Mitgliederzahlen in Parteien: Deutsche engagieren sich immer weniger in der Politik

Die Gründe, warum man seine möchte, sind vielfältig - und immer mehr Deutsche scheinen auch kein Problem damit zu haben, wenn es um den Austritt aus einer Partei geht. Durften sich die politischen Parteien in den 1960er und 1970er Jahren über immer mehr Mitglieder freuen, so gab es mit der Wiedervereinigung eine Trendumkehr - plötzlich hatte man das Interesse an den politischen Parteien verloren.

Die Situation vor der Wiedervereinigung

1948 hatte die CDU 360.000 Mitglieder - der nächste große Schwung kam erst in den 1960er Jahren. So konnte die CDU zwischen 1968 und 1976 ein Plus von 128 Prozent bei der Mitgliederzahl verbuchen. 1983 hatte man 734.555 Mitglieder - der absolute Höhepunkt. Der Höhepunkt der SPD war hingegen in den 1970er Jahren. Waren im Jahr 1947 noch 875.479 Deutsche bei der SPD, so waren es 1976 sagenhafte 1.022.191. Doch die Millionen-Grenze konnte nur für wenige Jahre gehalten werden: 1989 lag die Mitgliederzahl im Bereich der 920.000. Befasst man sich mit den Mitgliederzahlen der CSU und FPD, so ist es schwer zu sagen, wie die Situation in den 1960er Jahren aussah, weil es eine kaum nachvollziehbare Datenlage gibt. 1948 waren 85.247 Deutsche bei der CSU - 1953 waren es nur noch 33.000, bis im Jahr 1989 der Höchststand von 185.703 erreicht wurde.

Die FPD hatte im Jahr 1952 66.000 Mitglieder, musste aber ebenfalls ein Minus wegstecken - so waren es zu Beginn der 1970er Jahre nur noch um die 53.000 Mitglieder. 1981 freute man sich über den Höchststand mit 86.073; 1989 lag man bei 65.150. Nachdem die Grünen im Jahr 1980 gegründet wurden, hatten sie gerade einmal 20.520 Mitglieder. Ein Jahr später waren es nur noch 18.200. Im Jahr 1987 lag die Mitgliederzahl aber schon bei über 40.000.

Die Zeit danach

Die Wiedervereinigung half vor allem der CDU - da die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und der Demokratische Aufbruch (DA) sich der CDU anschlossen, gab es einen Mitgliederzuwachs von 20 Prozent auf über 789.000. Jedoch konnte das Plus nicht gehalten werden: 2016 gab es gerade noch 431.920 Mitglieder. Seit der Wiedervereinigung verlor die CDU also über 45 Prozent ihrer Mitglieder. Die SPD verbuchte nach der Wiedervereinigung ein Plus von 2,5 Prozent - 1990 lag man somit bei 943.402 Mitgliedern. 2016 lag die SPD knapp vor der CDU mit 432.706 Mitgliedern. Beim Mitgliederverlust ist man auch die Nummer 1 - das Minus beträgt, bezugnehmend auf das Jahr 1990, 54 Prozent.

Mit Ausnahme der Grünen und der Alternative für Deutschland mussten auch die kleineren Parteien Mitgliederverluste verbuchen. Die CSU, die ausschließlich in Bayern verankert ist, konnte von der Wiedervereinigung nicht profitieren. Nach 1990 ging die Zahl der Mitglieder zurück - lag man 1990 bei 186.198 Mitgliedern, so waren es 2016 nur noch 142.412. Seit 1990 hatte man 23,5 Prozent der Mitglieder verloren. Den höchsten Mitgliederverlust musste die FPD verbuchen: zwischen 1990 und 2016 verlor man 68 Prozent der Mitglieder. Jedoch konnte die Partei nach der Wiedervereinigung, weil mehrere kleine Parteien zur FPD gingen, den höchsten Mitgliederzuwachs verbuchen: 160 Prozent! Waren es 1990 noch 168.217 Mitglieder, so lag man Ende 2016 bei 53.896. Nur die Alternative für Deutschland darf sich aktuell über freuen. Ging die Mitgliederzahl nach der Spaltung 2015 von über 20.000 auf 16.385 Mitglieder zurück, so befindet sich die Partei jetzt gerade auf dem Rekordniveau von 26.000 Mitgliedern.

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