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Mehr als 60 Interessierte waren der Einladung der Volksbank Marl-Recklinghausen und des Vestimmo-Magazins gefolgt, um sich über das Thema Sanierung bzw. "Schäden am Haus erkennen" zu informieren.

Vestimmo-Leserseminar "Schäden am Haus erkennen"

Wenn der Traum vom Haus zum Albtraum wird

Schimmelpilz, Wasserschäden, abenteuerlich verlegte Stromleitungen: Das ist der Arbeitsalltag von Kai Schmitz. Beim Vestimmo-Leserseminar „Schäden am Haus erkennen“ in Recklinghausen stellte der Sachverständige nun einige seiner krassesten Fälle vor.

Seit 1993 ist Schmitz in der Bau- und Immobilienwirtschaft tätig – und hat schon vieles gesehen, was ihn „die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“ ließ. Diese Formulierung wählt der Referent im Verlauf seines Vortrags im Beratungszentrum am Kurfürstenwall in Recklinghausen oft, untermalt mit entsprechenden Foto-Dokumenten, die er auf unterschiedlichen Baustellen gemacht hat. Mehr als 60 Interessierte waren der Einladung der Volksbank Marl-Recklinghausen und des Vestimmo-Magazins gefolgt, um sich über das Thema Sanierung bzw. „Schäden am Haus erkennen“ zu informieren. 

Kai Schmitz ist Sachverständiger für Bauschadenbewertung im Hochbau, für die Erkennung, Sanierung und Vermeidung von Schimmelpilzschäden in Innenräumen, für Holzschutz am Bau, für Asbestarbeiten, für Trinkwasserhygiene und für die Bewertung von bebauten oder unbebauten Grundstücken.

Aber so weit muss es gar nicht kommen. Ein aufmerksames Auge ist schon bei einem Neubau gefragt. „Sie haben als Bauherr die Kontrollfunktion, die sollten Sie wahrnehmen“, rät Schmitz den Seminarteilnehmern. Fehlerquellen ließen sich so vermeiden. Die Verantwortung könne aber auch übertragen werden: „Die Beauftragung eines externen Bauleiters kostet zwar Geld, zahlt sich aber aus.“ Mit etwa 4500 Euro Honorar könne man dann rechnen. „Der Bauleiter darf sich dann aber nicht nur auf ein paar Besuche auf der Baustelle beschränken“, so Schmitz. Das Protokollieren in einem ausführliches Bautagebuch durch ihn verstehe sich außerdem von selbst. 

Die „Horrorshow“ auf dem großen Monitor im Saal beginnt mit Aufnahmen aus einem überschwemmten Aufenthaltsraum in einem gerade eröffneten Seniorenheim. Die Schäden, die ein ans Gebäude angrenzender Teich beim Übertreten der Ufer verursachte, lassen sich aber auch auf ein Privatgebäude übertragen. Die komplett verschimmelten Rigipsplatten, die Schmitz und sein Team vorfanden, waren aber gar nicht das eigentliche Übel. Vielmehr stellte sich vor Ort heraus, dass beim Einbau von Vorwandinstallationen augenscheinlich mit verrosteten Schrauben gearbeitet worden war. Solch ein Fehler stellt vielleicht kein allzu arges Problem dar, aber sicherlich eines, das sich von Anfang an hätte vermeiden lassen können. 

Sanierung wird auch mal zur "Sanirrung"

„Sanierung heißt übersetzt Heilung“, sagt Kai Schmitz. Allerdings gewinne er angesichts schludrig ausgeführter Arbeiten verschiedener Gewerke zunehmend den Eindruck, dass aus einer Sanierung ganz schnell eine „Sanirrung“ werden kann. Gute Handwerker sind aktuell schwer für Aufträge zu bekommen, das weiß auch der Referent. 

Was für immense Kosten eine Sanierung nach sich ziehen kann, veranschaulicht er anhand eines Extrembeispiels: Ein denkmalgeschütztes Haus, das ein Paar für 259 000 Euro erstanden hatte, wies eine derart marode Bausubstanz auf, dass die „Heilung“ mit 600 000 Euro zu Buche schlug. Einen großen Teil dazu beigetragen hatte „Serpula lacrymans“: „Der echte Hausschwamm ist der größte Gebäudezerstörer, den wir kennen.“ 

Silberfische führen auf die Spur von Pfuschern

Manchmal wird‘s auch tierisch in Kai Schmitz‘ Beruf. Kunden, so berichtet er, hätten ihm von „einigen“ Silberfischen in ihrem Neubau erzählt. Er rückte aus, forschte nach, und stieß auf ungeheuerliche Mängel, angesichts derer die tatsächlich von ihm vorgefundene Anzahl Silberfische – 5000 Stück – zur absoluten Nebensache wurde. Ein Stahlträger war ohne jegliche Dämmung in eine Außenwand gesetzt worden, die nun feucht und porös geworden war. 

Aber das war noch nicht alles: Im Verlauf der weiteren Bauwerksdiagnose stieß Schmitz im Keller des Hauses auf eine Leckage in der Soleleitung der Wärmepumpe. Im Grund nichts dramatisches, wäre da nicht der Zählerkasten in nur 1,20 Meter Entfernung gewesen. „Der Zählerkasten hätte niemals dort hängen dürfen!“, so der Experte. Blitze und auch Feuer wären möglich gewesen. Die Sache ging vor Gericht, weil nicht klar war, in welcher Reihenfolge die Gewerke Sanitär und Elektrik gearbeitet hatten. Des Rätsels Lösung: Es war der Elektriker. (tom)

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