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Schottervorgärten bieten viel Stoff zur Diskussion. In Bremen soll deshalb ein Gesetz erlassen werden.

Städte reagieren

Verbot für Steingärten: Experten sagen Schotterwüsten den Kampf an

Nicht jeder hat die Zeit oder die Lust, sich um Grünflächen zu kümmern - oft ist dann ein Steingarten die Lösung. Doch Naturschützer warnen.

Update vom 19. Mai: Naturschützer und Bienenfreunde warnen vor Steingärten

Von wegen Wildwuchs: In deutschen Vorgärten und Wohnsiedlungen bevorzugen Bauherren oft die pflegeleichten Schotter- oder Kiesgärten. Schon seit längerem wird in manchen Städten über solche spärlich bepflanzten Flächen debattiert, wo sich statt bunter Blumen und Bienen kleine und große Steine (neben Zierpflanzen) finden. Vor allem, wenn dann noch im Zusammenspiel mit gepflasterten Flächen regelrechte Schotterwüsten in den ohnehin schon stark versiegelten Städten entstehen.

Naturschützer warnen in dem Zusammenhang vor einer "Versteinerung" der Städte. Und auch in einigen Stadtverwaltungen regt sich Widerstand. So ein Beispiel ist einem Bericht von geo.de zufolge die Stadt Erlangen - die "erste Stadt in Bayern", die bei Neu- und Umbauten "Betonwüsten" verbiete. Zudem müssten dort Flachdächer und fensterlose Fassaden begrünt werden. Das Prinzip der Freiwilligkeit, so die Stadtverwaltung, habe nichts gebracht, heißt es in dem Bericht auch. Darum sei die Freiflächengestaltungssatzung entsprechend ergänzt worden.

Auch Wildbienen sehen Umweltschützer zunehmend gefährdet. Ihre Nistmöglichkeiten würden immer seltener. Pestizideinsatz, Flächenversiegelung und Monokulturen auf vielen Grünflächen machten den Brummern das Leben schwer.

"Vor allem den Wildbienen geht es dramatisch an den Kragen", zitiert Express.de zum Beispiel den Experten Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Ein Drittel von dem, was wir essen, hänge von der Bestäubung der Bienen ab, heißt es weiter in dem Bericht – und könnte dem Experten zufolge um zehn bis 15 Prozent ertragreicher sein, wenn wir die Bestäubung optimieren würden. Vor allem durch die Wildbiene. Immer mehr Städte ließen mittlerweile zwar Gras stehen, mähten nur zweimal im Jahr - oder pflanzten Bienenwiesen an, heißt es in dem Bericht auch. Doch am meisten, so berichtetet es Express.de, würde sich der "Bienenfreund" über einen Erlass gegen die "perversen Steingärten" freuen, die in der jüngsten Vergangenheit farbenprächtige Vorgärten abgelöst hätten. Zurück zur Natur müsse mehr als ein Slogan sein.

Blühstreifen am Gemüsebeet sind gut für Insekten

Ursprünglicher Artikel vom 11. April 2019: Schottergärten in der Kritik

Bremen - In einem Schotter-Vorgarten steht ein rosa Plastik-Flamingo, in einem anderen sind zwischen Unmengen von Steinen vereinzelte gelbliche Grasbüschel und dunkle Kiefernbüsche zu sehen. Auf der satirischen Facebook-Seite "Gärten des Grauens" werden beinahe täglich skurrile Fotos deutscher Gärten hochgeladen. Verwandeln sich tatsächlich immer mehr private Grundstücke in öde Kies- und Steinwüsten - sei es aus Bequemlichkeit oder Zeitnot der Eigentümer? Möglicherweise finden einige Hausbesitzer die Außengestaltung mit Beton-Blöcken und Gabionen - das sind mit Steinen gefüllte Drahtkörbe - auch schöner als blühende Blumen.

Steingärten ade? Bremen arbeitet an Gesetz zur Begrünung von Freiflächen

Förderprogramme zur Bepflanzung von Dächern, Fassaden und Hinterhöfen gibt es in so gut wie allen deutschen Metropolen von München bis Hamburg. Die Stadt Bremen will mit einem "Ortsgesetz über die Begrünung von Freiflächen und Flachdachflächen" noch einen Schritt weiter gehen.

Der Gesetzentwurf des rot-grünen Senats soll in der zweiten Maiwoche in der Bremischen Bürgerschaft verabschiedet werden. Er sieht vor, dass Außenflächen "zu begrünen oder zu bepflanzen sind", sollte dies nicht einer anderen zulässigen Verwendung entgegenstehen. Im Klartext: Hütten, Terrassen oder gepflasterte Fahrrad-Stellplätze sind erlaubt, große Steinbeete nicht.

Video: Gärten des Grauens - Steingärten sind Ökosünde

"Es ist das Bestreben, der schleichenden Verschotterung der Vorgärten einen Riegel vorzuschieben und dort eine Bepflanzung sicherzustellen", sagt Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne). Vor allem gehe es um die Verbesserung des kleinräumigen Stadtklimas angesichts künftiger Hitzesommer und Starkregen-Ereignisse. Das neue Gesetz, das nicht für Bremerhaven gilt, entstand auf Initiative der Grünen. Eine Liste insektenfreundlicher Pflanzen soll den Grundstücksbesitzern an die Hand gegeben werden. Bestehende Gärten und Bauanträge sind von der neuen Regelung, die noch im Mai in Kraft treten soll, nicht betroffen. "Es gibt keine Eingriffe in Besitzstände von Menschen", betont Lohse.

Auch interessant: Artenvielfalt: So sorgen Sie für blühendes Leben im heimischen Garten.

Ihre Meinung ist gefragt

Begrünter Garten muss nicht unbedingt zeitaufwändiger sein als Steingarten

Auch der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (GaLaBau) bedauert den Trend zu leblosen grauen Gärten. "Viele glauben leider, es sei pflegeleichter als bepflanzte Flächen", sagt Sprecher Andreas Stump. Hinzu komme das Angebot an verpackten Kieseln oder Schotter in handlicher Größe in Baumärkten. Der Verband plädiert jedoch für Empfehlungen und Beratungen statt Verbote und hat eine Initiative unter dem Motto "Rettet den Vorgarten" gestartet.

Der Naturschutzbund (Nabu) sieht dagegen die Kommunen stärker in der Pflicht. Einige Städte seien schon sehr aktiv, sagt Nabu-Gartenexpertin Marja Rottleb. So gebe es in Heilbronn ein Stein- und Schottergartenverbot für Neubaugebiete. Vielerorts wird in Kommunalparlamenten heftig diskutiert, wie weit Behörden in die Privatsphäre eingreifen und Bürgern die Gartengestaltung vorschreiben dürfen.

Die Steine stammten meist nicht aus dem heimischen Steinbruch, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit überwiegend aus China oder Indien, kritisiert der Nabu. Andreas Meinberg, Inhaber des Betriebs SteinGitterWand in Storkow bei Berlin, betont, seine Steine stammten aus Deutschland und Europa. Er plädiert für mehr Gelassenheit in der Diskussion. Seinen älteren Kunden gehe es um weniger Arbeit auf dem Grundstück. "Sie müssen nicht mehr den Zaun streichen oder die Hecke schneiden."

Grünen-Politiker Lohse betont, ein Garten mit heimischen Pflanzen sei nicht automatisch pflegeintensiver oder teurer. Vielmehr steige die Lebensqualität, sagt der Umweltsenator: "Die Insektenwelt kann sich hier entfalten, auch Bodenorganismen bis hin zu Singvögeln. Wenn im Garten die Vögel singen, tut das auch den Menschen gut."

Wie Sie aus Ihrem eigenen Garten ein Paradies für Bienen machen, erfahren Sie im Übrigen hier.

dpa

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