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Experten-Kolumne von Margareta Kulmann-Rohkemper

Den Urlaub nach Hause holen

Urlaubsbilder im Kopf sind meist unter freiem Himmel angesiedelt: der Blick in die Abenddämmerung am Meer, die sonnenbeschienene Alm oder auch der kühle Drink am Pool – alles Freiluftbilder.

Wer nicht gerade bei einem Städtetrip von einem Museum, Konsum- oder Partytempel zum nächsten zieht, ist im Urlaub auf der Suche nach Entspannung unter freiem Himmel. Das Gleiche gilt auch für den Gartenliebhaber: Sich der Natur nah fühlen, sie beobachten, zur Ruhe kommen, das Gefühl genießen, Zeit zu haben – all das sind Gründe dafür, dass Menschen Gärten lieben. Was liegt näher, als den Garten in Anlehnung an die Lieblingsdestination zu gestalten?

Die Verknüpfung von Garten und Urlaub ist an sich eine wunderbare Idee, allerdings erfordert ihre Umsetzung einiges Fingerspitzengefühl, denn die Ostseeatmosphäre stellt sich nicht allein dadurch ein, dass man sich einen Strandkorb in den Hausgarten stellt. Wie bei jeder Gartenumgestaltung ist auch beim Projekt Urlaubsgarten ein geschärfter Blick für das große Ganze ebenso wichtig wie der für die kleinen Details.

Oberstes Gebot: Das Gartenkonzept muss stimmig sein. Ist das der Fall, stellt sich ganz von selbst das Gefühl ein, sich in diesem Garten wohlzufühlen. In der Praxis heißt das, dass die gewählten Gestaltungselemente in Stil, Form- und Farbgebung sowie in ihren Proportionen zueinander passen sollten. Wichtig ist auch, die Architektur des Hauses in die Überlegungen einzubeziehen: Ein toskanisch anmutender Mittelmeergarten verträgt sich nicht mit weiß getünchter Bauhausarchitektur.

Nicht kopieren, interpretieren

Selbst wenn das Haus zum Stil der favorisierten Urlaubsregion passt, sollte dennoch der geplante Urlaubsgarten nicht einfach eine Kopie dessen sein, was man in den Ferien gesehen hat. Das geht in den allermeisten Fällen schon aus Gründen des Klimas nicht. Hinzu kommt die Beschaffenheit der Böden. Sie ist entscheidend für die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen. Da haben Pflanzen ebenso unterschiedliche Ansprüche.

Der Schlüssel zum Urlaubsgartenglück liegt darin, all die Elemente, die die Atmosphäre am Urlaubsort prägen, genau zu betrachten und sie für die Gegebenheiten zu Hause zu übersetzen. So lässt sich Dünenatmosphäre rund um den Strandkorb nicht nur dadurch erzeugen, dass man Sand aufschüttet. Wer das Gelände sanft modelliert, es mit genügsamen Gräsern in Anlehnung an Strandhafer und den im Norden verbreiteten Hundsrosen bepflanzt, unterbrochen vielleicht durch einen Weg aus Holzbohlen oder feinstem Kies, hat schon viel dafür getan, dem Strandkorb einen passenden Rahmen zu geben und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Gartenbild lange schön und gesund bleibt. Vielleicht sorgt sogar noch ein Wasserspiel für die passende Geräuschkulisse.

Wer sich Bella Italila in den Garten holen möchte, setzt statt auf die frostempfindlichen Olivenbäume in hiesigen Breiten zum Beispiel lieber auf die weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia). Deren Laub hat das gleiche silbrige Schimmern, das die Olive so attraktiv macht, und sie kommen mit weniger Sonne ebenso zurecht wie mit viel Regen und Bodenfrost.

Doch natürlich gehört zur Urlaubsatmosphäre noch mehr als die passende Bepflanzung: lauschige Sitzplätze zum Beispiel oder Schwimmgelegenheiten. Die lassen sich natürlich auch wunderbar „im Stile von“ anlegen. Berankte Pergolen, Bruchsteinplatten oder natürlich auch ein schimmernd blauer Pool mit Deckchairs passen – in eine stilsichere Gesamtplanung eingebunden – auch hervorragend nach NRW.

Was es in jedem Fall braucht für eine Uminterpretation wie für jede gelungene Gartengestaltung: viel Pflanzenwissen, Stilempfinden und Materialkenntnis. Damit lässt sich gestalterisch aus dem Vollen schöpfen – und wer weiß: Vielleicht ist es am Ende dann gar nicht mehr so wichtig, dass der heimische Garten dem im Urlaub ähnelt, einfach, weil er dank guter Planung und individueller Pflanzenauswahl einfach so zum perfekten Wohlfühlort geworden ist.

Margareta Kulmann-Rohkemper ist Garten- und Landschaftsarchitektin. Die Expertin gehört zu den „Gärtnern von Eden“, einem Zusammenschluss von rund 50 Gartenbaubetrieben.

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