Klaus Panzlaff überprüft seine Steuerungseinheit, die auf einem Tablet an der Wand zu sehen ist.
+
Klaus Panzlaff (62) überprüft seine „Steuerungseinheit“

Smarthome

Smart wohnen auf die einfache Art

  • Franziska Gerk
    vonFranziska Gerk
    schließen

RECKLINGHAUSEN. Verschiedene Sensoren im Haus so nutzen, dass sie den Alltag erleichtern: Smarthome-Systeme sind seit vielen Jahren auf dem Markt und haben oft den Ruf, nur etwas für technisch Versierte zu sein. Klaus Panzlaff aus Recklinghausen hatte noch eine andere Idee. Sein Ziel: Die Technik auch für Senioren und Nicht-EDVler erlebbar zu machen.

Zugegeben: Der IT-Fachmann selbst kennt sich in Sachen Computersteuerung berufsbedingt gut aus. Aber er denkt auch an andere. Und so hat er hat ein System entwickelt, das auch ohne Endgeräte wie Smartphone oder Tablet und Internet funktioniert – wenn man das möchte.

„Sehen Sie hier“, sagt Panzlaff und geht zu einem Lichtschalter. „Wenn ich diesen betätige, geht das Licht an. Ich kann aber auch sagen, dass dieser Lichtschalter nicht an dieser Wand, sondern an dieser Wand hängen soll“, erklärt er, nimmt den Schalter von der Wand ab und klebt ihn an die gegenüberliegende Raumseite. „Wie das geht? Dank Funktechnik, die dem Schalter erlaubt, sein Signal jederzeit und egal von wo an die Lampe zu senden.“ So sind ungünstig verlegte Stromleitungen und fehlenden Steckdosen kein Problem mehr. Denn der Schalter funktioniert unabhängig auf Knopfdruck überall dort, wo er in Funkreichweite ist. Kein Loch in der Wand, kein Internet, kein Computer – alles funktioniert in einem für sich abgeschlossenen System. Und eignet sich so auch für Rollstuhlfahrer oder bettlägerige Menschen, die nicht überall da rankommen, wo Lichtschalter für gewöhnlich angebracht sind.

Mehrfachschaltung möglich
Die Technikelemente lassen sich beliebig austauschen. Derselbe Schalter, der für das Licht zuständig ist, kann beispielsweise auch für die Türklingel, die Klimaanlage oder für die Außenbeleuchtung genutzt werden. Oder alles in Kombination zusammen dank Mehrfachschaltung. „Je nachdem, was Sie haben möchten, können Sie diese handelsüblichen Schalterserien kaufen. Die sind gar nicht so teuer“, meint der 62-jährige Recklinghäuser. Lachend fügt er hinzu. „Die Technik ist so einfach erklärt. Sie muss nur einmal programmioert werden.“

Das Equipment, das benötigt wird, besteht aus verschiedenen Sensoren, wie hier beispielsweise aus Schaltern und einem Heizungsthermostat.

Es gehe Panzlaff nicht darum, Werbung für seine Programmierungen zu machen. Vielmehr möchte er nach eigener Aussage ältere Leute an das Thema heranführen und zeigen, dass man zum Bedienen keine Ahnung von Computern oder Internet haben muss. Mit dem Schalter-Beispiel hat er das ganz anschaulich erklärt. Doch seine „verrückten Spielereien“ gehen noch viel weiter. „Möglich ist grundsätzlich erst mal alles“, sagt Panzlaff und führt einige anschauliche Beispiele an: Geht der Bewegungsmelder im Garten an, springt auch die Bewässerung an; fällt die Temperatur im Gewächshaus unter ein voreingestelltes Ziel, springt der Heizlüfter an; ist es im Sommer zu warm in der Wohnung und die Klimaanlage springt an, tasten Sensoren die Fenster ab und melden, wenn noch welche offenstehen.

Mehrfach am Tag überprüft Klaus Panzlaff die einzelnen Funktionen an seiner „Schaltzentrale“ (siehe großes Bild links). Zeigt das Tablet alle Symbole mit grünem Rahmen an, funktioniert alles, wie es soll. „Diese Ausrüstung“, so Panzlaff „ist aber etwas für den fortgeschrittenen Benutzer. Es geht auch ganz simpel mit einfachen An- und Ausschaltern.“ „Ist die Programmierung erst einmal vorgenommen, funktioniert das System nach einem Wenn-Dann-Schema“, erklärt der 62-Jährige. Beispiel: Wenn der Thermostat im Wohnzimmer eine Temperatur von 17 Grad misst, dann gibt er der Heizung das Signal, so lange zu heizen, bis die gewünschte Temperatur von 21 Grad erreicht ist. Ist es allerdings nachts, wird diese Funktion ausgeschaltet, weil die Heizung nachts nicht laufen soll. Sprachgesteuerte Systeme wie Alexa, Siri oder Google Chrome Cast kann man einbinden, muss man aber nicht.

Eigene Erfahrung
Dass sich sein System auch für Senioren eignet, fand Klaus Panzlaff heraus, als er den Alltag für seinen Vater einfacher gestalten wollte. Mit über 90 vergaß dieser nämlich mal das eine oder andere. „Mein Vater schaute beispielsweise gerne abends noch einmal aus dem Wohnzimmerfenster in den Garten. Dann zog er die Rollläden runter und vergaß, die Außenbeleuchtung auszumachen“, erzählt Klaus Panzlaff. Der Recklinghäuser programmierte die elektrischen Rollläden so, dass wenn sie geschlossen sind, auch das Licht ausgeht. Die erste Smarthome-Idee war geboren.

Panzlaff hat sein System optimiert und auch schon einige Häuser damit ausgestattet. Möglich ist alles, was die Bewohner möchten. Er verbindet beispielsweise den Rauchmelder mit einer Lichtsteuerung. So werden auch Schwerhörige im Brandfall aufmerksam, weil das Licht zu flackern beginnt. Brennt es in der Wohnung, geht das Licht an, dann die Rollläden fahren automatisch hoch und das Türschloss entriegelt sich. So kann problemlos der Weg nach draußen gefunden werden. „Es gibt unzählige Möglichkeiten zur Programmierung. Für die Simpelste braucht es nicht mehr als eine Stromleitung. Und die hat jeder zuhause“, erklärt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Gefälschte Immobilien-Inserate: So erkennen Sie Betrüger
Gefälschte Immobilien-Inserate: So erkennen Sie Betrüger
Gefälschte Immobilien-Inserate: So erkennen Sie Betrüger

Kommentare