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Holztechniker Gebhard Heymans aus Waltrop war Referent beim Innentüren-Seminar im Holzland Bunzel in Marl

Leserseminar "Innentüren selbst einbauen"

In zwei Stunden zum Profi für Innentüren

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„Den überrascht nichts mehr“, schließt Gastgeber Peter Hönighaus im Holzland Bunzel seine kurze Vorstellung des Seminarleiters. Der selbstständige Gebhard Heymans (63) aus Waltrop ist seit über 50 Jahren in der Holztechnikbranche – und deshalb genau der Richtige, um durch die Veranstaltung „Innentüren selbst einbauen“ zu führen.

Als „Versuchskaninchen“ dient an diesem Samstagvormittag eine originalverpackte Holztür samt Zarge und Zierblende, die am Ende des Seminars passgenau im aufgestellten Demonstrationsrahmen sitzt. Die Teilnehmer, 16 Männer und zwei Frauen, verfolgen aus nächster Nähe jeden Arbeitsschritt von Gebhard Heymans.

Der Einbau von flächenbündigen Türen, so erklärt der Fachmann gleich zu Anfang, sei für Anfänger nicht zu empfehlen, da er ein sehr genaues Arbeiten erfordere. Ein ohnehin unverzichtbares Werkzeug für die Montage sei eine Wasserwaage, idealerweise ein zwei Meter langes Modell, das genaues, lotrechtes Arbeiten auch in der Senkrechten ermögliche.

"Erst die Tür einbauen, dann tapezieren"

 „Zu 80 Prozent müssen Sie bei einer Renovierung, weshalb die meisten von Ihnen wohl hier sind, auch tapezieren“, sagt Heymans den Seminarteilnehmern in dem Holzfachmarkt in Marl-Brassert. Die Faustregel kann deshalb nur lauten: „Erst die Tür einbauen, dann tapezieren. Sonst fangen Sie nochmal von vorne an.“ 

Besondere Vorsicht sollte man auch beim Einbau in Altbauten walten lassen, weil dort die Wandstärken abweichen können: „Da kann es vorkommen, dass sie unten zehn Zentimeter haben, während die Wand oben 13 Zentimeter dick ist.“ Deshalb sollte immer wieder die Wasserwaage angesetzt werden. 

Die Seminarteilnehmer - 16 Männer und zwei Frauen - konnten dem Profi Gebhard Heymans jederzeit Fragen stellen.

Zwischenfragen sind jederzeit erlaubt, davon machen die angehenden Innentür-Profis auch Gebrauch. Einige Fragen sind vermeintlich banal, etwa während des Zusammenbaus der Zarge: „Kann ich statt eines Akkuschraubers auch einen Schraubendreher verwenden?“ Es geht aber auch spezifischer: „Kommt auf die Flächen der Gehrung auch Leim?“ Heymans kann beide Fragen bejahen. Ein anderer Teilnehmer möchte wissen: „Was mache ich, wenn ich keine Spreize zur Hand habe?“ 

Ein Kantholz kann eine Spreize ersetzen

Die Spreize ist eine Strebe, mit der Bauteile abgespreizt, also auf Abstand gehalten werden. Der Profi weiß Rat: „Sie können stattdessen auch ein Stück Holz verwenden, um die beiden Seiten der Zarge zu fixieren. Dann benutzen Sie aber unbedingt Taschentücher an den Enden, um die Oberfläche der Zarge, beziehungsweises des innenliegenden Futters nicht zu beschädigen.“ 

„Prüfen Sie nach dem Auspacken der Tür, ob alle Teile in Ordnung sind“, rät Heymans den Seminarteilnehmern. Mit Schrauben und Leim verbindet er die beiden Längsteile der ab Werk vorverkleideten Zarge mit dem Querstück. „Kontrollieren Sie nochmal ob die Teile passen, ob sie bündig sind“, fährt der staatlich geprüfte Techniker fort. „Wenn es sein muss, lösen Sie die Teile nochmal.“ Wer einen Schnellleim für die Türmontage verwende, müsse sich jedoch darüber bewusst sein, dass dieser bereits innerhalb kurzer Zeit abgebunden, also trocken sei. 

Türbänder mit Unterlegscheibe einklopfen

Dann sind die Bänder an der Reihe – die zwei Teile, in die die Tür später eingehängt wird. „Manchmal sitzt Dreck in den vorgefertigten Löchern, den müssen Sie natürlich herausholen“, mahnt Heymans. Mit einem Hammer klopft er die beiden Metallteile ein, dabei gewährleistet eine Unterlegscheibe aus Kunststoff, dass die darunterliegende Oberfläche keinen Schaden nimmt. Der Fachmann überprüft ein letztes Mal, ob die Abstände der Zarge von Längsseite zu Längsseite gleich sind – oben und unten. „Die Zarge ist jetzt soweit fertig.“ 

Mit einem Hammer werden die Bänder in die Zarge getrieben. Eine Unterlage verhindert dabei Schäden auf der Oberfläche.

Gebhard Heymans, der ganz klassisch mit einer Tischlerlehre in seinen Beruf startete, trägt den montierten Rahmen zu dem Wandkonstrukt (Foto oben rechts), das auf einer kleinen Bühne im Holzland Bunzel steht. Zwischen Zarge und Wand treibt er Holzkeile – unten, mittig und oben. Mit einer Schraubzwinge fixiert der 63-Jährige dann Rahmen und Wandstück: „Machen Sie es fest, sonst fällt‘s um.“ Die lange Wasserwaage kommt zum Einsatz. Die Bänder müssen lotrecht sein, „sonst läuft die Tür auf oder zu“, erklärt er den Seminarteilnehmern. Soll heißen: In geöffnetem Zustand fällt die Tür entweder von alleine ins Schloss oder schlägt an die Wand. 

Tipp: Tür vor dem Ausschäumen einhängen

Als nächstes hängt Heymanns die Tür ein. Das ist für die Teilnehmer neu. Einige von ihnen haben bereits Erfahrung im Türeinbau, von diesem Kniff hören sie aber zum ersten Mal. Die eingehängte Tür sorgt für Stabilität, so der Holztechniker. Und weiter: „Es ist unerlässlich, dass der Spalt zwischen Tür und Zarge gleich ist.“ Die Abstände ließen sich mit der Spreize regulieren. Besonders wichtig sei dabei die Ausrichtung der Bandseite, „die andere Seite ist unkritisch“. 

Für das Ausschäumen des Rahmens in der Wand empfiehlt Fachmann Gebhard Heymans Zweikomponentenschaum.

Dann geht es ans Ausschäumen der Zwischenräume. Dafür empfiehlt Heymans Zweikomponentenschaum: „Wenn der ausgehärtet ist, passiert gar nichts mehr.“ Vom Verwenden eines Einkomponentenschaums rät er dringend ab. Nach dem Aktivieren solle die Füllmasse innerhalb von zwei Minuten verarbeitet werden, ansonsten fliege einem die Dose um die Ohren. „Und dann können Sie wirklich renovieren!“ Um die Keile zwischen Zarge und Wand setzt Heymans saubere Schaumpunkte. Kleckse, die auf Türelementen landen, so der Profi, können problemlos mit einem Aceton-getränkten Tuch aufgenommen werden. 

Während der Schaum aushärtet, geht Holzland-Geschäftsführer Peter Hönighaus anhand einer kurzen Leinwand-Präsentation auf Innentür-Aspekte wie Klimastabilität, Schall- und Einbruchschutz ein. Indes baut Gebhard Heymans die Zierverkleidung für die Rückseite des Rahmens zusammen. Schließlich ist es soweit: Der Schaum ist zwar erst zu 60 Prozent ausgehärtet, aber Masse, die übersteht, kann Heymans problemlos mit der Hand abreißen. Auch die Keile entfernt er. Dann noch: Zierverkleidung und Drückergarnitur anbringen – fertig ist die Innentür.

Und das sind die nächsten Seminar-Termine:

Samstag, 4. April 2020: Terrassenbau

Samstag, 20. Juni 2020: Zaunbau

Samstag, 26. September 2020: Parkett und Boden verlegen 

Samstag, 21. November 2020: Innentüren einbauen 

Die Seminare werden im Vestimmo-Magazin jeweils drei Wochen vorher angekündigt. Anmeldungen sind dann bei der Vestimmo-Redaktion oder über die Website von Holzland Bunzel möglich.

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