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Bei Hautreizungen durch Nesselsucht reichen Pflegemaßnahmen nicht mehr aus – nur wirksame Medikamente können Linderung bringen.

Nesselsucht: Glückliches Ende einer Quälerei

Das ewige Jucken ihrer Nesselsucht wurde für Heidrun Grailach fast unerträglich. Nach monatelangem Leiden fand sie Hilfe – dank eines neuartigen Wirkstoffs klangen ihre quälenden Hautprobleme endlich ab.

An den Sommer 2018 denkt Heidrun Grailach aus Witten mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Am liebsten würde sie die Monate mit den heftigen Nesselsucht-Anfällen aus ihrem Gedächtnis streichen – die stark juckenden Quaddeln und die extreme Empfindlichkeit der Haut waren kaum zu ertragen. Selbst nachts wurde der einfache Hautkontakt mit der Bettdecke zu einer wahren Tortur. „Ich konnte nicht mehr schlafen, lief ruhelos durch die Wohnung“, erinnert sich Heidrun Grailach noch genau.

Der Körper arbeitet gegen sich selbst

Der Grund für Heidrun Grailachs Beschwerden war schnell ermittelt: Der Hautarzt stellte fest, dass sie an Nesselsucht leidet. Diese extrem unangenehme Krankheit kann jeden wie aus heiterem Himmel befallen. Urtikaria – so der medizinische Name – verursacht die Hautschwellungen und juckenden, schmerzenden Quaddeln. Jeglicher Hautkontakt, ja sogar kalte Luft kann die Symptome verschlimmern. 

Die genaue Ursache für Urtikaria ist nicht bekannt. Auslöser können Allergien, Unverträglichkeiten gegen Nahrung oder Medikamente, ja sogar Licht oder Kälte sein. Bei einem konkreten Anfall arbeitet der Körper gegen sich selbst: Das Immunsystem schüttet Histamine aus, entzündungsfördernde Botenstoffe, die die Hautprobleme verursachen. Manche Menschen erleben nur einen einmaligen Schub, bei anderen halten die Beschwerden wochenlang an und kehren immer wieder.

Nesselsucht schlägt auch auf die Psyche

Heidrun Grailach wurde mit konventionellen Antihistaminika behandelt, ohne Erfolg. Die hartnäckigen Hautreizungen blieben. Sie fühlte sich wie eine Aussätzige, die geschwollenen Stellen und Quaddeln trugen ihr verständnislose Blicke ihrer Mitmenschen ein. Zudem konnte sie das Kratzen an den vielen juckenden und brennenden Stellen kaum unterdrücken. „Wenn ich im Gesicht aussah wie ein Zombie, habe ich mich nicht vor die Tür getraut“, erzählt die 69-Jährige. Ihr Schub hielt mehrere Monate an.

Tatsächlich ist Nesselsucht eine Krankheit, die nicht nur extremes Unwohlsein bereitet – sie schlägt auch aufs Gemüt. Viele Betroffene finden sich hässlich und meiden Kontakte zu ihren Mitmenschen, die fälschlicherweise oft denken, hier läge eine ansteckende Krankheit vor. Mehr als die Hälfte der chronisch an Nesselsucht Leidenden entwickelt daher auch eine Depression.

Neuartige Biologika bringen die Wende

Heute ist Heidrun Grailach glücklich, dass sie den Weg in die Hautklinik der Uniklinik Bochum fand. Nach einer gründlichen Untersuchung wurde sie mit einem Präparat aus der Gruppe der Biologika behandelt. Biologika greifen gezielt dort ein, wo fälschlicherweise eine Immunreaktion im Körper verursacht wird.

Schon die erste Antikörper-Spritze schlug an, Heidrun Grailachs Symptome besserten sich und verschwanden schließlich fast vollständig. Sie ist unendlich froh, dass ihre Quälerei ein Ende fand. „Ich hätte die Ärzte damals vor Freude am liebsten umarmt“, erinnert sie sich. „Seitdem fühle ich mich wie neugeboren.“

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