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Karatbars klärt auf: Was versteckt sich hinter dem London Bullion Market?

Der innere Wert von Gold hat sich seit Jahrtausenden bewährt. Das wissen auch – nicht zu-letzt nach mehreren Inflationen und zwei Weltkriegen – die Deutschen. Sie besitzen laut Steinbeis-Hochschule mit gut 9.000 Tonnen rund 6,5 Prozent der weltweiten Goldbestände, knapp die Hälfte davon als Schmuck. Und jedes Jahr kommen derzeit mehr als 100 Tonnen hinzu.

Nur 38 Prozent der Deutschen besitzen allerdings Münzen oder Barren, immerhin zwei Drittel Goldschmuck. Wo aber wird Gold gehandelt – sehen wir einmal von einschlägigen Geschäften und Online-Plattformen ab – und wo wird der Preis festgelegt? Karatbars-CEO und -Gründer Harald Seiz hat mit den namensgebenden Karatbars und CashGold selbst zwei hochwertige Goldprodukte im Angebot. Er weiß Antworten. 

„Beim Thema Goldpreis und -Handel muss man mehrere Dinge unterscheiden: Die Fest-legung und das Aushandeln des Preises, als Spotmarkt für die sofortige physische Lieferung oder als Future eben für Lieferungen in der Zukunft, und zweitens damit einhergehend den physischen oder eben nur virtuellen Handel mit dem Edelmetall selbst. Für all dies haben sich aufgrund historischer Entwicklungen verschiedene Orte etabliert“, so Seiz. Der grundsätzliche Preis des Goldes wird dabei auf dem offenen Markt bestimmt – seit dem 17. Jahrhundert in London. Zwei Mal am Tag beteiligt sich heute ein knappes Dutzend internationaler Banken an der Festsetzung des LBMA Gold Price in US-Dollar – jedoch nur noch elektronisch. „Über einschlägige Business-Fernsehprogramme kann man den Prozess verfolgen. Das Fixing ist also recht transparent geworden. Anders als in der Vergangenheit, wo es zu Manipulationen kam“, weiß der Karatbars-Chef. 

Das Ergebnis ist ein Spotpreis für den sofortigen Warenaustausch. Die London Bullion Market Association (LBMA) organisiert dabei maßgebliche Teile des physischen Goldhan-dels: Sie setzt und überprüft die Qualitätsstandards, dokumentiert den Handel, entwickelt ehrbaren Handelsregeln und führt die legendäre so genannten Good Delivery List, auf der nur jene Produzenten und Raffinerien zu finden sind, die die hohen Qualitätskriterien erfüllen. Damit wird auch der weltweit gültige Gütemaßstab definiert. Zu den mehr als 140 LBMA-Mitgliedern gehören Zentralbanken, die Gold besitzen, Privatinvestoren, Bergbauunterneh-men, Produzenten, Raffinerien, Händler, Betreiber von Goldlagern und Werttransport-Unternehmen. Der London Bullion Market ist ein – außerbörslicher – Großhandels-markt. Handelszeit ist Montag bis Freitag von 8:50 Uhr bis 15 Uhr, mit dem Gold-Fixing 10.30 Uhr und 15 Uhr Ortszeit. „Die LBMA ist also keine Börse. Der Handel findet unabhängig und außerhalb ihrer Räumlichkeiten statt“, betont Harald Seiz. Im Prinzip betrifft der Preis nur Mitglieder der LBMA – aber de facto beeinflusst er den Weltmarkt und die Börsenplätze.

New York ist der bedeutendste Handelsplatz für den virtuellen Handel 

Seit 1974 gibt es dafür die New York Commodities Exchange (COMEX), die 1994 mit der „New York Mercantile Exchange“ (NYMEX) verschmolzen ist: Heute die weltweit größten Goldbörse, vor allem auch zum Handel mit Gold-Futures. Geht es um den realen Handel mit Gold, ist eine gewisse räumliche Nähe zum Markt naturgemäß sinnvoll. So ist New York überwiegend für den nordamerikanischen Handel bedeutsam und erfüllt wichtige Funktionen für Lateinamerika. Die wichtigsten Handelsplätze in Asien sind die Tokyo Commodities Exchange (TOCOM) ebenfalls für Termingeschäfte und Optionen und Hongkong für den physischen Handel so wie London. In Europa spielt hierfür auch Zürich eine herausragende Rolle. 

„Auch wenn die Berichterstattung zum Gold sich oft um Inflationsängste, Vermögenssi-cherung und dadurch folglich um Goldmünzen und Barren als sicheren Hafen dreht, wird die Hälfte allen Goldes zu Schmuck verarbeitet und entsprechend gehandelt“, erläutert der Ka-ratbars-Chef. Der größte Absatzmarkt dafür ist Indien, gefolgt von China. Dabei ist es er-staunlich, dass der Subkontinent mit der Multi Commodity Exchange of India (MCX) in Bom-bai nur den nach Handelsvolumen fünftgrößten Markt hervorgebracht hat. Dort handelt man mit Terminpreisen als auch real. 

Dabei war fast ein halbes Jahrhundert lang die freie Bildung des Goldpreises einge-schränkt. Schließlich war der Besitz von Gold in den Jahren 1931 bis 1973 in den USA ver-boten – außer in Form von Schmuck und Goldmünzen“, so Seiz. Präsident Roosevelt hatte dies verfügt und so war der Preis zwischen 1934 bis 1968 auf 35 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) staatlich festgelegt. Das Aushandeln eines Preises an den Börsen war in die-ser Zeit also sinnlos und so erfüllten die Handelsplätze „nur“ die rein physische Austausch-funktion. Erst 1973 wurde der Goldpreis vollends von den USA freigegeben und ab 1974 durften auch US-Bürger wieder Gold besitzen. 

China übrigens hat in den vergangenen Jahren seine Goldreserven kräftig aufgestockt. Zusammen mit dem großen privaten Schmuckmarkt ist es damit zum größten Gold-Nachfrager avanciert. Daneben hat das Land eigene Lieferspezifikationen definiert. Viele Experten gehen daher davon aus, dass die Rolle Londons als Zentrum des Goldhandels abnehmen und sich nach Schanghai verlagern könnte. Das aber ist noch Zukunftsmusik. Bislang nimmt die Shanghai Gold Exchange nur den siebten Platz weltweit ein.

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