftmals mehr, denn der Garten selbst ist ja schon ein Erlebnisraum für den Nachwuchs. Oft reichen eine Rasenfläche und ein Wasserhahn, um den Spieltrieb nachhaltig zu befriedigen, aus Blättern Suppe zu kochen, ein Puppenpicknick abzuhalten oder einfach stundenlang einem Ball hinterherzujagen.

Sollen Sport- und Spielgeräte in den Garten einziehen, so sollte man diese auch nach dem ästhetischen Empfinden der Eltern auswählen. Grundsätzlich gliedern sich Naturmaterialien wie Holz, Metall oder Stein und natürliche Formen besser in die Umgebung ein als Rechtwinkliges und farbenfroher Kunststoff.

Zum Klettern können große Findlinge oder Holzstämme mindestens genauso attraktiv sein wie ein Gerüst, eine Rutsche aus Metall verschmilzt besser mit der Umgebung als eine aus Plastik, und ein frei geformter Sandspielbereich wirkt natürlicher als ein rechtwinkliger Fertigsandkasten. Außerdem lassen sich solche Elemente leichter weiterentwickeln, wenn die Kinder sie in ihrer eigentlichen Funktion nicht mehr benötigen.

Für viele Kinder ist die größte Attraktion im Garten weder Trampolin noch Klettergerüst, sondern ihr eigenes kleines Beet. Wer Platz und Freude daran hat, dem Nachwuchs das Gärtnern in der Praxis näher zu bringen, sollte einen solchen „Kindergarten“ einplanen – ein paar Quadratmeter reichen schon, auf denen die Kinder säen und ernten, Aromen und Früchte entdecken oder auch ihre eigenen Blumen züchten können. Hier lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, und ganz nebenbei eine Menge über die Natur.

Auf Distanz gehen können

Zur Weiterentwicklung eines Familiengartens gehört auch, immer den altersgerechten Abstand zwischen Eltern und Kindern zu bieten. Sind die Kinder noch ganz klein, wollen sie gern in Mamas und Papas Nähe spielen, und auch die Eltern fühlen sich wohler, wenn sie jederzeit ein Auge auf den Nachwuchs haben können. Also gehören erste Spielelemente und Sitzplatz in unmittelbare Nachbarschaft. Aber schon im Kindergartenalter geht’s gern auch schon einmal allein auf Entdeckungstour, und Grundschulkinder freuen sich über ihr „Geheimversteck“ im Garten.

Damit der Garten auch noch für den Teenagernachwuchs attraktiv bleibt, sollte der seine eigene Rückzugsecke haben, in der er mit Freunden ungehört und ungesehen chillen kann. Und ist der Nachwuchs schließlich aus dem Haus, können die Eltern den Garten ohne großen Aufwand ganz und gar zu ihrem Refugium machen. Wie das im Einzelnen aussieht, ist natürlich von den individuellen Wünschen und Vorlieben abhängig, aber grundsätzlich gilt: Diese Langzeitperspektive lässt sich einem Garten schon bei seiner Anlage einpflanzen.

Margareta Kulmann-Rohkemper ist Garten- und Landschaftsarchitektin. Die Expertin gehört zu den „Gärtnern von Eden“, einem Zusammenschluss von rund 60 Gartenbaubetrieben.



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