Heimwerken
+
Auch beim Heimwerken ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Selbst die fähigsten Selbermacher haben ganz klein angefangen.

Heimwerker werden: Gar nicht schwer mit der richtigen Ausgangsbasis

Selbermachen ist einer der größten Trends unserer Zeit. Allerdings wissen viele nicht, wie sie in dieses Hobby einsteigen – dabei ist es kein Hexenwerk und benötigt auch nicht viel Geld.

Wer sich die Mühe macht und bei einem Internet-Kartentool im Vest nach Baumärkten sucht, wird rasch eines feststellen: wir sind eine Region der Selbermacher. Kein Wunder, denn Selbermachen, Heimwerken oder wie im neudeutsch DIY, für Do It Yourself, ist nicht nur ein spaßiger Zeitvertreib. Es ist gelebte Nachhaltigkeit in einer Zeit, in der man nicht selten Wochen bis Monate auf einen Profi wartet.

Doch so schillernd die DIY-Welt ist, so atemberaubend auch die Projekte erfahrener Selbermacher sind, das alles wirkt oft auf Neulinge ziemlich abschreckend. Werkzeug und die Materialien gibt es ja zu kaufen, aber was wird wofür benötigt? Und wer verrät Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller ohne beruflichen Zugang zu technischem Grundwissen, wie sie was richtig machen? Fragen, die eine beträchtliche Hürde vor dem Einstieg ins Heimwerken errichten – allerdings auch Fragen, die sich selbst beantworten, wenn ein stringenter Weg eingehalten wird.

1. Gucken und schauen

In jedem Lehrberuf beginnt alles damit, dass Azubis Meistern. über die Schulter schauen. Einfach deshalb, weil die meisten Menschen viel besser lernen können, wenn sie nicht nur schriftliche oder gesprochene Informationen erhalten, sondern gleichsam miterleben, wie ein Projekt von Beginn bis Ende durchgezogen wird.

An dieser Stelle wird das Internet zum ersten von vielen Malen ein unschätzbar wertvoller Helfer für den Selbermachernachwuchs von morgen; speziell YouTube. Hier findet sich eine enorme Bandbreite von Channels, deren Betreiber nichts anderes tun, als zu heimwerken. Eine kleine Auswahl:

·        Black Beard Projects

·        Hand Tool Rescue

·        LADB Restoration

·        Mr. Chickadee

·        My Mechanics

·        Odd Tinkering

·        Renovieren mit Elmar

·        The Good of the Land

·        Tysy Tube

Der Weg zum erfolgreichen Heimwerker beginnt damit, sich einfach über Tage und Wochen hinweg immer wieder Videos auf diesen Channels anzuschauen. Englischkenntnisse sind hier zwar (wie prinzipiell überall im Netz) von Vorteil, aber es genügen rudimentäre Basiskenntnisse; viele der genannten Channels funktionieren auch gänzlich ohne erklärende (gesprochene) Worte, wenn überhaupt müssen dann nur englischsprachige Einblendungen übersetzt werden – und im Zweifelsfall gibt es bei YouTube vielfach auch die Möglichkeit, sich Untertitel einblenden zu lassen.

Dabei hat dieser erste Schritt nicht nur den Sinn, völligen Laien zu erklären, wie Selbermachen geht. Primär geht es hier darum, dieses Know-How in Form von unterhaltsamen Videos zu präsentieren. Die schönen Seiten des Selbermachens und seine Vielfalt hervorzuheben und natürlich auch Inspiration zu liefern – allerdings mit einer Einschränkung:

Was auf diesen Channels gezeigt wird, ist vielfach nicht sonderlich anfängertauglich, sondern etwas für routinierte Selbermacher. Dadurch werden die Clips allerdings auch zum Ansporn.

2. Ein simples Projekt samt Anleitung suchen

Mit überkomplexen Projekten zu starten produziert nur Frust. Besser sind kleine Erfolgsbringer à la Frühstücksbrett, Werkzeugträger und Co.

Wer sich ansieht, wie YouTuber My Mechanics einen simplen Stahlbolzen innerhalb eines viertelstündigen Videos in ein Zahlenschloss verwandelt, könnte als Laie schnell zu dem Schluss gelangen, niemals so gut zu werden – eine völlig falsche Denkweise. Denn was beim Heimwerken ebenso wie bei der Berufsausbildung oder dem Sport zählt, ist eine Politik der kleinen Erfolgserlebnisse, die sich nach und nach aufsummieren.

Das heißt, Laien sollten zunächst damit beginnen, sich ein für sie stemmbares Projekt zu suchen. Vielleicht ist es die Wohnzimmertapete, vielleicht ein kleiner Hocker fürs Kinderzimmer, vielleicht eine zu lackierende Zimmertür oder das hakelnde Schloss der Waschmaschinentür.

Egal was es ist, es zählt nur Folgendes:

1.   Das Projekt sollte keinen hohen Aufwand bereiten,

2.   es sollte sich mit den bereits vorhandenen technischen Fähigkeiten erledigen lassen,

3.   es sollte keinesfalls viel und teures Werkzeug benötigen,

4.   es muss dafür im Netz eine Step-by-Step-Anleitung vorhanden sein und

5.   es sollte idealerweise fertige Ersatzteile geben oder Rohmaterial nur auf einfache Weise umgearbeitet werden müssen.

Letztendlich funktioniert es dann nicht unähnlich dem Aufbau eines Schrankes aus dem schwedischen Möbelhaus, bloß in etwas anderer Reihenfolge:

1.   Zunächst wird die Anleitung sorgsam durchgelesen. Dafür gibt es konkrete Seiten im Netz; sie sind durch ihren geschriebenen und bebilderten Charakter meist zielführender als die ähnlich gelagerten YouTube-Videos. Zudem liefern viele auch genaue Listen der benötigten Materialien und Werkzeuge.

2.   dann wird das Material besorgt. Hier gibt es jedoch nach Art des Projekts zwei Wege: Geht es um frei verwendbare Teile, ist der Baumarkt mit seinem großen Sortiment die richtige Anlaufstation. Wer sich jedoch an die Reparatur seiner Waschmaschine begeben möchte, wird einen anderen Weg gehen müssen. Bei diesen Geräten gibt es sehr viele verschiedene Hersteller und noch mehr unterschiedliche Modelle - mit oft proprietären Ersatzteilen. Für diese Parts haben sich spezielle Anbieter im Netz etabliert. Dort findet sich ein spezielles Schritt-für-Schritt Tool, das mit den Daten der Maschine bestückt wird, woraufhin nur für dieses Modell passende Teile angezeigt werden.

3.   Es folgt das Werkzeug. Und zwar konsequent. Vielleicht werden nur eine Handsäge, einige Schraubenzieher und ein Maßband benötigt. Doch bereits sie sollten Anlass sein, nicht mit dem billigstmöglichen Werkzeug zu beginnen, sondern solches zu kaufen, das viele Jahre mitmacht – auf diese Weise wächst dann von Projekt zu Projekt das heimische Werkzeugsortiment an. Nicht anders machen es die meisten anderen Heimwerker.

Dann wird das Projekt durchgezogen. Und egal wie simpel es im Vergleich zu den großen Vorbildern im Netz wirken mag, es sollte nur in dem Tempo erfolgen, das man sich selbst zutraut – wenn ein einfaches Frühstücksbrett mit abgerundeten Kanten zehn Stunden über mehrere Tage verschlingt, dafür aber wirklich perfekt wird, sind das gute Gefühl und der Ansporn ungleich größer als bei einem zwar innerhalb einer Stunde bewerkstelligten Brett, das aber voller grober Fehler steckt. Allerdings soll das nicht heißen, dass bedingungslose Präzision über allem stehen sollte…

3. Die richtige Einstellung pflegen

Den Kampf gegen Maschinen können Heimwerker nur verlieren. Selbergemachtes darf und sollte deshalb auch seine charmanten Fehlerchen haben.

Das vielleicht Schönste am Heimwerken ist, dass jedes Projekt nur für den Heimwerker selbst erfolgt. Niemand macht Vorgaben, niemand hat das Recht, die Qualität des fertiggestellten Stücks nach seinen Ansprüchen zu bewerten. Allerdings neigen Anfänger dazu, dabei einen Fehler zu machen: Sie legen zu strenge Maßstäbe an. Hier hilft ein Satz als Mantra ganz immens, vor allem bei Selbstgebautem:

Wenn es handgemacht ist, darf es auch ruhig handgemacht wirken;
selbst der beste Heimwerker ist keine unmenschlich präzise Maschine.

Im Klartext: Keinesfalls sollten ähnlich gelagerte Fertigprodukte als Vergleich herangezogen werden. Wenn beispielsweise ein Möbelhausregal entsteht, werden seine Teile von einer digitalisierten CNC-Fräse hergestellt – da ist es völlig normal, dass alles auf den Zehntelmillimeter genau ist. Das lässt sich nur mit viel Erfahrung und noch mehr teurem Werkzeug händisch reproduzieren.

Der Anspruch sollte deshalb sein, jedes Projekt so gut fertigzustellen, wie es einem unter Mobilisierung all seiner aktuellen Fähigkeiten möglich ist. Und wenn dann am Ende im Hinterkopf ein nagendes Gefühl verbleibt „das könnte noch besser sein“, dann sollten sich Heimwerker freuen: Das ist der Ansporn, der so wichtig ist, um über Jahre hinweg immer wieder an die Werkbank zu treten und neue Projekte anzugehen.

4. Clever weitermachen

Schnell viel Werkzeug anzuschaffen leert nur das Konto, macht einen aber nicht ebenso rasch zum besseren, fähigeren Heimwerker.

Es gibt beim Heimwerken zwei prinzipielle Herangehensweisen:

1.   Die projektbasierte Herangehensweise. Der Heimwerker sucht sich ein Projekt und besorgt dann Material und Werkzeuge dementsprechend.

2.   Die materialbasierte Herangehensweise. Der Heimwerker sucht seine Projekte nach dem aus, was er in Sachen Material und Werkzeuge bereits besitzt und versucht, immer solche zu wählen, die nur einen geringstmöglichen Zukauf benötigen.

Zugegeben, wer ganz am Anfang seiner Heimerkerkarriere steht, wird fast ausschließlich die projektbasierte Herangehensweise bewerkstelligen können – seine Ausstattung erlaubt schlicht noch nichts anderes.

Sobald allerdings ein Grundstock an Werkzeug angeschafft wurde, empfiehlt sich dringend, materialbasiert weiterzumachen. Dafür gibt es gute Gründe:

1.   Werkzeug kann in Summe richtig ins Geld gehen. Wer materialbasiert arbeitet, rüstet zwar nicht so schnell auf, bleibt aber in einem überschaubaren Budgetrahmen.

2.   Die Vielfalt des Baumarktsortiments lockt. Bloß bedeutet projektbasiertes Arbeiten, dass viel Werkzeug angeschafft wird, dass vielleicht nur sehr selten verwendet wird.

3.   Durch den Fokus auf wenige Werkzeuge und Materialien werden Anfänger automatisch gezwungen, das Wenige, das sie besitzen, viel tiefer und genauer kennenzulernen. Das kommt in jedem Fall den Fähigkeiten zugute.

Ein simples Beispiel: Wer für das erste Projekt eine Handsäge (einen Fuchsschwanz) kauft, dann aber für den nächsten Job gleich auf eine Elektro-Stichsäge aufrüstet, wird das so vielfältige erstgenannte Werkzeug und seine Fähigkeiten nie tiefer kennenlernen. Dazu gehört auch ein zweiter Merksatz:

Heimwerken muss nicht zur teuren „Materialschlacht“ werden.
Im Gegenteil, vielfach sind die Projekte, die mit den
geringstmöglichen Mitteln maximalen Erfolg produzieren
diejenigen, die den meisten Spaß und Erkenntnisgewinn bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Mann bestellt Sportwagen für 31.000 Dollar aus China: Was er bekommt, haut ihn aus den Socken
Mann bestellt Sportwagen für 31.000 Dollar aus China: Was er bekommt, haut ihn aus den Socken
Mann bestellt Sportwagen für 31.000 Dollar aus China: Was er bekommt, haut ihn aus den Socken
Corona in Spanien: Sonne, Strand und Maske - das erlebt unser Autor aktuell vor Ort
Corona in Spanien: Sonne, Strand und Maske - das erlebt unser Autor aktuell vor Ort
Corona in Spanien: Sonne, Strand und Maske - das erlebt unser Autor aktuell vor Ort
Genialer Pommes-Trick: Probieren Sie ihn bei Ihrem nächsten McDonald's-Besuch aus
Genialer Pommes-Trick: Probieren Sie ihn bei Ihrem nächsten McDonald's-Besuch aus
Genialer Pommes-Trick: Probieren Sie ihn bei Ihrem nächsten McDonald's-Besuch aus
Shopping im Ruhrgebiet: Die 5 besten Orte
Shopping im Ruhrgebiet: Die 5 besten Orte
Nahe an der Perfektion ...
Nahe an der Perfektion ...

Kommentare