Die Aufgabe von Gartenwegenist es, ihre Benutzer sicher von A nach B zu führen, doch sie haben durchaus auch gestalterischen Eigenwert.
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Die Aufgabe von Gartenwegen ist es, ihre Benutzer sicher von A nach B zu führen, doch sie haben durchaus auch gestalterischen Eigenwert.

Experten-Kolumne von Margareta Kulmann-Rohkemper

Gartenwege: Von geradlinig bis verschlungen 

Gartenwege: Das klingt nach reiner Funktionalität, irgendwie nötig, aber belanglos. Doch weit gefehlt! Natürlich ist die Aufgabe von Wegen – auch im Garten – ihre Benutzer sicher von A nach B zu führen, doch sie haben durchaus auch gestalterischen Eigenwert. Deshalb sollte man sich der Planung mit Bedacht widmen.

Der Pragmatiker möchte wahrscheinlich am liebsten auf dem kürzesten Weg zum Ziel kommen. Deshalb wären seine Gartenwege schnurgerade, verbänden wie mit dem Lineal gezogen die wichtigsten Punkte in seinem grünen Wohnzimmer miteinander.

Doch wer sich an die Gestaltung eines Gartens begibt, sollte sich keinesfalls von purem Pragmatismus leiten lassen. Das gilt auch für die Gartenwege, denn ein schöner Garten hält ja genau das in Fülle bereit: Ablenkung, Zerstreuung, zufällige Entdeckungen. Ob das gelingt, hängt natürlich nicht nur von dem Wegenetz ab, das den Garten durchzieht. Aber das sollte unbedingt Teil des gestalterischen Gesamtkonzepts sein.

Immer auch funktional
Natürlich übernehmen Wege im Garten ganz praktische Funktionen: Sie führen zu einem Ziel – meistens zumindest. Zur Terrasse, zum Gartenhaus, zum Kompost. Sie sind dazu da, begangen zu werden und sollten entsprechend angelegt sein. Aber schon dabei zeigt sich, wie breit das Spektrum der Möglichkeiten ist. Trittsicherheit ist wichtig, aber die gewähren viele Bodenbeläge: Betonstein, Klinker oder Naturstein zum Beispiel, aber auch Holz, Mulch oder Kies. Welche Breite braucht ein Weg? Kommt darauf an, lautet hier wie so oft bei der Gartengestaltung die Antwort – zum Beispiel darauf, welchen Zweck der Weg erfüllt.

Ein weiterer Faktor, den es bei der Wegbreite zu bedenken gilt, ist die Gartengröße: Wege sollten in ihren Dimensionen zum Garten passen, ein großes Grundstück braucht und verträgt mehr und breitere Wege als ein kleiner Reihenhausgarten. Und dann hat die Wegbreite auch noch etwas mit Hierarchie zu tun: Gerade bei etwas größeren Grundstücken, auf denen mehr als ein Weg durch den Garten verlaufen soll, ist es sinnvoll, die Wege ihrer Funktion entsprechend unterschiedlich zu konzipieren: Breite Hauptwege erschließen die wichtigsten Punkte des Gartens, schmalere Nebenwege führen zu seltener genutzten oder versteckt gelegenen Punkten.

Es ist nicht notwendig so, dass ein Weg ein Ziel haben muss. Manchmal ist er selbst das Ziel. Dann mäandert er als mehr oder weniger klar erkennbarer Rundkurs durch den Garten, vorbei an dessen schönsten Flecken, eröffnet immer wieder neue Blickwinkel und Perspektiven, gern gesäumt von abwechslungsreicher Bepflanzung, damit unterwegs die Sinne immer wieder neue Impulse bekommen. Da zeigt sich dann auch deutlich, dass Funktion und Ästhetik nicht zu trennen sind: Ein solcher Pfad zum Lustwandeln ergibt nur dann Sinn, wenn es im Garten Orte gibt, zu denen zu flanieren sich lohnt.

Auch in optischer Hinsicht können Wege wichtige Funktionen übernehmen, kann ihre Linienführung doch die Wahrnehmung eines Gartens beeinflussen. Gerade Wege lassen ein Grundstück länger oder breiter, aber auch aufgeräumter erscheinen. Windet sich ein Weg durch den Garten, kann das zusätzliche Größe vorgaukeln, weil man einfach länger braucht, um sein Ziel zu erreichen. Sanfte Bögen in der Wegführung lassen einen Garten außerdem naturnäher wirken und können auch dazu beitragen, ihn spannender zu machen, denn wer erst der einen oder anderen Kurve folgen muss, kann im Garten auf Entdeckungsreise gehen.

ZUR PERSON

Margareta Kulmann-Rohkemper ist Garten- und Landschaftsarchitektin. Die Expertin gehört zu den „Gärtnern von Eden“, einem Zusammenschluss von rund 50 Gartenbaubetrieben.

Margareta Kulmann-Rohkemper

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