Melatonin Schlafhormon
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Melatonin-Wirkung: Was das Schlafhormon wirklich bringt

Melatonin-Wirkung: Was das Schlafhormon wirklich bringt

Melatonin ist vielen als menschliches Schlafhormon bekannt. Doch was genau steckt hinter diesem Begriff, wie wirkt das Hormon auf den Körper und was bringt es eigentlich als Schlafmittel?

Was ist Melatonin?

Melatonin ist als menschliches Schlafhormon bekannt. Es wird als Abkömmling des Neurohormons Serotonin in der Zirbeldrüse, der Netzhaut der Augen und dem Darm gebildet. Als Auslöser für die Bildung von Melatonin gilt der Sonnenuntergang und die anschließend eintretende Dunkelheit. Das Hormon wird somit bei Dunkelheit aktiviert und durch Licht gehemmt.

Die maximale Melatoninsekretion liegt nachts bei 200 Pikogramm pro Milliliter und wird gegen drei Uhr morgens erreicht. Am Tag sinkt sie hingegen bis auf 10 Pikogramm pro Milliliter ab. Das Hormon wird dabei nicht im Körper gespeichert, sondern diffundiert direkt nach der Bildung in die Gehirn- sowie Rückenmarksflüssigkeit und das Kapillarblut.

Neben dem Stresshormon Cortisol ist Melatonin der zweite Biorhythmusgeber für den Menschen. Es steuert nicht nur die innere Uhr des Körpers, sondern spielt auch für den jahreszeitlichen Rhythmus eine tragende Rolle. So bleibt der Melatoninspiegel an dunklen Wintertagen auch tagsüber erhöht. Viele Menschen verspüren in der Folge Tagesmüdigkeit oder depressive Verstimmungen.

Wie entwickelt sich der Blutmelatoninspiegel im Alter?

Im Säuglingsalter fällt der Melatoninspiegel sehr niedrig aus. Eine ausgewogene Tag-Nach-Rhythmik muss sich zunächst entwickeln und entsteht über Hell-Dunkel-Reize. Nachdem sie sich eingestellt hat, verfügen Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren über den höchsten Blutmelatoninspiegel. Mit dem Einsatz der Pubertät beginnt die Hormonproduktion allerdings wieder abzusinken. Ab einem Alter von rund 50 Jahren fällt die Differenz der Tag- und Nachtwerte bereits um 75 Prozent geringer aus als in der Pubertät und verschwindet im hohen Alter gänzlich.

Um einer schlechten Schlafqualität, einer sogenannten primären Insomnie, im Alter entgegenzuwirken, hat die Europäische Kommission 2017 Arzneimittel mit Melatonin zugelassen. Diese sind allerdings verschreibungspflichtig und vor allem für Patienten ab 55 Jahren vorgesehen.

Wie wirkt Melatonin im Körper?

Melatonin lässt sich im Körper von jeder Zelle weiterverarbeiten. Es kontrolliert verschiedene Stoffwechselvorgänge, die etwa den Tag-Nacht-Rhythmus, die Schlafregulation, entzündungshemmende sowie immunologische Mechanismen umfassen. Das Hormon gilt außerdem als „herzschützend“, da klinische Studien bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit einen geringeren Melatoninspiegel nachweisen konnten. Zudem führt eine gestörte Melatoninsekretion häufig zu Migräne. Diese lässt sich sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen durch eine Regulierung des Melatoninhaushaltes ausgleichen.

Darüber hinaus spielt das Schlafhormon eine wichtige Rolle bei neurologischen Erkrankungen. Es reduziert freie Radikale und aktiviert das antioxidative Verteidigungssystem des Körpers. Studien wiesen zudem auf einen Zusammenhang zwischen einem gestörten Melatoninhaushalt und neurodegenerativen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Alzheimer und Parkinson hin.

Gleichzeitig aktiviert Melatonin das Immunsystem, fördert die Autophagie der Zellen und hemmt die Neubildung von Gefäßen in Tumorgewebe. Insgesamt hemmt das Hormon das Tumorwachstum und eignet sich teilweise als Begleitbehandlung bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs sowie schwarzem Hautkrebs. 

Was bringt Melatonin als Schlafmittel?

Bei einer primären Insomnie kann Melatonin die Schlafqualität verbessern. Es eignet sich in erster Linie für Patienten ab 55 Jahren und wird gegen Schlafstörungen verschrieben. In Deutschland ist bisher nur ein einziges Arzneimittel zugelassen. Patienten können dieses aus der Apotheke beziehen, müssen jedoch ein ärztliches Rezept vorlegen. 
Das Arzneimittel basiert dabei auf einem Retard-Präparat, das das Hormon mit einer zeitverzögerten Wirkung freisetzt. Da Melatonin nur eine kurze Halbwertszeit von knapp 30 Minuten besitzt, sollte das Hormon trotzdem mit der letzten Mahlzeit kurz vor dem Zubettgehen eingenommen werden. 
Da Melatonin-Tabletten verschiedene Nebenwirkungen auslösen können, ist eine dauerhafte Einnahme in Deutschland bisher umstritten.

Eine Alternative zu den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, sind Melatonin Kapseln. Sie gelten als Nahrungsergänzungsmittel und sollten vor dem Schlafen eingenommen werden, um eine geringere Einschlafzeit zu erreichen.

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