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EZB-Zentrale in Frankfurt am Main

Experten-Kolumne von Markus Frings

Zinspolitik der EZB vernichtet Vermögen und Vertrauen

Mit Christine Lagarde gibt es an der Spitze eine neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie übernimmt von ihrem Vorgänger Mario Draghi ein schweres Erbe.

In den vergangenen Monaten und Jahren hat der Protest der Ratsmitglieder in der EZB und auch einstiger Notenbankchefs keine Wirkung gezeigt. Vor ein paar Wochen protestierten zudem hochrangige ehemalige Währungshüter in einem gemeinsamen Manifest gegen die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und kritisierten die Geldschwemme scharf. Die Protestler zählen allesamt zu den Geburtshelfern des Euro und gelten als Initiatoren der gemeinsamen Zentralbank. Wenn diese Ex-Notenbanker mit dem Kurs der EZB fremdeln, zeigt sich, wie ernst die Lage ist.

Die EZB hat über Jahre hinweg die Grenzen ihres Mandats weiter ausgedehnt und sich der verbotenen Staatsfinanzierung zumindest verdächtig gemacht. Diese „Therapie“ aus negativen Zinsen und Ankauf von Staatsanleihen wirkt schädlich und die Wirkungen und positiven Effekte auf das Wachstum im Euroraum und die Preise sind nicht mehr wahrnehmbar. Es türmen sich in der Eurozone die Berge aus Staatsschulden gen Himmel.

Das alles trifft insbesondere Versicherungen, Versorgungskassen und Rentenkassen mit voller Wucht. Das Geschäftsmodell der Banken als Stützen der Wirtschaft erodiert. Wer in dieser verkehrten Welt sorgfältig wirtschaftet, wird bestraft. Und es trifft am Ende jeden von uns, denn die Geldpolitik nimmt uns die Chance auf eine auskömmliche Altersvorsorge. Ein Blick in die Ablaufprognose Ihrer Renten- oder Lebensversicherung führt Ihnen dies erschreckend klar vor Augen. Die wichtige Planungs- sicherheit, gerade für junge Leute, gehört der Vergangenheit an. Wer nach vermeintlich sicheren Anlagemöglichkeiten sucht, findet keine annähernd lukrative Geldanlage.


Immobilienkauf für viele Bürger unerreichbar

In einer Welt des billigen Geldes wird der Wohlstand zugunsten der Immobilienbesitzer und Aktienanleger umverteilt. Die sich daraus ergebenden Folgen haben auf vielen Märkten gefährliche Blasen entstehen lassen. Der Preiswahnsinn bei Immobilien zeugt unter anderem davon, und für viele „normale“ Bürger ist der Immobilienkauf so unerreichbar geworden. Glücklich ist der, der bereits eine Immobilie besitzt, oder zumindest ein paar Euro in Aktien oder Investmentfonds investiert hat.

Für Immobilienerwerber in spe wird es immer schwieriger, Geld anzusparen und so dem steigenden Trend bei den Immobilienpreisen entgegenzuwirken. Denn die hohen Preise sorgen für steigende Anforderungen ans Eigenkapital für die Finanzierung. Immobilienmakler, das Finanzamt, das Grundbuchamt und die Notare profitieren von den höheren Preisen, die die Grundlage für Ihre Honorare, Gebühren und Steuern sind.

Auch die extrem günstigen Zinsen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass zunächst mehr Geld in die Hand genommen werden muss. Wenn beispielsweise der Aufpreis für einen um 10 000 EUR höheren Immobilienkredit gerade mal um rund 25 Euro monatlich ausmacht, ist die Verlockung groß, das Preisbudget für den Immobilientraum nach oben auszureizen. Das befeuert die Preise zusätzlich.

Einer Hüterin unserer Währung wie der EZB kann das doch alles nicht egal sein, wenn sie ihre Aufgabe als Wächterin über die Preisstabilität ernst nimmt. Zentralbanken sind mächtige Akteure an den Finanzmärkten und von Natur aus unabhängig. Niemand sollte Ihnen in Ihre Geldpolitik hineinreden. Ihre Macht jedoch gründet auf einer Währung, die sich niemals einfach nachdrucken lässt: Vertrauen. Schwindet es, schwindet auch die Macht.

Markus Frings ist gelernter Bankbetriebswirt und Leiter der Immobilienfinanzierung bei der Volksbank Marl- Recklinghausen. Er berät bei allen Fragen rund um die Finanzierung eines Hausbaus oder -kaufs.

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