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Selbst in der Musikbranche findet Nachhaltigkeit ihren Platz.

Nachhaltigkeit bei Musikinstrumenten

Die Herstellung von Musikinstrumenten ist eines der ältesten Kunsthandwerke der Menschheit. Aus diesem Grund ist der Einsatz natürlicher Materialien im Instrumentenbau eigentlich Tradition. Allerdings heißt natürlich nicht immer nachhaltig oder umweltfreundlich. Illegale Tropenhölzer, umweltschädliche Lacke und Beizstoffe - die Liste möglicher Umweltfallen beim Kauf von Musikinstrumenten ist lang. Es stellt sich daher die Frage, ob man auch im Bereich der Musik mehr Nachhaltigkeit üben kann und wenn ja, wie.

Das Thema Nachhaltigkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Seien es nun Bio-Lebensmittel aus der Region, umweltfreundliche Naturkosmetik, E-Autos und E-Bikes oder Kleidung aus Naturtextilien - ein besserer Umweltschutz durch nachhaltige Lebensweise geht uns alle an. Das gilt auch für private Hobbys, denn die persönliche Freizeitgestaltung bildet einen essenziellen Bestandteil des alltäglichen Lebens. Sie nimmt deshalb oft einen entscheidenden Einfluss auf unsere Alltagsgewohnheiten und damit auch auf unseren Umgang mit der Umwelt. In Bezug auf Musikinstrumente könnte das Verbraucherbewusstsein für ökologisch wertvolle Produkte dabei doch etwas besser sein.

Musik und Nachhaltigkeit - Gibt es Verbesserungsbedarf?
Viele Menschen versuchen bereits, ihr Lieblingshobby nachhaltiger zu gestalten. Sie nutzen öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder gehen zu Fuß, um Ausflugsziele zu erreichen. Beim Basteln, Handwerken und kreativen Arbeiten achten sie bewusst auf die Verwendung von Naturmaterialien aus ökologischem Anbau oder recyceln ganz einfach alte Gebrauchsgegenstände. Doch wie sieht es eigentlich mit Musikern aus? Geht es um Musikinstrumente, hört man eher selten von Kampagnen für mehr Nachhaltigkeit. Dabei gibt es durchaus einige Dinge, auf die umweltbewusste Musikanten Wert legen sollten.

Schon bei der Materialwahl können Instrumentenbesitzern böse Überraschungen drohen, etwa wenn sie nicht von Beginn an auf passende Holzzertifikate achten. Nun würde man annehmen, dass die meisten in Deutschland angebotenen Instrumente auch aus heimischen Holzsorten bestünden. Diesbezüglich wären nebenbei bemerkt gerade Gitarrendecken aus Fichtenholz ideale Beispiele für nachhaltigen Instrumentenbau. Denn die Fichte ist ein heimisches Nadelgehölz und dementsprechend ein nachwachsender Rohstoff aus legaler Bezugsquelle.

Tatsächlich tummelt sich unter den Angeboten zu Musikinstrumenten aber eine ungeahnte Menge an Schwarzmarktware mit ungewisser Holzherkunft. Und auch was die Vorbehandlung des Holzes angeht, zeigt sich nicht jeder Hersteller naturverbunden. Hochgiftige Chemikalien in Lackierungen und Holzbeizen können hier bei fehlendem Herstellerzertifikat nie ganz ausgeschlossen werden. Vor allem dann, wenn die Instrumente aus Drittländern außerhalb der EU stammen, ist eine Qualitätssicherung oft nicht gegeben. Mit weitreichenden Folgen.

Illegale Holzarten im Instrumentenbau
So manches Holz, das zur Herstellung von Streichinstrumenten, Gitarren, Percussion, Klavieren, Flöten und Co. verwendet wird, ist alles andere als nachhaltig. Und jeder, der beim Instrumentenkauf und -verkauf nicht aufpasst, könnte wegen illegaler Holzverarbeitung am Musikinstrument Probleme mit dem Zoll bekommen. Derartige Fälle sind im Übrigen keine Seltenheit. Insbesondere exotische Instrumente, wie man sie in Urlaubsländern gerne auf dem Straßenmarkt angeboten bekommt, bergen ein hohes Risiko. Es gibt unzählige Fälle, in denen Reisende Souvenire wie afrikanische Bongos oder asiatische Streich- und Zupfinstrumente nach ihrer Ankunft am heimischen Flughafen nie wiedersahen. Der Zoll inspiziert solche Mitbringsel sehr akribisch und konfisziert sie bei Bedarf auch. Aus gutem Grund, denn der illegale Handel mit Musikinstrumenten aus Tropenholz floriert und das nicht zuletzt wegen der besonderen Eigenschaften, die Instrumentenholz aufweisen muss.

Ein wichtiger Kritikpunkt für Geigenholz ist es zum Beispiel, dass das Holz sehr langsam gewachsen ist. Dadurch wird es robuster und lässt sich anschließend leichter in die filigrane Form überführen, die für Geigen und auch Kontrabässe und Cellos üblich ist. Hölzer, die derartige Qualitätsmerkmale erfüllen, stammen neben der Fichte vor allem von Bäumen, die in großen Höhenlagen wachsen. Dazu gehören unter anderem der Bergahorn und das Chinesische Rosenholz. Letzteres gehört zu den sogenannten Palisanderhölzern, die seit einigen Jahren unter Artenschutz stehen, jedoch nach wie vor häufig illegal im Instrumentenbau verwendet werden. Ebenfalls als Palisander gelten zahlreiche geschützte Tropenhölzer, deren Verkauf in der EU und damit auch in Deutschland eigentlich verboten ist. Allerdings wird der illegale Holzhandel trotz bestehender Verbote nicht immer so genau überprüft, wie es wünschenswert wäre. Da liegt insbesondere bei weiterverarbeitetem Holz auch an einer mangelnden Möglichkeit zur Rückverfolgung.

Das Problem bei der Nutzung von Palisanderholz im Instrumentenbau ist, dass sie mitunter bis zu 100 Jahre benötigen, um für die Verarbeitung zum Holzinstrument geeignet zu sein. Ein nachhaltiger Anbau gestaltet sich dementsprechend schwierig, da die Bäume nur sehr langsam nachwachsen. Gerade bei Musikinstrumenten aus China oder Brasilien sollten Instrumentenliebhaber deshalb vorsichtig sein, gelten beide Länder doch als Global Player auf dem illegalen Holzmarkt. Und auch so mancher berühmter Gitarrenhersteller sträubt sich gegen Naturschutzgesetze für Palisander. Die aktuelle Lage zeigt, dass problematische Holzarten für den Instrumentenbau nach wie vor eine wichtige Bezugsquelle sind. Ein Wille zur Findung alternativer Instrumentenhölzer seitens Händlern und Herstellern besteht dabei nur bedingt, weshalb es in puncto Nachhaltigkeit umso mehr auf den Einsatz des Käufers ankommt.

Nicht nur illegale Hölzer sind ein Problem
Fernab von Zargen, Stegen und Instrumentenböden aus illegalem Edelholz ist auch die ungesetzliche Verwendung von Tiermaterialien ein Nachhaltigkeitsproblem bei vielen Musikinstrumenten. Seltene Tierfelle, Tiersehnen, Tierzähne wie die Elfenbeinhauer von Elefanten oder auch ganze Tierskelette kommen in manchen Teilen der Welt bei der Herstellung von Instrumenten zum Einsatz. Was exotisch und schmuckvoll aussieht, bedeutet nicht selten eine gezielte Jagd auf bedrohte Tierarten, die einzig dem Zweck der kuriosen Extravaganz dient. Die meisten dieser tierischen Musiksouvenirs sind gemäß dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES in Deutschland verboten. Sollte der Zoll entsprechende Instrumente demnach sicherstellen, drohen dem Besitzer gegebenenfalls hohe Strafen, die ähnlich wie bei illegalem Holz je nach Mengenanteil mehrere 1000 Euro betragen können. Der nachhaltige Kauf von Instrumenten kann also nicht nur für den Artenschutz, sondern auch für den eigenen Geldbeutel von Vorteil sein.

Mit Blick auf Instrumentenlackierungen ist die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit in der Herstellung bislang recht unübersichtlich. Viele Hersteller machen keine Angaben zu den verwendeten Substanzen. Es ist aber davon auszugehen, dass zahlreiche eingesetzte Chemikalien nicht besonders nachhaltig sind. Ein gutes Beispiel hierfür sind Trompeten. Diese werden oft unter der Argumentation eines besseren Klangs standardmäßig mit Epoxidharz lackiert. Das Kunstharz steht derzeit auf dem fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft der EU und wird im Rahmen der EU-Chemikaliengesetzgebung REACH auf seine Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen hin untersucht.

Abschließende Ergebnisse gibt es noch nicht, jedoch ist flüssiges Epoxidharz grundsätzlich giftig und es kommt beim Aushärtungsprozess auf eine professionelle Verarbeitung an. Ansonsten könnte das Harz gerade am Mundstück von Trompeten zum Giftmittler werden. Darüber hinaus weisen verschiedene Studien auf mögliche ökologische Risiken hin, die von Epoxidharz ausgehen. Ähnlich sieht es mit vielen Acrylfarben aus, wie sie zum Beispiel zur Lackierung von E-Gitarren verwendet werden. Vom rein ökologischen Standpunkt betrachtet, herrscht also großer Handlungsbedarf, wenn Musikinstrumente künftig nachhaltiger werden sollen.

Nachhaltigkeit bei Musikinstrumenten könnte besser sein
Dass die Fertigung von und der Handel mit Musikinstrumenten teils in sehr umwelt- und gesundheitsschädliche Kreisläufe involviert ist, lässt sich nicht von der Hand weisen. Was es braucht, sind klare gesetzliche Vorgaben, die keine Schlupflöcher und Gesetzeslücken für Umweltsünder lassen. Abermals kommt es hier auch auf den Druck der Verbraucher an. Denn wenn die Nachfrage nach wenig nachhaltigen Instrumenten weiter fortbesteht, sehen sich Hersteller und Händler kaum zu Änderungen gezwungen. Kompliziert am nachhaltigen Kauf der Musikinstrumente ist außerdem eine mangelnde Kontrolle durch Zertifikate und Materialprüfungen. Wer hier kein Risiko eingehen möchte, dem bleibt im Grunde nur die Option, sein Musikinstrument selbst herzustellen.

Zumindest was den Gitarren- und Flötenbau angeht, gehen übrigens sehr viele Musiker ganz eigene Wege. Sie entdecken das alte Kunsthandwerk der Instrumentenherstellung kurzerhand neu und schreinern ihre Instrumente einfach selbst in der Werkstatt. Daneben erfreut sich auch der Recyclingtrend immer größerer Beliebtheit in der Musikszene. Es gibt inzwischen ganze Ensembles, die mit „Müllinstrumenten“ in revolutionäre Klangwelten vorstoßen. Auch alte Synthesizer, Retro- und Naturinstrumente längst vergangener Tage werden derzeit wieder neu entdeckt. Upcycling-, DIY- und Bio-Instrumente sind also schwer im Kommen und wecken Hoffnung auf eine musikalische Landschaft, die sich künftig wieder mehr am ökologischen Prinzip orientiert.

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