Schutz vor Corona: Handschuhe und Masken gehören in den Restmüll
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Schutzmasken gehören für Maklerinnen und Makler zum Arbeitsalltag.

Der regionale Immobilienmarkt im Angesicht der Corona-Krise

Virus im Vest: Makeln mit Maske

  • Tobias Mühlenschulte
    vonTobias Mühlenschulte
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Corona und kein Ende: Auch der Immobilienmarkt im Kreis Recklinghausen bleibt von der globalen Krise nicht unberührt. Zwar wirkt sich das Virus aktuell nicht auf Angebot und Nachfrage von Häusern aus. Aber die Maklerinnen und Makler im Vest arbeiten anders als sonst. Nicht zuletzt sind Schutzmasken Bestandteil ihres Arbeitsalltags geworden. Vestimmo hat bei Objektvermittlern in der Region nachgefragt, wie sich die Corona-Krise auf ihren Job auswirkt, und was sie für die Zukunft erwarten.

Vorerst bleibt es dabei: Der Immobilienmarkt im Kreis Recklinghausen wird bestimmt von einer hohen Nachfrage und einem geringen Angebot. Das haben alle von Vestimmo angefragten Makler angegeben. Wesentliche Bewegungen am Markt habe es nicht gegeben. Zwar stünde vielen Menschen durch die Corona-Krise eine finanziell ungewisse Zukunft bevor, sagt etwa Maklerin Silke Duis aus Waltrop, gleichwohl sei nach wie vor „eine Investition in Grund und Boden eine verlässliche Grundlage für die eigene Vermögensplanung.“ Das sei vermutlich der Grund dafür, dass in ihrem Unternehmen kein Rückgang von Immobilienanfragen festgestellt werden konnte. Duis: „Dies hat zur Folge, dass auch bezüglich der Kaufpreise kein Abwärtstrend festzustellen ist.“ 

Ähnlich schildert es Miguel de Freitas von Gründken & de Freitas Immobilien in Waltrop, der nach einer anfänglichen „Schockstarre“ eine stärkere Nachfrage nach Wohnimmobilien ausgemacht haben will: „Eventuell hat das eigene Heim für die Menschen durch die viele Zeit in den eigenen vier Wänden noch mehr an Bedeutung gewonnen.“ Zuvor habe es jedoch eine Phase gegeben, in der zwei Wochen lang das Telefon stillgestanden habe und auch kaum Anfragen per E-Mail eingegangen seien. 

„Mit größeren Auswirkungen gerechnet“ 

Auch das Immobiliencenter der Sparkasse Vest Recklinghausen verzeichnete eine „kleine Delle im März“, wie Vertriebsdirektor Andreas Lipps den leichten Umsatzeinbruch beschreibt. Er sagt aber auch: „Wir haben mit größeren Auswirkungen gerechnet.“ Die Corona-Krise habe sich bislang nicht auf die Preise ausgewirkt. Was wohl auch mit dem Ungleichgewicht des Marktes zu erklären sei: Sprang ein Käufer ab, sei ein anderer Interessent nachgerückt. Gleichwohl vermutet Lipps, dass einige Eigentümer aufgrund der Situation vorerst von einem Verkauf absehen. 

Eine etwas andere Erfahrung beschreibt Ralf Pietzsch (Pietzsch Maklerservice, Marl). „Überaus viele Anfragen nach Immobilien“ sowohl im Verkaufs- als auch im Vermietungsbereich habe man verzeichnet. „Es gab konkret zwei Kaufabsagen, die auf Unsicherheit hinsichtlich der Corona-Krise zurückzuführen waren“, so der Makler. 

Exposés per Post und virtuelle Besichtigungen 

Und wie gestaltet sich die Arbeit für Maklerinnen und Makler im Vest? Schutzmasken sind Standard bei persönlichen Kundenkontakten. „Wir haben seit Beginn der gesetzlichen Vorgaben auch unsere Besichtigungstermine entsprechend angepasst“, sagt Denis Schneider, Immobilienberater bei Volksbank Immobilien (Volksbank Marl-Recklinghausen). „Bevor wir Termine abstimmen, teilen wir unseren Kunden die zulässige Personenzahl für Besichtigungen mit, und weisen auf die Abstandsregelung und die Maskenpflicht hin.“ 

So hält es Jan-Peter Gövert (Gövert Immobilien, Recklinghausen) auch. Und: „Exposés verschicken wir per Post, da diese während der Besichtigung nicht übergeben werden dürfen.“ Auch andere Makler-Unternehmen im Vest sind dazu übergegangen, neue Wege zu beschreiten. Immobilien-Kontor Gaskow aus Marl etwa: „Wir setzen bereits seit einigen Jahren auf qualitativ hochwertiges Immobilienmarketing, digitale 360-Grad-Besichtigungen und 3D-Rendering, um den Interessenten bereits vor der realen Besichtigung einen umfassenden Eindruck zu verschaffen", sagt Daniel Gerbaulet. Das schütze nicht nur vor etwaigen Enttäuschungen, sondern reduziere ferner auch die Ansteckungsgefahr. 

Strohfeuereffekt nach der Krise zu erwarten 

Was die langfristigen Erwartungen für den Immobilienmarkt betrifft, können sich die meisten der befragten Makler zumindest kurzfristige Veränderungen vorstellen. Die hohen Preise aber würden stabil bleiben, sagt das Gros. Jan-Peter Gövert rechnet mit einem „Strohfeuereffekt“ nach der Krise: „Dann treten diejenigen Eigentümer auf den Markt, die ihre Verkaufsabsicht im Augenblick noch in den Hintergrund stellen.“ Gövert geht jedoch nur von einer „überschaubaren und kurzfristigen Angebotserhöhung“ aus, die von der nachhaltig hohen Nachfrage zügig absorbiert werden würde. 

Christa Schmidt-Heimken (Christa Schmidt-Heimken Immobilien, Herten) kann sich ebenfalls vorstellen, dass etwas Bewegung in den Markt kommt, wenn bedingt durch Corona „Arbeitsplätze wegfallen, Leute ihr Einkommen nicht mehr haben und in der Folge ihre Kredite für Immobilien nicht mehr bedienen können“. Diese Häuser landeten dann auf dem Markt. Ähnlich sieht es Silke Duis. Die Maklerin aus Waltrop bezweifelt jedoch, dass „dies zu einer spürbaren Verringerung der Kaufpreise führt“. Dafür sei der Bedarf auf dem Immobilienmarkt einfach zu groß. 

„Der Wettbewerb bleibt, wie er ist“, ist sich auch Andreas Lipps sicher. Man werde mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen haben wie heute. Im Bereich der Vermarktung hingegen rechnet der Vertriebsdirektor mit Veränderungen: „Die Digitalisierung wird verstärkt in Anspruch genommen.“ – Auch das Immobiliencenter der Sparkasse Vest Recklinghausen arbeitet etwa mit Aufnahmen von 360-Grad-Kameras, die virtuelle Besichtigungen einer Immobilie ermöglichen. 

Nachfrageüberhang, „doch wie lange noch?“ 

Denis Schneider hingegen kann sich langfristige Veränderungen vorstellen: „Ein Rückgang kaufwilliger Interessenten und eine Zunahme des Immobilienangebots könnten zu Preisrückgängen führen bzw. den aktuellen Preisanstieg bremsen.“ Auch Miguel de Freitas ist skeptisch: „Derzeit herrscht noch Nachfrageüberhang. Doch wie lange noch?“ Durch Kurzarbeit und Jobverlust würden zwangsläufig in absehbarer Zeit viele Immobilien verkauft oder versteigert werden müssen. „Es wird dann spannend“, glaubt der Makler. Ralf Pietzsch indes spekuliert sogar mit einer erhöhten Nachfrage: „Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, ein schönes Zuhause und ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu haben.“

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