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Karriere: Berufliche Perspektiven als Medizinabsolvent

Zwölf Semester, also rund sechs Jahre lang, dauert das Medizinstudium in Deutschland. Spätestens im vierten Jahr beginnen Studierende mit den ersten Überlegungen hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft. Wer das Studium dann erfolgreich abgeschlossen hat, kann aus mehreren Optionen wählen. Ein Überblick hilft bei der Orientierung.

Angestellt arbeiten: Die klassische Variante

Absolventen können sich selbstverständlich für ein Angestelltenverhältnis in Krankenhäusern oder Praxen entscheiden. In größeren Kliniken sollten sie allerdings mit einem hohen Arbeitspensum rechnen, denn auch dort mangelt es nicht selten an Ärzten, während die Patientenzahlen steigen. Wer jedoch keine Furcht hiervor hat und sich gerne beruflich engagiert, ist mit einem Angestelltenverhältnis gut beraten. Diese Option bietet Ärzten eine recht sichere Position am Arbeitsmarkt, da gute Mediziner stets gefragt sind. Das zeigt sich ebenfalls anhand der vielen Stellenangebote, die bei praktischArzt veröffentlicht werden.

Doch nicht nur in Praxen und Krankenhäusern ist es möglich, als Arzt angestellt tätig zu sein. Auch Unternehmen suchen immer wieder nach Betriebsärzten, die sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern. Hinzu kommen freie Positionen in der Pharmabranche oder bei wissenschaftlichen Einrichtungen. Was die individuellen Verdienste betrifft, hängen diese natürlich von der Position des Arztes, dessen Arbeitgeber und auch einer späteren Spezialisierung ab. Allgemein aber gehören angestellte Mediziner zu den am besten verdienenden Berufseinsteigern in Deutschland.

Anhand der Gehaltstabelle der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA, Seite 40) können die verschiedenen Gehaltsstufen und Gehälter an kommunalen Krankenhäusern in 2018 eingesehen werden. Assistenzärzte beispielsweise fallen unter Stufe 1, die ein Grundentgelt von 4.402,39 Euro monatlich vorsieht. Wer sich nach und nach hocharbeitet und beispielsweise als Fach-, Ober- oder Chefarzt tätig ist, verdient noch einmal deutlich mehr. Hinzu kommen eventuelle Zuschläge, die für den Einsatz während der Nächte, an Feiertagen, Wochenenden oder für das Leisten von Bereitschaftsdiensten gezahlt werden.

Selbständig machen als niedergelassener Arzt

Die Möglichkeit, eine eigene Praxis zu betreiben und folglich als niedergelassener Arzt tätig zu sein, ist nicht ohne Weiteres realisierbar. Lediglich private Praxen können ohne viele Auflagen eröffnet werden, wer hingegen als Arzt mit Kassenzulassung arbeiten will, benötigt eine Ausbildung zum Facharzt. Hausärzte entscheiden sich meist für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin.

Ebenfalls herausfordernd können bei der Eröffnung einer Arztpraxis die Nebenkosten und der administrative Aufwand sein. Immerhin muss die Praxis nicht nur angemietet und instandgehalten werden. Auch die Ausstattung mit Geräten und Mobiliar sowie das Einstellen und Bezahlen von Mitarbeitern stehen an und erfordern zu Beginn große Investitionen. Hinzu kommt, dass sich Ärzte mit eigener Praxis zusätzlich um steuerliche und rechtliche Belange kümmern müssen.

Bei der Übernahme bestehender Praxen ist die erste Zeit ebenfalls nicht einfach, schließlich gilt es, sich zunächst zurechtzufinden und die Gunst des Patienten zu gewinnen. Das verlangt Ärzten zwischenmenschlich und fachlich viel ab, denn sie müssen sich tagtäglich nicht nur mit Krankheiten und deren Heilung beschäftigen, sondern ihre Patienten auch beraten. Aus diesem Grund sind viele niedergelassene Ärzte gut über rezeptfreie Medikamente informiert, um ihren Patienten eine bestmögliche Beratung und Versorgung bieten zu können. Wie viel Ärzte mit eigener Praxis verdienen, lässt sich anhand der Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV) schätzen. Sie berichtete in 2015 von einem verfügbaren jährlichen Nettoeinkommen in Höhe von 80.295 Euro bei einer 50-Stunden Woche. Das ist allerdings nur ein Richtwert, da das Einkommen von vielen Faktoren wie

  1. dem Standort der Praxis,
  2. deren Leistungsspektrum,
  3. dem Anteil der Privatleistungen
  4. und den individuellen Ausgaben

beeinflusst wird.

In die Forschung gehen

Wer sich als studierter Mediziner nicht im kurativen Bereich positionieren will, kann sich in der medizinischen Forschung betätigen. Dafür entscheiden sich manche Studenten bereits während ihrer Studienzeit, da viele Universitäten ihnen die Teilnahme an parallelen Studiengängen ermöglichen, die ihnen den Weg in die Forschung ebnen sollen. Auch Fachärzte für Anatomie, Physiologie, Humangenetik oder Mikrobiologie sind nach ihrer zusätzlichen Ausbildung in aller Regel forscherisch tätig.

Das Gehalt für Ärzte in der Forschung hängt erneut von mehreren Aspekten ab. Oft wird berichtet, dass das Einkommen in diesem Bereich niedriger liegt als bei angestellten Ärzten in Kliniken, dabei aber muss individuell differenziert werden. Für viele Mediziner ist die Aussicht auf eine Forschungstätigkeit sehr spannend, denn sie erhoffen sich somit die Abkehr vom stressigen Klinikleben. Viel Motivation und Durchhaltevermögen sind jedoch auch in der Forschung nötig: hier ist es entscheidend, Erkenntnisse mit Hilfe oftmals langwieriger Versuche zu gewinnen, sich fortlaufend weiterzubilden und aktiv den Austausch mit anderen Wissenschaftlern zu suchen.

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