+

Leserfahrt

Leser lernen Hilfsmittel kennen, die den Alltag im Alter erleichtern

  • schließen

Man kann sich schwer zurechtfinden bei der ganzen Fülle an Hilfsmitteln, die auf dem Markt angeboten werden. Angefangen beim Gehstock, über den Hausnotruf bis hin zum Einbau einer ebenerdigen Dusche. Einen Überblick darüber gibt die Dauerausstellung „Forum für Generationen“ bei der GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik® in Iserlohn.

Insgesamt 50 Vestimmo-Leser haben an der Fahrt, die in Zusammenarbeit mit dem Digiquartier Recklinghausen durchgeführt wurde, teilgenommen. Die meisten von ihnen waren Senioren, die mit den Hürden des Alltags immer wieder konfrontiert werden. Einige waren auf der Suche nach Lösungen für ihren Badumbau, andere wollten sich über Hilfsmittel fürs alltägliche Leben erkundigen. Am Ende kamen sie alle auf ihre Kosten, denn es gab viel zu entdecken.

Produkte mit Komfort und Qualität

Christina Thamm von der GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik® führt einen Teil der Gruppe durch die Ausstellung. „Wir stellen hier Produkte mit Komfort und Qualität vor, die den Alltag erleichtern“, sagt sie zu Beginn der Führung. Gleich das erste Ausstellungsstück weckte Interesse. Ein sogenannter Herdwächter ist mit der Herdplatte verbunden und schaltet sie aus, sobald ein entflammbarer Gegenstand auf der Herdplatte abgelegt wird oder die Platte beginnt, zu brennen. „In nordischen Ländern ist dieses Gerät gesetzlich bereits vorgeschrieben, ähnlich wie der Rauchmelder bei uns“, erklärt Christina Thamm. Die kleine Box, die über dem Herd angebracht wird, schützt somit vor Feuer und Brand und kann Leben retten. Die Teilnehmer interessieren sich vor allem für die Technik, die dahinter steckt. „Wie misst das Gerät denn?“, fragt eine Leserin. Sensoren werten die Kochsituation aus und schicken ein Signal an die Steuereinheit, sobald die Herdplatte zu heiß oder leer eingeschaltet wird, berichtet Thamm. „Die Installation muss durch einen Fachmann erfolgen“, sagte sie weiter.

Im ersten Teil der Führung zeigte Thamm Ausstellungsstücke, die das Leben in der häuslichen Umgebung erleichtern. So stehen dabei niedrige Fenstergriffe, ebenerdige Terrassentüren oder auch motorisiert öffnende Haustüren im Mittelpunkt. Sie sind leicht zu öffnen, bleiben einen Moment offen stehen und schließen selbstständig. Ein eingebauter Schutzmechanismus verhindert, dass Gliedmaßen eingeklemmt werden.

Gleichzeitig gibt es Modelle, die sich beim Schließen regelmäßig verriegeln und somit Einbrechern keine Chance bieten. Eigentümer jedoch kommen problemlos mit Schlüssel ins Haus und im Notfall, beispielsweise bei einem Brand, durch einen cleveren Schließmechanismus durch das Drehen des Zylinders wieder hinaus.


Auch bei Fenstern soll Komfort nicht auf Kosten des Einbruchschutzes gehen. Automatische Jalousien machen den Gang morgens und abends zum Fenster überflüssig. Sie täuschen während des Urlaubs Anwesenheit vor und machen es Einbrechern schwer, ins Haus zu kommen.

Smarthome erleichtert das Leben

Überhaupt können sich Senioren vor computergesteuerten Techniken nicht mehr verschließen. Damit ist nicht nur die zentral vom Handy aus steuerbare Heizung gemeint, sondern auch Lichtschalter, die entweder mit Bewegungsmelder oder per Schaltung über Smartphone funktionieren. „Wenn Sie beispielsweise abends im Bett liegen und Ihnen einfällt, dass unten das Licht noch an ist, gibt es zwei Möglichkeiten“, erzählt Christina Thamm. „Entweder sie lassen es brennen, weil sie den Weg nach unten nicht mehr schaffen oder nicht mehr gehen wollen. Oder aber Sie schalten es aus. Dann ist eine ferngesteuerte Schaltung über das Tablet oder Smartphone am einfachsten.“ Smarthome-Technik sei ihrer Erfahrung nach auch immer mehr im Seniorenhaushalt angekommen. „Wenn jemand wirklich auf moderne Technik angewiesen ist, wird der Betroffene diese auch benutzen, denn sie erleichtert den Alltag ungemein.“ Zudem interessieren sich auch immer mehr Senioren für die moderne Technik. Ein Handy haben die meisten von ihnen bereits. Und auch das Internet ist für viele kein Fremdwort mehr.

Im Alter sollten Stolperkanten vermieden werden. Das ist soweit jedem klar. Der Weg mit dem Rollator oder dem Rollstuhl wäre damit zwar hürdenlos, doch in der Praxis ist das meist nicht möglich. Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich ebenerdige Türen – gibt es auch für Balkon und Terrasse – einzubauen, die im besten Fall ebenso eigenständig schließen, wie die erwähnten Haustüren. Für diejenigen, die keine baulichen Maßnahmen in ihrem Wohnumfeld vornehmen wollen, hält das Forum für Generationen eine Alternative zur Überwindung von Barrieren bereit: Rampenelemente im Baukastensystem können über vorhandene Kanten gelegt werden. So führt der Weg mit einer kleinen Steigung und Neigung über das Hindernis. „Diese Platten können ebenfalls eine Treppenstufe ausgleichen“, erzählt Thamm.

Ein weiterer Teil der Ausstellung ist die Reha-Abteilung. Hier sind neben den klassischen im Hilfsmittelkatalog ausgeschriebenen Alltagshelfern auch Geräte ausgestellt, die nicht zum Pflegestandard gehören und somit selbst bezahlt werden müssen.

Ausprobieren ist beim Forum für Generationen ausdrücklich erlaubt. Alle dort vorgestellten Helfer dürfen angefasst und getestet werden. So wie die Alltagshelfer, die auch für den kleinen Geldbeutel zu haben sind. Von Lupen bis zur Schreibhilfe für Menschen mit Gefühlsstörungen in den Handinnenflächen gibt es hier so gut wie alles zu sehen. Ebenfalls ausprobiert werden eine Greifzange und ein Hilfsgerät, um einen Knopf mit nur einer Hand zu schließen. „Das braucht jede Menge Übung“, gesteht eine Teilnehmerin.

Auf der nächsten Ausstellungsfläche sind die wohl bekanntesten Gehhilfen zu sehen: Die verschiedenen Rollatoren und Elektromobile wurden in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Platz- und energiesparend sollen sie sein. Die kleinsten Modelle sind auf Koffergröße zusammenklappbar und so auch bequem im Auto zu transportieren. Ein kompakter und langlebiger Akku sorgt für die nötige Energie bei Elektromobilen, die mittlerweile vielen Senioren als Ersatz fürs Auto dienen.

Treppenlifte sind eine Lösung 

Ebenfalls zur der Reha-Ausstellung gehören verschiedene Arten von Treppenliften. Sie können zum einen auf den Treppenstufen, aber auch an der Flurdecke angebracht werden. „Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für wirklich jede erdenkliche Situation. Heutzutage gibt es für jedes Problem mindestens eine Lösung“, so Thamm. Heißt konkret: Auch gehbehinderte Menschen können, selbst wenn sie nicht im Erdgeschoss wohnen, so weiterhin mobil am Leben teilhaben. Treppenlifte werden übrigens finanziell von der Krankenkasse bezuschusst, wenn ein Pflegegrad vorliegt.

Und für diejenigen, die sich noch zu fit für einen Lift fühlen: Die Ausstellung präsentiert auch eine Treppengehhilfe für das Auf- und Ab auf der Treppe: Diese ist an der Wand angebracht und hat einen einklappbaren Bügel als Stütze vor dem Körper. Ein weiterer interessanter Punkt für viele Teilnehmer: elektrisch verstellbare Betten. Deren Finanzierung erfolgt entweder über die Krankenkasse (Rezept eines Arztes notwendig) oder über die Pflegekasse (Pflegegrad oder Begutachtung und Empfehlung durch den Medizinischen Dienst notwendig). Auch hier gibt es mehrere Varianten: Zum einen werden elektrische Gestelle vorgeführt, die in den alten Bettrahmen gelegt werden. „Hierbei ist der Vorteil, dass beispielsweise bei einem Ehebett, der einheitliche Look beibehalten wird. Man sieht gar nicht, dass der Innenteil verstellbar ist“, sagt Christina Thamm.

Eine weitere Variante ist das komplett verstell- und verschiebbare Bett. Hierbei kann nicht nur Kopf- oder Fußteil in der Höhe verschoben werden, sondern auch das gesamte Bett um die eigene Achse gedreht werden. Mit viel Freude probiert ein Teilnehmer diese Funktion aus. „Vor allem in der Pflege ist dieses Bett wunderbar, da es die Selbstständigkeit des zu Pflegenden erhöht und somit die Arbeit des Helfers erleichtert“, so Thamm.

Während der Vorführung stehen andere Teilnehmer an einem Haltegriff-System, das durch einen Vakuumverschluss eine Last von bis zu 125 Kilogramm aushalten kann. „Genau so etwas habe ich gesucht“, meint eine Teilnehmerin, die auf das Bohren in ihren Badezimmerfliesen verzichten möchte, aber dennoch einen Griff zum Festhalten benötigt. „Einziges Manko an diesem System ist, dass es nur auf glatten Flächen hält“, erklärt Thamm.

Gehstock mit Ortungsfunktion

Gegen das Vergessen wirkt die neueste Errungenschaft in der Ausstellung: ein kluger Gehstock mit Funktion. Ein Knopf an der Seite löst den Alarm aus. Der kann nützlich sein, wenn um Hilfe gebeten werden muss. Eine weitere Funktion ist das Ortungsgerät, das in den Gehstock eingebaut ist. „Der Nutzer kann einen Radius bestimmen. Wenn der Gehstock dann darüber hinaus benutzt wird, ertönt ein Signal. Ebenso kann der Stock überall geortet werden. Das ist besonder nützlich bei dementen Menschen, die die Orientierung verlieren“, sagt Christina Thamm.

Ein Highlight der Ausstellung, das immer wieder viele interessierte Blicke auf sich zieht, sind die Sessel mit Aufstehhilfe. „Vor allem älteren Menschen fällt das Aufstehen schwer. Verschiedene Modelle erleichtern dies, indem sie sich quasi nach vorne beugen und damit die Aufstehwirkung unterstützen“, sagt Christina Thamm und führt auch gleich einen solchen Sessel vor.

Dieser wirkt mit einer Art Feder, die sich mit der Kraft des eigenen Körpergewichtes beim Setzen zusammenzieht und die Spannung beim Aufstehen abgibt und die Sitzauflage somit nach vorne schiebt, je mehr Körpergewicht vom Sessel weggenommen wird. Die zweite Variante ist ein elektrischer Sessel, der über eine kabelgebundene Fernbedienung gesteuert wird. Somit kann die Intensität der Aufstehhilfe individuell gesteuert, und der Sitz zusätzlich auch noch in andere Positionen geneigt werden.

Nach zweieinhalb Stunden ist die Führung durch die Ausstellung vorbei und die Köpfe der Vestimmo-Leser sind voller neuer Ideen und Möglichkeiten, was das Leben mit den kleinen Hindernissen des Alltags angeht. „Es hat mir sehr gut gefallen“, sagt eine Teilnehmerin. „Vor allem, was man alles im Badezimmer machen kann.“ Was das genau ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Zuschüsse von Kranken- und Pflegekasse

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind. (SGB V §33). Ausschlaggebend, welche Mittel ausgegeben werden, ist der Hilfsmittelkatalog und ein Rezept vom Arzt. Beides muss von der Krankenkasse genehmigt und vom Sanitätshaus geliefert werden.


Die Pflegekasse kann für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 auf Antrag bis zu 4000 Euro als Zuschuss für Anpassungsmaßnahmen zahlen, die die häusliche Pflege in der Wohnung ermöglichen, erleichtern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung der pflegebedürftigen Person wiederherstellen sollen. Wohnen mehrere Anspruchsberechtigte zusammen, kann der Zuschuss bis zu viermal 4000 Euro, also bis zu 16 000 Euro betragen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Fotostrecke: 700 Feierwütige bei Hertens größtem Oktoberfest
Fotostrecke: 700 Feierwütige bei Hertens größtem Oktoberfest
Acht Verletzte - Polizeieinsatz bei Auswärtsspiel des SV Herta bei Westfalia Vinnum
Acht Verletzte - Polizeieinsatz bei Auswärtsspiel des SV Herta bei Westfalia Vinnum
Ermittlungen gegen Hochzeitskorso - Hinweise auf neue Straftaten
Ermittlungen gegen Hochzeitskorso - Hinweise auf neue Straftaten
Kein Rauchmelder – das hätte ein Mann fast mit dem Leben bezahlt
Kein Rauchmelder – das hätte ein Mann fast mit dem Leben bezahlt
Bundesliga-Topspiel im Ticker: Bayern verpasst Lucky Punch
Bundesliga-Topspiel im Ticker: Bayern verpasst Lucky Punch

Kommentare